24°

Donnerstag, 09.07.2020

|

Solnhofen wird zum "Geo-Zentrum"

Die Gemeinde will die Bedeutung des Fossilienortes herausstellen - 23.06.2020 06:38 Uhr

Freuen sich über das neue „Geo-Zentrum“: Langenaltheims Bürgermeister Alfred Maderer, Rotary-Präsident und Museumsleiter Dr. Martin Röper, Bürgermeister Tobias Eberle, Volker Gloßner und George Arauner mit den neuen Tafeln und Infoheften. © Foto: Rainer Heubeck


Der Naturstein genießt zwar bei Forschern wie Fossiliensammlern einen Ruf wie Donnerhall, doch vor Ort und in der Region ist es eher still um die Sensationen, die der kleine Ort im mittleren Altmühltal birgt. Ändern wollen das die Gemeinde und Museumsleiter Dr. Martin Röper mit dem "Geo-Zentrum Solnhofen", das Ausstellung, Fossiliensteinbruch sowie die beiden Geotope "Kalke Platte – Langenaltheimer Urvogelfundstelle" und "Zwölf Apostel" verknüpft.

Äußeres Zeichen der Initiative, die den Wert des Namens Solnhofen deutlich heben soll, sind ein kleines Büchlein, zwei Flyer, neue Infotafeln und eine eigene Homepage unter www.geo-zentrum-solnhofen.de. Museumsleiter Martin Röper zufolge, der die Idee zur Verknüpfung der vier Highlights hatte und auch das Büchlein schrieb und zusammenstellte, soll das Geo-Zentrum sowohl den Touristen die Bedeutung und den geologischen Zusammenhang näherbringen, aber auch der Bevölkerung in Solnhofen und der Region Altmühlfranken zeigen, welche Sensationen vor der Haustüre liegen. "Das Museum kann sich nicht richtig präsentieren, wenn es in der Region nicht wahrgenommen wird."

Allein gelassen

Röper nennt diese mangelnde Wertschätzung eine "Tragödie – mit Blick auf das, was wir hier anbieten". Das zeigt sich auch in der Finanzierung des Museumsbetriebes, den die knapp 2000 Einwohner zählende Gemeinde nahezu alleine schultert – mit einer nach zähem Ringen beschlossenen finanziellen Unterstützung durch den Landkreis und den Bezirk Mittelfranken. Für den Umbau des Museums und der Dauerausstellung zum viel gelobten "Paläo-Zoo" gab es vom Freistaat zwar Geld für neue Vitrinen und deren Sicherung, doch die laufenden Kosten belasten die Gemeinde, die sich ein wenig im Regen stehen gelassen fühlt. Die finanzielle Last wird durch die Corona-Krise noch deutlich stärker werden, dürfen doch aktuell nur 20 Besucher gleichzeitig ins Museum, die beliebten Führungen sind aktuell nicht möglich.

Das neue Büchlein zum Geo-Zentrum Solnhofen, die Flyer und Werbemittel, Infotafeln und die Internetseite hätte sich die Gemeinde vor diesem Hintergrund nicht leisten können. Das Geld für das Museum habe in den vergangenen Jahren nicht einmal dazu gereicht, einen neuen Museumsführer aufzulegen.

Möglich wurde das neue Büchlein und das damit verbundene Projekt Geo-Zentrum erst durch eine Spende von 14 600 Euro des Rotary Clubs Weißenburg und von George Arauner, der ehrenamtlich und über sein in Gunzenhausen ansässiges Unternehmen Korridor.co rund 15 000 Euro an Arbeitsleistung beisteuerte. Eingefädelt wurde alles von Martin Röper, der als noch amtierender Rotary-Präsident das Geo-Zentrum zu seinem Jahresprojekt gemacht hatte.

Der Rotary-Club sieht die Unterstützung als "Anschubfinanzierung" hin zur Dachmarke. Als "Geo-Zentrum Solnhofen" soll das Steinbruchgebiet mit seinen Schätzen stärker im Landkreis, aber vor allem in der Metropolregion Nürnberg verankert und beworben werden. Langfristiges Ziel ist es, die Besucherzahlen zu steigern und damit die Finanzierung des Museums sicherzustellen. Immerhin lockt dieses jährlich zwischen 25 000 und 30 000 Besucher nach Solnhofen und damit in die Region.

Doch in der spielt der Ort kaum eine Rolle. Röper: "Solnhofen ist mittlerweile ein internationaler Begriff, der viel Geld wert ist – es ist quasi eine ungeschützte Marke." Die dahinter stehende Wertigkeit wollen Röper und Solnhofens Bürgermeister Tobias Eberle mit dem neuen "Geo-Zentrum" verbessern und zeigen, dass sich auf kleinstem Raum vier echte Sensationen befinden. Die "Ikonen" im Museum wie Archäopteryx oder versteinerte Krokodile, der Fossiliensteinbruch mit der Möglichkeit, selbst nach den Urzeittieren zu suchen, der Fundort mehrerer Urvögel in der Langenaltheimer Haardt und nicht zuletzt die Zwölf Apostel als Geotop und beliebtes Wanderziel.

Die weiteren Facetten und touristischen Möglichkeiten in der Steinbruchregion sowie die geologischen Gegebenheiten, die Lithografie (die nur mit Solnhofener Stein möglich ist), die Wirtschaft und die ökologische Bedeutung von Trochenrasenhängen oder aufgelassenen Steinbrüchen hat Röper in dem 96-seitigen Büchlein zusammengefasst, das für 9,90 Euro im Museum sowie im Buchhandel erhältlich ist.

Eingebracht hat Röper seine Jahrzehnte umfassende Beschäftigung mit den Solnhofener Plattenkalken – als Kind mit dem Vater in den Steinbrüchen, als Geologie-Student, als Doktorand über die Plattenkalke um Eichstätt und seit 2002 als Museumsleiter. Im Buch stecke all das, "was ich unter Solnhofen verstehe".

RAINER HEUBECK

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Solnhofen, Solnhofen