Röhlin: Am Ende zählt nur das „Wir“

Hubert Stanka

Treuchtlinger Kurier

27.9.2016, 06:06 Uhr

© Hubert Stanka

Der Posaunenchor empfing die Gäste im hell strahlenden, neuen Hof. Landratsstellvertreter Robert Westphal, Bürgermeister Werner Baum sowie einige Stadträte und der Ortsausschuss versuchten sich noch gemeinsam mit allen Gästen an einem Kanon, bevor es barrierefrei in die Kirche zum Festgottesdienst ging.

Dort übernahm Pfarrer Günther Gagesch die Regie, der sich vor allem darüber freute, dass die lange Zeit, in der man nicht so gut in die Kirche kam, nun vorbei ist. Er lobte die zügigen Bauarbeiten. Vor der Festpredigt von Dr. Karl-Heinz Röhlin wurde noch ein passender Psalm gesprochen – über den Vogel, der ein Haus gefunden hat und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen.

Röhlin, der für seine klaren Worte bekannt ist, sparte auch in Dietfurt nicht damit. Die Sanierung nahm er als Mahnung dazu, dass sich Kirche immer wieder auch von innen erneuern müsse. Dasselbe treffe auch für unser Land zu. Dabei sprach der Pfarrer die jüdisch-christlichen Werte als Kompass an, die die Richtungsimpulse für die Reise der Gesellschaft geben sollten.

Deutliche Worte gegen die Gier

Die Zehn Gebote allerdings hätten heute keine Konjunktur. So nannte Röhlin namentlich VW, DFB und Deutsche Bank als Negativbeispiele, die ja allesamt vor Gericht stünden, weil sie Gier und Profit in den Mittelpunkt ihres Handelns gestellt hatten. Selbstkritisch nannte er aber auch die Kirchen mit ihrem Protz (Limburg) und den Missbrauchsskandalen. „Klerikale Arroganz kann ich gar nicht verputzen“, so der Rektor des Pastoralkollegs deutlich. Es komme nie auf das Reden an, sondern auf das Handeln. Und am Ende zähle immer nur das „Wir“. Dabei ging Röhlin auch auf das Wirken der Vereine im Dorf ein und erklärte, dass die Erwachsenen immer Wegweiser und Vorbild seien. „Wir können sagen, was wir wollen, sie machen uns doch alles nach“, zitierte er Pestalozzi.

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Dem CSU-Generalsekretär Scheuer las Röhlin auch die Leviten. Der kürzlich hart kritisierte Spruch sei nicht sein klügster gewesen. Es sei wichtig, gut für Kinder zu sorgen, egal welcher Hautfarbe und Herkunft. Der Pfarrer erinnerte daran, dass es in Dietfurt früher schon öfter viele Flüchtlinge gegeben habe, z.B. im 17. Jahrhundert, als die „Exulanten“ aus Österreich nach Deutschland flohen, oder auch nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie alle hätten die Dörfer bereichert. Viel Neues komme auf uns zu, so Röhlin. Es brauche uns aber nicht bange zu werden.

Pfarrer Günther Gagesch nutzte die Gelegenheit, um allen bislang am Sanierungsprojekt Beteiligten zu danken. Dazu holte er die Hauptakteure Claudia Reitlinger, Lore Glungler, Doris und Werner Gensler, Robert Friedrich und Otto Heinrichmeyer nach vorne und überreichte Präsente. Ebenso wurde die Architektin Michaela Bittner gelobt und Landschaftsarchitekt Dieter Dümmler, dessen Hartnäckigkeit es überhaupt erst zu verdanken sei, dass der Kirchhof saniert wurde. Die Bauarbeiten seien laut Gagesch mit etwa 250.000 Euro im Rahmen geblieben. Die Wertschöpfung bleibe dabei in der Region, da nur heimische Unternehmen am Bau tätig waren. Und auch das Dietfurter Kalksteinpflaster bleibt in Dietfurt.

Spenden-Stele für Innensanierung

Nach der Sanierung sei vor der Sanierung, so Gagesch abschließend. Dabei sprach er die Innensanierung des Gotteshauses an, für die noch rund 100.000 Euro fehlen. Für „Großspender“ (über 500 Euro) hat sich die Kirchengemeinde dazu etwas einfallen lassen. So soll im Hof dafür eine Stele errichtet werden, auf der sich die verewigen können, die spenden. Einige Namen dafür gebe es schon, so der Pfarrer. Es gebe aber noch freie Plätze. Am Ende der Feier dankte Lore Glungler als Vertrauensfrau der Gemeinde dem Pfarrer für dessen Einsatz – selbst im Urlaub.

Der Gottesdienst wurde musikalisch begleitet vom Projektchor, dem Posaunenchor sowie Organist Karl Heinrichmeyer. Eingestreut war noch die Ehrung von Christian Früh, der eine Urkunde erhielt für 25 Jahre Prädikantentätigkeit.

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