Treuchtlingen möchte die Agenda 2030 lokal umsetzen

30.4.2021, 06:01 Uhr
Radfahren ist bei Touristen im Altmühltal sehr beliebt. Die Stadt Treuchtlingen hat ebenfalls bereits ein Konzept für ein ausgedehntes Radwegenetz vorbereitet.

Radfahren ist bei Touristen im Altmühltal sehr beliebt. Die Stadt Treuchtlingen hat ebenfalls bereits ein Konzept für ein ausgedehntes Radwegenetz vorbereitet. © Foto: Naturpark Altmühltal/Dietmar Denger

Ursprünglich hatte die SPD/JGB-Stadtratsfraktion einen entsprechenden Vorstoß unternommen. Dieser liegt wenige Monate zurück. Doch bald zeichnete sich ab, dass der ursprüngliche Antrag zu einem gemeinsamen Antrag aller Fraktionen werden könnte mit einem im Ergebnis von einer breiten Mehrheit getragenen Beschluss.

Ein Antrag aller Fraktionen?

Damit dies eintreten kann, so kristallisierte sich heraus, bedarf es noch Modifizierungen, um die Anliegen der Altmühlstadt besonders hervorzuheben. Derzeit ist man dabei, eine gemeinsame Beschlussvorlage aller Fraktionen zu erarbeiten. Im Juni, vielleicht auch schon im Mai, könnte es soweit sein, ließ Bürgermeisterin Dr. Kristina Becker auf Anfrage des Treuchtlinger Kurier wissen.

Susanna Hartl, SPD-Stadtratsmitglied, erinnerte gegenüber unserer Zeitung daran, dass ein endgültiger Beschluss immer wieder vertagt worden sei, zuletzt in der Stadtratssitzung im April. Schließlich sollen alle Fraktionen Zeit haben, sich intensiv mit dem Vorhaben auseinanderzusetzen und ihre Vorstellungen einzubringen. Einen entsprechenden Moderationsprozess habe Hubert Stanka, Ratsmitglied der Freien Wähler, übernommen. Vor allem auch deshalb, um örtliche Bezüge fest einfließen zu lassen, ehe endgültig abgestimmt wird.

Im ursprünglichen Antrag erinnerten die Sozialdemokraten zusammen mit der Jungen Liste an die im Jahr 2015 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossene Resolution "Transformation unserer Welt: Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung" ("Sustainable Development Goals"). 17 "Goals", also Ziele, sind darin aufgelistet, für deren Umsetzung vor allem der kommunalen Ebene besondere Verantwortung zukommt, "denn sie erreicht die Menschen ganz nah in ihrem Alltag".

Zwischenzeitlich hat der Deutsche Städtetag eine Musterresolution vorgelegt, der sich die Kommunen anschließen können.

Ein breites Spektrum an Themen

Doch nicht nur die Musterresolution soll für Treuchtlingen künftig Gültigkeit haben, wenn Bürgermeisterin Becker nach dem entsprechenden Stadtratsvotum ihre Unterschrift darunter setzen wird. In Treuchtlingen hat man überdies bereits etliche Felder identifiziert, die dem Segment Nachhaltigkeit zuzuordnen sind und somit bereits den Zielen der Resolution der Vereinten Nationen entsprechen, also etwa der Umbau der Wälder, um sie "klimafest" zu machen, oder den Einsatz regenerativer Energien. Man kann sich vorstellen, dass die Themen bezahlbarer Wohnraum und öffentlicher Nahverkehr ebenfalls eine Rolle spielen können.

Als die Stadt Treuchtlingen vor kurzem daran ging, eine "Marke Treuchtlingen" zu konzipieren, tauchten die beiden Themen Nachhaltigkeit und Gesundheit besonders oft in der Analyse auf, so dass sie sich wohl prägend auf die Stadtentwicklung auswirken dürften. Den Treuchtlingerinnen und Treuchtlingern liegt das Thema nachhaltige Entwicklung also offenbar ganz besonders am Herzen.

Das Ziel, Wasserstoff Modell-Region zu werden, ein innerörtlich verbessertes Radwegenetz sowie naturnaher und verträglich wachsender Tourismus untermauern dies.

Das sind die 17 Punkte der Agenda 2030

1. Armut in allen ihren Formen und überall beenden

2. Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern

3. Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern

4. Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern

5. Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen.

6. Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten

7. Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle sichern

8. Dauerhaftes, breitenwirksames Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdiges Arbeiten für alle fördern

9. Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen

10. Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern.

11. Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten

12. Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen

13. Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen

14. Ozeane, Meer und Meeresressourcen im Sinne nachhaltiger Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen

15. Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und umkehren und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen.

16. Friedliche und inklusive Gesellschaft für eine nachhaltige Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen

17. Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen.

Die verschiedenen Ziele sind jeweils mit konkreten Forderungen unterfüttert.

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