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Tourismus-Nische: Mit dem Quad durch Altmühltal und Seenland

Neuer Anbieter organisiert geführte Quad-Touren in Altmühlfranken - 03.08.2020 05:57 Uhr

Naturerlebnis mal anders: Im Offroad-Park in Langenaltheim machten sich unter anderem Altlandrat Gerhard Wägemann (Bildmitte) und Hans-Dieter Niederprüm vom Tourismusverband Fränkisches Seenland (rechts) ein Bild von den Quad-Touren von Frank Strixner (links, stehend).

© Foto: Miriam Zöllich


In Werbebroschüren kommen Fränkisches Seenland und Naturpark Altmühltal gern als naturnahe und entspannte Urlaubsregionen daher. Da steht ein wanderndes Pärchen an der Steilkante der Zwölf Apostel und lässt den Blick über die sich dahinschlängelnde Altmühl schweifen. Eine Familie fährt mit den E-Bikes am Brombachseeufer und strahlt mit der glitzernden Wasseroberfläche um die Wette. Schlamm, Geröll und das laute Schütteln eines Einzylinders auf 700 Kubik Hubraum kommen eher nicht vor.

Dabei ist genau das ein Urlaubstraum vieler Menschen. Mal Gas geben, die Sau rauslassen, was Neues ausprobieren. Und der Weißenburger Autohändler und Werkstattbetrieb Bogner will es ermöglichen: Zum 1. Juni hat Fahrzeug Bogner die "Gundelsheimer Quad Events" übernommen und bietet nun mit der Sparte "Quad Solutions Bogner" (QSB) geführte Quad-Touren durch das Fränkische Seenland, das Altmühltal und über den Jura an. Römer-Touren, Seen-Hopping oder eine Burgen-und Schlössertour stehen auf dem Programm. "Wir haben einfach so schöne Ecken bei uns in der Region", schwärmt Frank Strixner, der als Geschäftsbereichsleiter die Touren konzipiert und durchführt.

Ein neues Ganzjahresangebot

Die Erkundung dieser schönen Ecken will man nun also auf dem motorisierten Allrad vorantreiben. Das Angebot richtet sich an Einheimische und Urlauber, aber auch der Bereich Firmen- und Teamevents soll eine Rolle spielen. Hierfür ist man bereits im Kontakt, um die Quad-Events für Tagungsgäste mit anzubieten – und zwar ganzjährig. Denn Frank Strixner hat festgestellt: "Die Winteraktivitäten in der Region sind ja eher beschränkt."

Allerdings ist dem begeisterten Motorsportler bewusst, dass er behutsam vorgehen und sowohl das Landratsamt mit der Unteren Naturschutzbehörde als auch die Touristiker mit ins Boot – beziehungsweise aufs Quad – holen muss. Darum waren zum Vorstellungstermin samt Probe-Ausfahrt nicht nur Pressevertreter geladen, sondern auch Landrat Manuel Westphal (der sich jedoch aufgrund einer Terminüberschneidung kurzfristig wieder verabschieden musste), Altlandrat Gerhard Wägemann, Burgsalachs Bürgermeister Volker Satzinger und Hans-Dieter-Niederprüm, Geschäftsführer beim Tourismusverband Fränkisches Seenland. Mit Christoph Würflein, dem Tourismuschef im Naturpark Altmühltal, hat Strixner sich bereits telefonisch ausgetauscht.

Matsch und Geröll statt blühender Wiesen: Viele Menschen möchten in ihrer Freizeit gerne einmal Quad-Fahren ausprobieren. Allerdings ist eine feine Abstimmung mit Naturschutz, Tourismus, Anwohnern, Wald- und Forstwirtschaft notwendig.

© Foto: Miriam Zöllich


"Wir fahren nur auf offiziellen Fahrstrecken und holen uns für andere Strecken die Genehmigung", betont Frank Strixner. Auszuloten, was erlaubt ist und verträglich mit Natur, Waldbesitzern, Jägern und Anwohnern, sei "ein Dauerprozess" und geprägt von Kommunikation und Rücksichtnahme. So werden etwa die Quads ausgeschaltet, wenn Reiter auf ihren Pferden entgegenkommen. Beim Zusammentreffen mit Wanderern oder Fahrradfahrern wird auf Schrittgeschwindigkeit reduziert. "Wir möchten uns so bewegen, dass wir möglichst homogen sind – wir wollen niemanden verschrecken oder verärgern", sagt Strixner.

Doch wie sich während der Probefahrt von Weißenburg über Suffersheim, Neudorf, Pappenheim und Solnhofen nach Langenaltheim zeigt, lässt sich die Lärmbelästigung nicht ganz vermeiden. Obwohl der Tourenguide einen bemüht defensiven Fahrstil vorgibt, können ein halbes Dutzend Quads schlecht unbemerkt bleiben. Die Abrollgeräusche der Geländereifen und das Hämmern des einzylindrigen Motors lassen sich eben auch durch behutsames Fahren nicht vermeiden.

Hans-Dieter Niederprüm hält das Quad-Angebot deshalb zumindest für "schwierig". Auf öffentlichen Straßen sei es sicherlich in Ordnung, wenn es nicht so oft am Tag vorkäme, so der Geschäftsführer des Tourismusverbands Fränkisches Seenland. Auch in abgegrenzten Steinbrüchen, wie etwa dem Offroad-Park in Langenaltheim, gebe es nichts gegen die Quads einzuwenden. "Auf Wald- und Wanderwegen aber sehe ich es problematisch."

Auch sein Kollege Christoph Würflein vom Naturpark Altmühltal scheint das Thema Quad-Touren mit gemischten Gefühlen zu sehen. "Wenn es mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt ist und auf öffentlichen Wegen stattfindet, sehen wir da kein Problem", erklärt er auf Anfrage.

Allerdings würde er es schon begrüßen, wenn die Touren zum "Gesamtkonzept" des Naturparks passen würden. Daher hegt Würflein auch die Hoffnung, dass die Firma Bogner mittelfristig auf elektrisch betriebene Quads setzt. Bis dahin sei natürlich ein rücksichtsvolles Fahrverhalten gefragt. Wer hingegen die klassischen Verbrennungsmotoren mal so richtig ausfahren will, könne ja zum Beispiel den Enduro-Park in Hechlingen oder den Offroad-Park in Langenaltheim besuchen und sich dort austoben, erklärt Christoph Würflein.

Der Offroad-Park im stillgelegten Steinbruch bei Langenaltheim ist auch ein Ziel, das Frank Strixner mit seinen Quad-Touren gerne ansteuert. Schließlich können die Teilnehmer hier die volle Geländetauglichkeit ihres Fahrzeugs erproben und an ihrer Fahrtechnik feilen. Das ist bislang in der näheren Umgebung von Weißenburg nicht möglich, was tatsächlich ein nicht zu unterschätzendes Problem darstellt.

"Das muss man üben"

"An sich sind Quad-Touren für alle mit Führerschein-Klasse B geeignet", sagt Strixner. Sogar eine "Age of 80"-Tour mit Senioren habe er schon durchgeführt. Aber: "Es ist schon ein anderes Fahren als mit dem Auto oder Motorrad – das muss man üben." Etwa bei Beschleunigung, Straßenlage, Kurvenverhalten oder Schwerpunkt. Bis man als Anfänger mit dem motorisierten Kraftpaket umgehen kann, dauert es ein wenig, was sich auch bei der Probefahrt zeigt. Es gibt eben Dinge, die man durch eine rein theoretische Einführung nicht vermitteln kann.

Gerne hätte Strixner daher ein Übungsgelände in unmittelbarer Nähe zu Weißenburg, um die Tourenteilnehmer umfassend mit den Fahrzeugen vertraut zu machen oder auch den potenziellen Kunden die Nutzfahrzeuge für die Wald- und Forstwirtschaft vorzustellen. Bislang seien aber alle Anfragen bei Grundstückseigentümern oder auch der Stadt Weißenburg erfolglos geblieben, bedauert Strixner.

Es ist zu hoffen, dass ein solches Übungsgelände bald gefunden werden kann – auch, weil die Resonanz auf die Quad-Touren bislang recht gut ausfällt. "Drei bis fünf Buchungsanfragen gehen bei uns derzeit täglich rein", freut sich der Guide. Der hat übrigens mit den Quad-Touren sein Hobby zum Beruf gemacht und dafür seinen früheren Job in der IT-Branche an den Nagel gehängt. Und zwar aus Überzeugung: "Quadfahren ist ein ganz eigenes Fahrerlebnis und bietet größtmögliche Freiheit."

MIRIAM ZÖLLICH

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