Samstag, 14.12.2019

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Schrott Karl: Mehr als 30.000 alte Auto verwertet

Kunde bekam für seinen alten Polo ein neues E-Bike - 17.11.2019 06:04 Uhr

Schöne Überraschung: Als Michael Bauernfeind (rechts) seinen 22 Jahre alten Polo zum Verschrotten ablieferte, bekam er von Juniorchef Josef Karl ein E-Bike geschenkt.


Normalerweise bekommt man momentan für einen 22 Jahre alten VW-Polo, wenn man ihn verschrotten lässt, überhaupt nichts mehr. Michael Bauernfeind bekam für sein Auto, das der TÜV nicht mehr für verkehrstauglich erklärte, dagegen von Juniorchef Josef Karl sogar noch ein nagelneues E-Bike der Marke "Prophete" geschenkt, als er das betagte Fahrzeug in Pfraunfeld anlieferte. Schließlich war sein alter Polo, das 30 000. Auto, das seit der Einführung der Altautoverordnung verschrottet wurde.

Wie alle anderen Fahrzeuge, die bei Schrott Karl am Ende ihrer Laufzeit landen, wird auch Bauernfeinds Polo fachgerecht und nach den gültigen Regeln der Altfahrzeug-Verordnung zerlegt. Die Pfraunfelder Firma übernimmt als zertifizierter Kooperationspartner nahezu aller Automobilhersteller die gesetzlich geregelte, kostenlose Entsorgung von Altfahrzeugen. Gegründet wurde das Unternehmen als Gewerbe zum Handel mit Altmetallen im Jahr 1951, seitdem hat sich der Betrieb durch Vergrößerungen und einen Umzug an den Ortsrand stetig weiterentwickelt.

Geführt wird Schrott Karl aktuell von Klaus Karl und seinen beiden Söhnen Sebastian und Josef. Letzterer überreichte Michael Bauernfeind das nagelneue Bike und wünschte dem Kunden viel Freude und eine unfallfreie Fahrt. Bei einem anschließenden Rundgang durch das Firmengebäude mit dem Pressevertreter erklärte Josef Karl die verschiedenen Arbeitsschritte des Autorecyclings, das mit der Anlieferung des Fahrzeugs entweder durch Privatpersonen oder Autohäuser beginnt.

Danach folgt einer der wichtigsten logistischen Schritte: die Vergabe einer individuellen Nummer und die Vergabe eines Strichcodes. Anhand dieser Nummer werden dann in Folge sämtliche ausgebauten Teile zugeordnet. "Wir fertigen ein kleines Gutachten an, denn neben Fahrzeugdaten, Informationen zum Fahrzeughalter oder einer vollständigen Funktionsprüfung werden auch aussagekräftige Fotos vom Innenraum und dem äußeren Zustand erstellt", erklärt Josef Karl.

Autoteile, soweit das Auge reicht: In dem Hochregallager in Pfraunfeld sind insgesamt rund 170 000 Teile untergebracht, die allesamt im PC katalogisiert sind und so leicht wieder gefunden werden können. © Foto: Markus Steiner


Anhand der gesammelten Daten wird von einem der derzeit 31 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Demontageauftrag samt Demontageliste erstellt. Nach einem Abgleich mit den Lagerbeständen und der vorherigen Funktionsprüfung weiß die Firma genau, welche Teile des Fahrzeugs zum Weiterverkauf ausgebaut werden müssen. 95 Prozent des Fahrzeugs müssen wiederverwertet werden, fordert der Gesetzgeber. Die ausgeschlachtete Karosserie wird im Anschluss gepresst, geschreddert und in umliegenden Stahlwerken eingeschmolzen. Doch bis dahin sind noch viele Handgriffe nötig: Einer der wichtigsten Schritte vor dem Zerlegen in die Einzelteile ist das "Trockenlegen". Hier werden erst einmal sämtliche Flüssigkeiten, wie Öle oder Kühlerflüssigkeit, mit Unterdruckverfahren aus dem Fahrzeug entfernt. Die Zerlegung erfolgt an zwei Demontagestationen und wird zum Teil durch einen Computer unterstützt, sodass aktuelle Daten jederzeit abrufbar sind. Anhand des sorgfältig erstellten Plans werden so die funktionsfähigen Ersatzteile für den Wiederverkauf vom zu verschrottenden Altmetall getrennt. "Wir haben auf unserem Gelände zwar auch noch einen Bastelplatz, an dem Kunden Bauteile noch selbst ausbauen können, der Trend geht aber eindeutig zum Geschäft im Internet", erläutert Karl.

Dafür seien vor allem gute Fotos aller Bauteile nötig: Gleich nach dem Ausbau werden die Ersatzteile mit einer Spezialkamera im kleinen "Fotostudio" abgelichtet und simultan mit dem zugehörige Strichcode versehen. Sie werden automatisch katalogisiert und mit den Teilenummern der Hersteller verknüpft und in den eigenen Onlineshop eingespielt.

Rund 170 000 verschiedene Artikel lagern derzeit in Pfraunfeld in den Hochregallagern und sind über den Onlineshop oder auch vor Ort bestellbar. Der Trend geht heute aber eindeutig zum Verkauf im Internet: 2018 wurden bereits rund 70 Prozent des Gesamtumsatzes über den Onlinehandel generiert und rund 10 000 Pakete versendet. Im Landkreis sei Schrott Karl in dieser Branche "einer der größten", sagt Josef Karl ohne übertriebenen Stolz. Der studierte Wirtschaftsingenieur kennt den Betrieb, den sein Opa gegründet hat, von Kindesbeinen an und weiß sogar etliche Teilenummern gängiger Fahrzeuge auswendig.

MARKUS STEINER

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