Sonntag, 15.12.2019

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Solnhofener Gemeinderat hält an Baugebiet fest

"Am Bieswanger Weg" sollen 20 Bauplätze entstehen, die eine Nachverdichtung bringen sollen - 05.09.2019 05:50 Uhr

Hier soll das neue Baugebiet „Am Bieswanger Weg“ in Solnhofen entstehen: Auf der insgesamt rund zwei Hektar großen Fläche sollen 20 Bauplätze entstehen, die eine Größe zwischen 600 und 800 Quadratmetern haben. Das Baugebiet soll die Lücke zwischen dem Wohngebiet „Nördlich des Hochholzer Weges“ und dem Wohngebiet „Am Lohweg“ schließen. © Foto: Markus Steiner


"Der Gemeinderat und ich als Bürgermeister sehen es als unsere Pflicht an, den Ort weiterzuentwickeln und jungen Familien die Möglichkeit zu geben, sich den Traum vom eigenen Haus mit einem bezahlbaren Bauplatz zu erfüllen", sagt Bürgermeister Manfred Schneider (SPD). Das Neubaugebiet stiftet derzeit Unfrieden im sonst so friedlich-beschaulichen Solnhofen.

Der Konflikt ist geradezu klassisch: Auf der einen Seite steht die Gemeinde, die das große Ganze im Augen behalten muss und sich Sorgen um die eigene Zukunft macht. "Wir wollen mit dem Neubaugebiet auch unsere Bevölkerungszahlen halten oder sogar noch steigern", legt Bürgermeister Schneider beim Pressetermin die Sicht der Gemeinde dar, hinter der der gesamte Gemeinderat steht. Im Hinblick auf den Erhalt der Infrastruktur mit Kindergarten, Schulen, Ärzten und Geschäften sei es für einen kleinen Ort wie Solnhofen "überlebensnotwendig", dass man Bauwilligen eben auch Bauplätze anbieten könne. Auf der anderen Seite stehen die Anwohner, die bislang ins Grüne und nicht auf andere Häuser schauen durften.

Bauplätze gehören der Gemeinde

Das Baugebiet "Am Bieswanger Weg", unweit der Sportanlagen und gleich im Anschluss an die Frühlingstraße, ist aus Sicht der Gemeinde aber geradezu ideal, um die Anfrage von Interessenten endlich zu befriedigen. "Das Gebiet ist im Besitz der Kommune und war schon immer als Bauland ausgewiesen", argumentiert Schneider. Dass sich die unmittelbaren Anwohner in der Frühlingstraße daran stören, weil ihnen ihre bislang unverbaute Sicht genommen wird, könne er persönlich verstehen, ein gesetzliches Anrecht auf Unverbaubarkeit gebe es aber eben nicht.

Was den Rathauschef jedoch stört: "Es wird vonseiten der Gegner mit Halb- oder Unwahrheiten argumentiert." Nur so ist es für ihn erklärlich, dass die Gegner des Neubaugebiets insgesamt angeblich 120 Unterschriften gesammelt haben, um das Baugebiet vielleicht doch noch verhindern zu können. Im Weißenburger Landratsamt lag die Liste, die persönlich übergeben werden sollte, Kreisbaumeister Markus Gläser zufolge bis zum vergangenen Dienstag jedenfalls noch nicht vor. Der Leiter der Baubehörde am Landratsamt sieht momentan "keine Hinderungsgründe" für die Realisierung des Baugebiets.

Die erste Hürde hat der Entwurf des Bebauungsplans jedenfalls bereits genommen. Bislang gab es bei der Aufstellung des Bauleitplans nur einen Einwand von Trägern öffentlicher Belange, der von einer Familie kam, die unmittelbar gegenüber dem Neubaugebiet wohnt. Gegen Ende des Jahres soll der zweite Abschnitt der Träger öffentlicher Belange erfolgen. Wenn alle Beteiligten ihre Stellungnahme abgegeben haben, könnte die offizielle Ausschreibung erfolgen.

Eine Nachverdichtung

Für Manfred Schneider ist das bei aller Kritik der Anwohner ein ganz normales Verfahren: "Jeder hat das Recht zu sagen, ich will das Baugebiet nicht. Aber auch wir als Kommune haben das Recht uns zu wehren." Der Solnhofener Bürgermeister sieht sich derzeit auf der sicheren Seite und glaubt, dass das Neubaugebiet, das auf einer Fläche von knapp zwei Hektar insgesamt 20 Bauplätze mit einer Größe zwischen 600 und 700 Quadratmetern bietet, letztlich nicht verhindert werden kann. Mit einer Einschränkung: "Falls nicht doch noch ein seltener Apollofalter oder eine andere geschützte Tierart gefunden wird."

Bislang haben die artenschutzrechtlichen Untersuchungen keine schützenswerte Tierart in dem Gebiet ausgemacht. Auch das Gebot der "Innenentwicklung vor Außenentwicklung", das angesichts des hohen Flächenverbrauchs im gesamten Freistaat laut dem Landesentwicklungsprogramm (LEP) gelten sollte, spreche eindeutig für die Nachverdichtung, die eine Zersiedelung vermeidet. "Die Gemeinde Solnhofen folgt mit der Entwicklung der Vorratsfläche zum Wohngebiet (. . .) diesem landesplanerischen Ziel und vermeidet damit eine Baulandausweisung im Außenbereich", schreibt auch das Ingenieurbüro Kuhn aus Weißenburg, das den Entwurf des Bebauungsplans aufgestellt hat. Explizit weist es darauf hin, dass "ein hoher Flächenverbrauch und eine Zersiedelung der Landschaft vermieden werden" sollen, so wie es auch der Regionalplan für die Region 8 Westmittelfranken vorschreibt.

Weil bestehende Hecken erhalten werden sollen und das Neubaugebiet eingegrünt werden muss und auch keine immissionsschutzfachlichen Anforderungen erfüllt werden müssen, sieht Bürgermeister Schneider alles im grünen Bereich und ist sich sicher, dass die 20 Bauplätze, für die es einen Bauzwang geben wird, auch möglichst bald verkauft werden können: " Interessenten gibt es deutlich mehr als Bauplätze." Drei Viertel davon kämen direkt aus Solnhofen. In den vergangenen fünf Jahren hat die Gemeinde Solnhofen im Schnitt um rund 100 Einwohner zugelegt. Für den Bürgermeister ist das eine erfreuliche Entwicklung, der man mit dem Neubaugebiet "Am Bieswanger Weg" auch Rechnung tragen möchte.

MARKUS STEINER

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