Treuchtlingen: Was darf ein Krippenplatz kosten?

9.3.2021, 06:02 Uhr
Vergangene Woche ist in die frisch fertiggestellte städtische Kinderkrippe in Wettelsheim (Neubau im Vordergrund) erstmals Leben eingezogen.

Vergangene Woche ist in die frisch fertiggestellte städtische Kinderkrippe in Wettelsheim (Neubau im Vordergrund) erstmals Leben eingezogen. © Foto: Patrick Shaw

Die Stadt Treuchtlingen bietet in ihren städtischen Kindergärten in Wettelsheim und Gundelsheim nun erstmalig auch reine Krippengruppen an. In beiden Einrichtungen gibt es ab sofort jeweils zwölf Plätze für Kleinkinder, die zuvor in den normalen Kindergartengruppen betreut wurden. Somit werden in den städtischen Kindergärten wieder mehr Plätze für die Mädchen und Buben frei, die auch tatsächlich in diese Altersgruppe fallen.


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Um die Einrichtung der Krippengruppen abzuschließen, hat der Stadtrat eine notwendige Satzungsänderung beschlossen und sich zudem auf die künftigen Gebühren für die Betreuung geeinigt. Für Diskussionen sorgte indessen die Namensgebung der Einrichtungen.

Ein neuer Name musste her

Denn durch die Erweiterung um ein Angebot für Kinder ab dem ersten Lebensjahr ist die Bezeichnung "städtischer Kindergarten" nicht mehr korrekt. So hatten sich die Kindergartenleitung und die Elternbeiräte beider Einrichtungen Gedanken gemacht und jeweils einen neuen Namen vorgeschlagen.

Auch die Möbel für die neue Krippe sind gerade eingetroffen, und die kleinen „Bewohner“ des Kinderhauses haben nun viel Platz zum Spielen und Toben.

Auch die Möbel für die neue Krippe sind gerade eingetroffen, und die kleinen „Bewohner“ des Kinderhauses haben nun viel Platz zum Spielen und Toben. © Foto: Patrick Shaw

Demnach soll das ehemalige Gundelsheimer "Schwalbennest" künftig "Haus für Kinder im Möhrenbachtal" heißen. Die Wettelsheimer wollen künftig das "Städtische Haus für Kinder Wettelsheim" sein – eine Bezeichnung, die etwas weniger blumig als das Gundelsheimer Pendant ist. Gewählt wurde sie, weil es in dem Ortsteil auch einen evangelischen Kindergarten gibt.

"Klingt wie ein Heim"

Unmittelbar nach dieser Darstellung von Verwaltungsmitarbeiterin Tina Büttner verlieh Klaus Fackler (UFW) seiner Ablehnung gegenüber dem neuen Namen Ausdruck, indem er erklärte, "Haus für Kinder" klinge für ihn so, als handle es sich "um ein Heim". Da könne er nur hoffen, dass die Treuchtlinger "in Zukunft weiterhin Kindergarten sagen werden". Zwar pflichteten einige Stadtratsmitglieder seiner Einschätzung bei, die meisten räumten aber ein, dass der Wunsch der Eltern und Erziehenden hier das Entscheidende sei.

Kerstin Zischler (SPD) verwies darauf, dass es sich bei den Elternbeiräten ebenfalls um demokratische Gremien handle und man deren Wunsch akzeptieren müsse. Letztlich stimmten 21 Ratsmitglieder für die Namensänderungen. Klaus Fackler, Manfred Kreß und Christian Früh (alle UFW) sowie Altbürgermeister Wolfgang Herrmann (CSU) stimmten dagegen.

Anschließend ging es um die von der Verwaltung vorgeschlagenen Gebührensätze für die Betreuung in den Kinderkrippen. Diese sind wegen des größeren Aufwands grundsätzlich um 50 Euro höher als für einen Kindergartenplatz. Ein Platz in der Krippe kostet demnach monatlich 130 Euro, wenn die tägliche Betreuungszeit zwischen zwei und drei Stunden beträgt (im Kindergarten sind es 80 Euro). Für jede weitere Stunde werden zusätzlich zehn Euro berechnet. Neun bis zehn Stunden täglich würden demnach 200 Euro kosten.

Beim Spatenstich zu den Bauarbeiten im Kindergarten (hier: Am Burgstall) packten vergangenen Sommer auch einige Kinder mit an.

Beim Spatenstich zu den Bauarbeiten im Kindergarten (hier: Am Burgstall) packten vergangenen Sommer auch einige Kinder mit an. © Stadt Treuchtlingen

Tina Büttner erinnerte daran, dass der Freistaat seit 1. Januar 2020 Krippengeld auszahlt. So erhalten Eltern, die ein jährliches Haushaltseinkommen von unter 60 000 Euro erzielen, monatlich 100 Euro Zuschuss, die der Freistaat direkt an die Stadt zahlt – wenn die Eltern einen entsprechenden Antrag gestellt haben.

"Müsste kostenlos sein"

22 Ratsmitglieder stimmten für die vorgestellten Gebührensätze, drei SPD-Mitglieder lehnten diese hingegen ab (Stefan Fischer, Kerstin Zischler und Sebastian Hartl). Fischer hatte bereits im Vorfeld angekündigt, sich dagegen auszusprechen, denn seiner Meinung nach ist die Kinderbetreuung eine hoheitliche Aufgabe des Staats. Wie er erklärte, sieht er die Krippen als Bildungseinrichtungen an, weshalb sie eigentlich kostenfrei sein müssten.

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