Stadtwerke Weißenburg bleiben bei Limesbad-Öffnung skeptisch

5.6.2020, 12:46 Uhr
Alles nicht so einfach: Die Stadtwerke sind trotz zahlreicher Proteste skeptisch, wie in Weißenburg ein Freibadbetrieb unter den Hygieneauflagen der Staatsregierung möglich sein soll. Aber es soll zumindest noch mal geprüft werden, wenn es Erfahrungswerte aus anderen Städten gibt.

Alles nicht so einfach: Die Stadtwerke sind trotz zahlreicher Proteste skeptisch, wie in Weißenburg ein Freibadbetrieb unter den Hygieneauflagen der Staatsregierung möglich sein soll. Aber es soll zumindest noch mal geprüft werden, wenn es Erfahrungswerte aus anderen Städten gibt. © Archivfoto: Markus Steiner

Die Verantwortlichen für den Bäderbetrieb und Oberbürgermeister Jürgen Schröppel werden sich in der kommenden Woche bei den dann bereits geöffneten Bädern in vergleichbarer Größe in der Region umschauen, etwa in Eichstätt oder Roth. "Wenn, dann müssten wir nämlich ein Konzept finden, das für unser Bad funktioniert", sagt Lang.

Bislang habe man so ein Konzept beim Durchspielen der möglichen Szenarien für das Limesbad nicht finden können. "Es müsste Hand und Fuß haben, denn wir als Badbetreiber tragen die Verantwortung für unsere Gäste", so Langs Standpunkt. "Man redet sich immer leicht, wenn man keine Verantwortung hat." Auch diejenigen Bäder, die bereits am 8. Juni öffnen, täten dies "mit Bauchgrummeln", weiß Lang aus Gesprächen. "Die jetzige Situation kennt eben kein Mensch und man kann nur hoffen, dass alles hinhaut."

Die Corona-Infektionszahlen im Landkreis seien zwar niedrig, aber dass das Virus noch nicht weg ist, zeige etwa der jüngste Ausbruch in Göttingen, wo sich zahlreiche Personen bei einer Familienfeier ansteckten. Lang stellt fest: "Es gibt bei Corona verschiedene Kategorien von Reaktionen, von Panik bis sorglos. Wir sind eben von der Kategorie vorsichtig."

Natürlich habe man sich im Vorfeld viele Gedanken gemacht, klare Vorgaben der Staatsregierung haben aber nach der Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder lange auf sich warten lassen. Und sie decken sich nun auch nicht 1:1 mit dem oft herangezogenen Hygienekonzept der "Deutschen Gesellschaft für das Badewesen" (DGfdB), erklärt Peter Lang.

Rechtlich gesehen dürfen die Stadtwerke anhand der Größe des Limesbads 700 Personen gleichzeitig auf das Gelände lassen. Zum Vergleich: In einem normalen Jahr kommen an Schlechtwettertagen etwa 100 Badegäste, das wäre also "kein Problem", sagt der Stadtwerke-Geschäftsführer. An Ferientagen mit heißen Temperaturen können es aber gut an die 2500 Badegäste werden. Um hier einen Ansturm an den Kassen zu vermeiden, müsste es einen Online-Vorverkauf geben. Ob Senioren damit zurechtkommen, da hat Lang zwar Bedenken, er könnte sich aber auch eine telefonische Bestellung theoretisch vorstellen.

Doch sobald die Gäste im Bad wären, kämen weitere Probleme hinzu: Auf den Sprungturm oder in die Rutsche darf immer nur eine Person. Der Mindestabstand im Strömungskanal des Erlebnisbeckens kann unmöglich eingehalten werden.

Und im Schwimmbecken etwa dürfen sich maximal 88 Gäste aufhalten, die nur im Einbahnstraßensystem schwimmen dürfen – also eine Bahn hinwärts, eine Bahn zurück. Begegnen dürfen sich die Schwimmer eigentlich nicht, auch nicht am Beckenrand ausruhen. "Sollen wir dann unterschiedliche Bahnen für das Schwimmtempo machen? Eine für Rentner, eine für Sportschwimmer?", wirft Lang ein. Und wer bestimmt, wie lang sich ein Schwimmer im Wasser aufhalten darf, damit auch die anderen Badegäste an die Reihe kommen?

Eine mögliche Variante wäre, mit Zeitfenstern zu arbeiten, wie es zum Beispiel in Pleinfeld praktiziert werden wird und wie es auch Stadtrat Heinz Gruber für Weißenburg vorgeschlagen hat (wir berichteten). "Aber wie viele Menschen lässt man pro Schicht dann ins Bad?", fragt Lang. Nur die Anzahl der Menschen, die sich maximal im Schwimmbecken aufhalten darf, also 88? Oder die 700 Gäste, die sich prinzipiell im Bad aufhalten dürfen – aber dann auf die Gefahr hin, dass nicht alle Gäste innerhalb des Zeitfensters auch die Möglichkeit zum Schwimmen bekommen, weil das Becken ausgelastet ist? "Der Unmut wäre groß, wenn jemand drei Stunden bezahlt und dann wieder nach Hause muss, ohne im Wasser gewesen zu sein", denkt der Geschäftsführer.

Mit der derzeitigen Entscheidung, das Freibad nicht zu öffnen, ist Weißenburg übrigens nicht allein. Auch das Waldbad in Gunzenhausen bleibt geschlossen, obwohl sich Stadtwerke und Bürgermeister dort "bösen und teils beleidigenden Schreiben" aus der Bevölkerung ausgesetzt sehen, berichtet Bürgermeister Karl-Heinz Fitz. Neben den zahlreichen organisatorischen Problemen nennt er auch die hohen Kosten als einen Grund, das Bad geschlossen zu halten. Er rechnet vor, dass das Defizit in einem normalen Jahr etwa 300 000 Euro beträgt, durch den erhöhten Personal- und Reinigungsaufwand und die geringere Besucherauslastung in Pandemiezeiten aber auf das Doppelte ansteigen würde. Im schlimmsten Fall müsste jeder Badegast dann mit 56,48 Euro bezuschusst werden, und zwar "aus Mitteln des städtischen Haushalts" und Darlehen.

Solche Rechnungen macht Peter Lang von den Weißenburger Stadtwerken – zumindest im Gespräch mit unserer Zeitung – nicht. "Spielt das denn eine Rolle?", fragt er schulterzuckend. Eine "Sparlösung" gebe es sowieso nicht, sagt Lang. Er möchte ein "pandemiegerechtes" und tragfähiges Konzept. Und bis das nicht gefunden ist, bleibt das Limesbad geschlossen.

1 Kommentar