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Raitenbucher Windpark ist eine Erfolgsgeschichte

"Wald und Wind passen gut zusammen" - 29.10.2017 06:29 Uhr

Beeindruckend von außen und von innen: Die 15 Windräder in Bayerns größtem Windpark haben eine Nabenhöhe von 134 Metern und einen Rotordurchmesser von 131 Metern. © Markus Steiner


Für die Max Bögl Ostwind GmbH (MBO), die den Windpark errichtete, ist das Projekt „ein einzigartiges Gemeinschaftswerk“ ,sagte MBO-Geschäftsführer Dr. Rolf Bungart bei der Eröffnung. Sein Kollege Michael Bögl nannte den Windpark „eine echte Erfolgsgeschichte“. Und Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der
Bayerischen Staatsforsten und damit quasi Hausherr des Windparks, stellte zufrieden fest: „Wald und Wind passen gut zusammen.“

Denn auch im Süden Deutschlands könne die Windenergie jetzt erfolgreich und mit einem signifikanten Ertrag genutzt werden: Der Windpark produziert Strom für rund 38500 Haushalte und trägt zu einer jährlichen CO2-Einsparung von 85500 Tonnen bei. Auf die gemeinsame Leis-tung könnten alle Beteiligten stolz sein. „Mit den hier realisierten Windkraftanlagen entsteht ein moderner und leistungsstarker Park, der die Region zukünftig mit sauberer Energie versorgt und damit ein positives
Signal für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Bayern setzt“, betonte MBO-Geschäftsführerkollege Michael Bögl. Denn immerhin erzeugt der neue Wald-Windpark pro Jahr rund 107  Millionen kWh Strom, was für rund 40 Prozent der Haushalte der beiden Landkreise reiche.

Kritik am Gesetzgeber

Bedauerlich fand es Jörg Zinner, der dritte MBO-Geschäftsführer, dass die größte Wald-Windparkanlage des Landes mit seinen insgesamt 16 Wind­rädern voraussichtlich wegen der geltenden 10H-Regelung und des neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2017) für absehbare Zeit das letzte Windprojekt dieser Dimension in Bayern bleiben wird: „Beide Regelungen sorgen dafür, dass eine signifikante Nutzung der Windenergie derzeit leider nicht mehr möglich ist. Beides gehört deshalb nochmals auf den Prüfstand.“An Minister Brunner appellierte er: „Bitte setzen Sie sich für neue Regelungen ein, damit auch in Bayern weiterhin Windenergie geerntet werden kann.“

Der Bayerische Landwirtschaftsminister betonte in seiner Festrede, dass es auch nicht im Sinne der Staatsregierung sei, wenn Windstrom aus dem Norden Deutschlands über lange und teure Stromtrassen nach Bayern transportiert werden solle. Die Energie müsse vielmehr dort erzeugt werden, wo sie auch verbraucht wird. Viele Bürger seien bei der Beantwortung der Frage, wie der Strom erzeugt werden solle, aber bedauerlicherweise nicht konsequent. So könne man nicht gegen Atomstrom und gleichzeitig auch gegen Windräder sein. Aus seiner Sicht sei der „Weg hin zu erneuerbaren Energiequellen eine Verpflichtung, die wir gegenüber unseren Kindern und Enkeln haben.“

Bei dem neuen Wald-Windpark habe allerdings die Anzahl der Befürworter deutlich überwogen. Der Standort sei aufgrund seiner Lage in einem großen Waldgebiet für die Nutzung der Windkraft geradezu prädestiniert und stoße vor Ort auf positive Akzeptanz. Die Planung, Genehmigung und Realisierung des Windprojekts hätten gezeigt, dass es möglich sei, den Wald für die Windkraft im Einklang mit den Belangen des Natur- und Artenschutzes zu nutzen.

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Mit dem Bau des Windparks einher ging Brunner zufolge ein umfangreiches Begleitprogramm an ökologischen Ausgleichsmaßnahmen und Ersatzzahlungen: Pro Anlage wurden rund 170000 Euro in Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen investiert. Das Artenschutzkonzept sah unter anderem die Umsiedelung eines Schwarzstorchhorstes inklusive neuer Nistplattformen vor. Und auch die Forstwirtschaft sei aufgrund der Nabenhöhe von mehr als 130 Metern kaum beeinträchtigt. Den Betreibern der Anlage wünschte Brunner „stets kräftigen Wind – dem Wald zuliebe sollte das aber kein Sturmtief sein.“

„Das ist fantastisch“

Angesichts der hohen Komplexität und langen Dauer des Genehmigungsverfahrens dankten die MBO-Geschäftsführer den Landräten Gerhard Wägemann (Weißenburg-Gunzenhausen) und Anton Knapp (Eichstätt) für ihren Mut, „im Spannungsfeld von Energiewende und Naturschutz die richtigen Entscheidungen zu treffen“. Auch die Standortgemeinden Raitenbuch mit Bürgermeister Josef Dengler sowie Schernfeld mit Bürgermeister Ludwig Mayinger hätten das Projekt von Anfang an unterstützt – unter der Bedingung, dass sich die Kommunen und Bürger daran beteiligen können.

Lob gab es auch von Sandra Hook, der stellvertretenden Präsidentin des Bundesverbands WindEnergie (BWE): „Ich bin schwer beeindruckt, was hier geschaffen wurde, das ist fantastisch.“ Hook sprach sich gegen Ausbaubeschränkungen bei der Windenergie aus und plädierte dafür, Bürger stets an Windparken zu beteiligen: „Die Energiewende geht uns alle an.“

Der frühere Bundestagsabgeordnete Josef Göppel, der von Brunner für seinen unermüdlichen Einsatz beim Ausbau der Erneuerbaren Energien gelobt wurde, meinte: „Die 10-H-Regelung muss in Bayern wieder ausgesetzt werden. Es gibt kein anderes Bundesland, das diese Regelung hat.“

Nach einer Diskussionsrunde mit den beiden Landräten und den Bürgermeistern Josef Dengler (Raitenbuch) und Ludwig Mayinger (Schernfeld, Bericht folgt) wurde der Windpark von Pfarrer Joachim Piephans (Ettenstatt) und Pfarrer Franz Remberger (Schernfeld) ökumenisch gesegnet. Das imposante Bauwerk, das viel Mut und Veranwortung in sich trage, habe Piephans zufolge auch eine spirituelle Dimension: „Jedes Rad hat Anteil am Segensstrom Gottes.“

Im Inneren sind sie hohl und können mit einer Leiter oder einem Aufzug erklommen werden. Die Leistung pro Anlage beträgt 3,3 Megawatt (MW). © Markus Steiner


 

Markus Steiner

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