Treuchtlingen, Weißenburg, Gunzenhausen: Café Lebenskunst legt wieder los

1.6.2021, 13:01 Uhr
Das Café LebensKunst empfängt ab Montag, 14. Juni, wieder seine Gäste im Außenbereich. Und das an allen drei Standorten: in Treuchtlingen (Bild), Gunzenhausen und Weißenburg.

Das Café LebensKunst empfängt ab Montag, 14. Juni, wieder seine Gäste im Außenbereich. Und das an allen drei Standorten: in Treuchtlingen (Bild), Gunzenhausen und Weißenburg. © Foto: Jürgen Leykamm

Ob Baumaßnahmen oder Pandemie-Vorgaben: Die Mitarbeiter bei Wei/Tec in der Elkan-Naumburg-Straße in Treuchtlingen verstehen es sehr gut, sich den verschiedenen Herausforderungen zu stellen. Die Einrichtung gehört zu den Weißenburger Werkstätten der Lebenshilfe Altmühlfranken. Genauso wie das Café LebensKunst mit seinen Standorten in Gunzenhausen, Treuchtlingen und Weißenburg. An allen dreien ist ab Montag, 14. Juni, wieder geöffnet.

Pünktlich zum Impfschutz

Zumindest gilt das für die Außenbereiche. Je nach den dann gültigen Vorgaben darf es vielleicht aber auch ein bisschen mehr, hoffentlich aber nicht weniger sein. Eine sehr gute Nachricht, die Günther Laubinger gleich zu Beginn eines Pressegesprächs verkünden kann. An jenem Stichtag liegt der zweite Impftermin wie empfohlen für die Beschäftigten zwei Wochen zurück, erläutert der Geschäftsführer der Werkstatteinrichtungen.

"Generell können wir bei unseren Mitarbeitern eine sehr hohe Impfquote aufweisen", betont er. Die Cafés dürften eigentlich jetzt schon ihre Gäste willkommen heißen. "Aber wir wollen erst noch den maximalen Impfschutz abwarten."

Werkstätten-Geschäftsführer Günther Laubinger und das Führungsduo von Wei/Tec mit Carolin Lenk und Stephan Börstler (stehend von links) sind stolz auf ihren engagierten Mitarbeiterstamm. Im Bild Liesa Kaluza (links) vom Werkstattrat und Swetlana Ster, die bald wieder im Café LebensKunst in Treuchtlingen aktiv wird.

Werkstätten-Geschäftsführer Günther Laubinger und das Führungsduo von Wei/Tec mit Carolin Lenk und Stephan Börstler (stehend von links) sind stolz auf ihren engagierten Mitarbeiterstamm. Im Bild Liesa Kaluza (links) vom Werkstattrat und Swetlana Ster, die bald wieder im Café LebensKunst in Treuchtlingen aktiv wird. © Foto: Jürgen Leykamm

Vorsicht heißt hier die Mutter der Porzellankiste. Die Pandemie-Disziplin in allen Arbeitsbereichen hat den Werkstätten einen Spitzenplatz in Bayern beschert. "Von denen, die zur Lebenshilfe gehören, sind wir die einzigen, die keinen Corona-Fall melden mussten", ist Laubinger erleichtert. Sehr stolz ist Carolin Lenk, Sozialdienst bei Wei/Tec, dabei vor allem auf die Mitarbeiter dort wie in den anderen Bereichen: "Sie alle haben ein großes Lob verdient!"


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Groß war der Schock des ersten Lockdown im März 2020. Zweieinhalb Monate lang mussten die Arbeitsbereiche ihren Betrieb einstellen. Das sollte sich auf keinen Fall wiederholen. Und so legten alle gemeinschaftliche Disziplin an den Tag: "Keiner wollte, dass wir nochmal ganz schließen müssen", so Lenk. Der Weg war und ist dabei nicht einfach. Denn es galt und gilt: "Sicherheit geht vor Flexibilität", betont Laubinger. Die aber "gehört zu unserem Konzept", das damit neu gedacht werden musste. So gibt es Stephan Börstler zu bedenken, Arbeitserzieher und als Abteilungsleiter für Wei/Tec zuständig.

Flexibel und doch ein fester Rhythmus

Die Fertigungspalette bei Wei/Tec ist groß – auch der Tassendruck gehört dazu. Das rechte Trinkgefäß zeigt Abteilungsleiter Stephan Börstler in ungewohnter Montur.

Die Fertigungspalette bei Wei/Tec ist groß – auch der Tassendruck gehört dazu. Das rechte Trinkgefäß zeigt Abteilungsleiter Stephan Börstler in ungewohnter Montur. © Foto: Jürgen Leykamm

Der Begriff selbst verweist übrigens auf den Technikbezug dieser Einrichtung der Weißenburger Werkstätten. Man hat beides im Blick: Die Beschäftigten sollen einen festen Wochenrhythmus erfahren, zugleich aber flexibel in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden: "Wir wollen damit unsere Mitarbeiter fit machen für den ersten Arbeitsmarkt".

Derzeit aber muss jeder den Corona-Vorgaben geschuldet einem Arbeitsbereich treu bleiben. Es heißt Maske tragen, Hygienekonzept beachten und Trennwände erdulden, wenn auch durchsichtige.


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"Das ist schon eine große Umstellung", betont die ausgebildete Gruppenassistentin Liesa Kaluza vom Werkstattrat, da sie die Abwechslung doch stark vermisst. Und statt an Videokonferenzen wieder an Besprechungen ohne Bildschirm teilnehmen möchte. Doch dieses Gremium hat das Konzept selbst gemeinsam mit den Chefs erarbeitet und so wird es von allen bereitwillig mitgetragen sowie sich an die Regeln gehalten.

Treffen schaffen Zusammenhalt

"Mir fällt die Umstellung nicht schwer", meint Swetlana Ster. Sie hat den Berufsbildungsbereich in Wei/Tec durchlaufen und ist nun seit drei Jahren im Cafè LebensKunst beschäftigt. Das fehlt ihr derzeit aber schon sehr, genauso wie ihrer Kollegin der Werkstattladen – und das schon seit März vergangenen Jahres.

Das Defizit geht weit über die fehlende Arbeitsabwechslung hinaus. "Das soziale Zusammenkommen ist sehr eingeschränkt", bedauert Laubinger, "doch ein solches ist gerade für Menschen mit Handicap von großer Bedeutung".

Die Gruppen der einzelnen Cluster sind derzeit ganz unter sich, die Pausentreffen fallen flach: "All das hat viele schon schwer belastet." Weihnachtsfeier, Sommerfest, zusammen kochen oder Tischtennis spielen – auf so vieles musste und muss noch verzichtet werden.

Wie 2014 alles begann

Mut lässt sich aus den Erfahrungen nach dem ersten Lockdown schöpfen. "Als das Café danach wieder öffnete, hatte ich schon etwas Bedenken", gesteht Ster ein. Eigentlich grundlos, denn die Arbeit ging ihr danach wieder von der Hand, "als wäre Swetlana nie weg gewesen", freut sie sich über das Lob einer Kollegin.

Auch die wirtschaftliche Situation von Wei/Tec wie der gesamten Werkstätten, wo insgesamt 5000 Artikel hergestellt werden, ist besser als befürchtet: "Mit der Auftragslage bin ich zufrieden", sagt Laubinger. Nur durch die Umstellung des Fahrdienstes hätten sich massive Mehrkosten ergeben. Rückerstattungen stehen zumindest in Aussicht.


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Aber auch dieses kleine Tal wird man durchschreiten. Wie schon so vieles, was man gemeinsam gemeistert hat. Alles begann 2014, als sich Wei/Tec als damals neuer Arbeitsbereich in den Räumlichkeiten des ehemaligen Stoffe- und Kurzwarenbetrieb Pokorny ansiedelte. Zunächst nur im Wohnhaus, dessen Wände die Mitarbeiter selbst neu anstrichen. Damals wurden nur fünf Personen mit Einschränkungen hier betreut – mittlerweile sind es 30.

Die Einrichtung wächst und wächst

Im Jahr 2017 erweiterte sich Wei/Tec um einen Büro- und einen Werkstatt-Container. Die alte Pokorny-Werkstatt hingegen wurde im Januar 2019 abgerissen und durch einen Neubau für eigene Zwecke ersetzt. "Dort sind wir dann Ende 2020 eingezogen", so Stephan Börstler. "Die coronabedingten Ausfälle bei den Gewerken hat uns in dieser Bauphase drei bis vier Monate gekostet", ergänzt Laubinger.

Im März und April 2021 musste nun das alte Wohnhaus dran glauben. Neu gebaut wird dort ein Sozialgebäude mit Gemeinschafts-, Therapie- und Schulungsräumen. "Neben der Ausgabe- findet sich hier dann auch eine Schulküche wieder, "um Alltagswissen zu vermitteln", erklärt Lenk. Der Essensraum erlaube dann auch Einzelsitze, wie es einzelne Mitarbeiter benötigen. Im Sommer 2022 ist die Fertigstellung geplant.

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