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Freitag, 06.12.2019

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Rückschlag für die Stadt Weißenburg beim Bahnhof-Kauf

Dauerärgers Bahnhofsgebäude: Eigentü­mergesellschaft lässt Stadt erneut auflaufen - 19.11.2010 09:13 Uhr

Die Stadt Weißenburg hat beim Versuch, das Bahnhofsgebäude zu kaufen, erneut einen Rückschlag erlitten. © wt


Der Weißenburger Bahnhof gehört  – ebenso wie rund 1.000 andere in Deutschland – einem Konsortium des Immobilieninvestors Patron Capital und der Immobilienentwickler Procom Invest. Vor wenigen Tagen habe er eine E-Mail von der Main Asset Management GmbH erhalten, die sich um die Entwicklung und die Vermarktung der Bahnhöfe kümmert, erklärte Oberbürgermeister Jürgen Schröppel auf Anfrage des Weißenburger Tagblatts. Da­rin stellte ein Mitarbeiter die Frage, ob die Stadt noch Interesse habe, den Bahnhof zu kaufen. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, gestand der OB.

Immerhin hatte er schon mehrfach verhandelt, und der zuständige Gesprächspartner sei auch schon zweimal in Weißenburg gewesen. Schröppel: „Ich war eigentlich guter Dinge und dachte, wir sind kurz vor dem Ende.“ Doch ein Telefonat mit dem Absender der Mail stellte alles wieder auf Anfang.

War bislang eine  RGM Gebäudemanagement GmbH aus Dreieich bei Frankfurt für die Vewertung der Bahnhöfe zuständig, ist es nunmehr Main Asset Management, die zwar exakt dieselbe Firmenanschrift hat, doch der zuständige Mitarbeiter sitzt offenbar in einer Au­ßenstelle in Delitzsch. Bei der Verlagerung der Zuständigkeiten ging offenbar auch der bisherige Schriftverkehr verloren.

Schröppel ließ seine Verwaltung deshalb ein Bündel mit Kopien zusammenstellen und nach Delitzsch schicken. „Ich werde nicht nachlassen“, versicherte der OB trotz des Dauerärgers mit dem Bahnhofskauf. Seit seinem Amtsantritt im Mai 2008 befasst sich Schröppel mit dem The­ma. Und er musste dabei die gleichen frustrierenden Erfahrungen sammeln wie sein Vorgänger Reinhard Schwirzer.

Zusagen wie Seifenblasen geplatzt

Schon beim Neujahrsempfang berichtete Schröppel, dass der Verhandlungspartner aufseiten der Eigentü­mergesellschaft einfach ausgetauscht worden war und damit alle bis dahin gemachten Zusagen wieder wie Seifenblasen geplatzt waren. In den vergangenen knapp zwei Jahren hat er nun erneut mehrfach nachgehakt und verhandelt, nur um nun wieder einen neuen Gesprächspartner auf der an­deren Seite des Tisches sitzen zu ha­ben.

Der Weißenburger Bahnhof ist seit vielen Jahren ein Dauerärgernis. Er ist seit Jahren ungenutzt und verfällt zunehmend. Die ersten Scheiben sind bereits eingeschlagen. Bahnreisende indes dürfen bei Regen und Schnee ­lediglich in den Überdachungen am Bahnsteig Schutz suchen, während  der Bahnhof selbst zugesperrt bleibt. Mangels einer öffentlichen Toilette wird die Fußgängerunterführung un­ter den Gleisen auch gern zur Latrine umfunktioniert. Kein schöner Empfang für Gäste, die mit dem Zug nach Weißenburg reisen.

Für die Bahn nicht mehr als ein teurer Klotz am Bein

Die Bahn selbst will aber mit Bahnhöfen in der Weißenburger Größenordnung (etwa 2 500 Menschen steigen hier täglich durchschnittlich ein und aus) nichts mehr zu tun haben. Sie sind für das Kerngeschäft nicht er­forderlich und deshalb nur ein teurer Klotz am Bein.

Deshalb ist der Weißenburger Bahnhof zusammen mit anderen an die Investorengruppe verkauft worden, von der die Stadt es  nun zurückkaufen will. Dann könnte sich Weißenburg wenigstens selbst da­rum kümmern, dem Gebäude wieder eine sinnvolle Funktion zu verpassen. Immerhin: Der Imbiss, der seit ein paar Monaten vor dem Bahnhof steht, hat bereits für eine Belebung in dem Bereich gesorgt.

mau

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