Dienstag, 20.04.2021

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Schüler aus Weißenburg und Treuchtlingen schreiben dem Kultusminister

Die aktuelle Situation ist für die Gymnasiasten extrem belastend - 24.02.2021 12:11 Uhr

Magnus Reichel und Luca Seitz von der SMV des Werner-von-Siemens-Gymnasiums in Weißenburg sind mit der aktuellen Situation unzufrieden und haben deshalb den Kultusminister angeschrieben.

23.02.2021 © Foto: SMV Werner-von-Siemens-Gymnasium


" Man fühlt sich alleine und verlassen", schreibt Fischer an Piazolo: "Von Ihnen und dem Kultusministerium, Herr Dr. Piazolo. Ist das nicht erschreckend?" Zwar hätten sich die Schüler längst an Distanzunterricht und technische Probleme gewöhnt, das viel größere Problem sei aber "die Perspektivlosigkeit und der Druck".

Jeden Tag müssten Schüler derzeit "aufs Neue planen, warten und hoffen". Fischer und weitere Schülersprecher aus dem südlichen Mittelfranken beklagen in dem Brandbrief vor allem, dass ihnen in den vielen Schreiben, die das Kultusministerium seit Beginn der Pandemie verschickt hat, klare Aussagen fehlten. Aussagen, die ihnen eine "Planung und Perspektive" gebe.

Die Schülervertreter – darunter jene des Werner-von-Siemens-Gymnasiums, des Simon-Marius-Gymnasiums und der Senefelder- Schule – werfen dem Minister vor, dass er seine Verantwortung nach unten auf die Schulleitungen vor Ort verlagert, die unter bestimmten Voraussetzungen Schüler vom Präsenzunterricht befreien können. Dieses Wohlwollen sei aber längst nicht bei allen Schulleitern vorhanden.


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Selbst Schüler, die Angst vor dem eigenen Tod oder dem eines engen Verwandten haben, hätten keinen Anspruch auf Distanzunterricht: "Das ist traurig, wirklich traurig und eigentlich sogar erschütternd."

"Nicht ausreichend informiert"

Die Schülersprecher am Weißenburger Werner-von-Siemens-Gymnasium sehen das genauso: "Seit März letzten Jahres ist kein normaler Unterricht mehr möglich. Dank der oft erfolgreichen Anstrengungen von Lehrern und Schulleitung, das Bestmögliche aus der Situation zu machen, fühlen sich viele angehende Abiturienten, über die weitere mögliche Vorgehensweise bezüglich der Abiturprüfungen vom Ministerium nicht ausreichend informiert. Ähnliches gilt auch für die jetzige Q11."

Der Druck auf die Schüler sei groß. Vor allem, weil im zweiten Halbjahr die Schüler mit mehr Schulaufgaben belastet werden als unter Normalzuständen. Bis zu acht Klausuren müssten "in kürzester Zeit von vielleicht zwei bis drei Wochen" geschrieben werden.


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Die SMV-Mitglieder sehen aber nicht nur Schattenseiten, sondern berichten auch, dass sich inzwischen einiges ganz gut eingependelt hat: "Nach einigen Startschwierigkeiten ist der Distanzunterricht zu einer guten, wenn auch nicht gleichwertigen Alternative zum Präsenzunterricht geworden. Lernstoff kann zu großen Teilen gut vermittelt werden."

Technisch ist nicht alles top

Dennoch fehlen Diskussionen mit der Lehrkraft sowie die Interaktion mit Mitschülern. Doch auch nach einem Jahr Pandemie gibt es ein ganz großes Defizit: "Die größten Probleme liegen in der teils defizitären technischen Ausstattung, sowohl von Schülern als auch Lehrern."

Vor allem die Ungewissheit bezüglich des weiteren Verlaufs der Q-Phase in der 12. Klasse erhöhe derzeit die psychische Belastung der Schüler enorm, schreiben die Weißenburger SMV-Mitglieder, die den Brandbrief an Piazolo mit unterzeichnet haben, der mit konkreten Verbesserungsvorschlägen endet, wie Piazolo und sein Ministerium die Situation verbessern könnten:

* Eine bedingungslose Freistellung von Risikopatienten, Schülern, welche im Umfeld von Risikopatienten leben, und für Schüler, die Angst vor Präsenzunterricht haben. Dazu gehört natürlich auch ein Anspruch auf Distanzunterricht.

* Eine Reduzierung der Schulaufgaben in den Klassen 5 bis 10 der Gymnasien mit dazugehöriger Anpassung der aktuellen Gesetzgebung.

* Eine Perspektivenbildung für die Q11 mit weiterer Reduzierung der Klausuren.

* Klare Regelungen für das Abitur mit passendem Hygienekonzept sowie Eingrenzung der Lerninhalte.

* Flexiblere Möglichkeiten für Lernstandsprüfungen ohne starres Beharren auf Noten.

Für niemanden sei die Situation einfach, auch für den Kultusminister nicht, zeigen die Schülersprecher auch Verständnis für Piazolo. "Nichtsdestotrotz ist Ihr Umgang mit der aktuellen Situation für uns SchülerInnen nicht länger tragbar. Wir hoffen sehr auf zügige Verbesserungen."

Elternbeiratsvorsitzender Robert Renner hat vollstes Verständnis für den Unmut der Schüler. Die Forderungen in dem Brandbrief könne er "voll und ganz" unterstützen. Gleichlautende Bedenken hätten er und seine Kollegen im Elternbeirat gegenüber der Schulleitung schon vor geraumer Zeit geäußert, allerdings habe sich bislang das Kultusministerium noch gar nicht bewegt und habe nur das erste Halbjahr verlängert. Das habe zur Folge, dass das zweite Halbjahr kürzer und der Druck bei gleichbleibender Anzahl der Schulaufgaben noch höher werde.

Schulleiter Wolfgang Vorliczky wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung eigentlich gar nicht äußern, weil der Brandbrief ja von der SMV und nicht von der Schule selbst komme. Aus Schülersicht könne er die Forderungen verstehen, sagte er aber dann doch. Ein generelles Bashing des Kultusministeriums lehne er aber entschieden ab, weil derzeit keiner wissen könne, wie es weitergeht, auch der Kultusminister nicht.

Neben dem Werner-von-Siemens-Gymnasium Weißenburg und der Senefelder-Schule Treuchtlingen haben den Brandbrief auch die Schülervertretungen des Simon-Marius-Gymnasiums Gunzenhausen, des Gymnasiums Wendelstein, des Gymnasiums Hilpoltstein, des Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasiums Schwabach und des Adam-Kraft-Gymnasiums Schwabach unterzeichnet.

MARKUS STEINER

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