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Umstrittene "Frei.Wild"-Nacht auf der Kirchweih

Weinzeltbetreiber veranstaltet die "Freiwild-Onkelz-Nacht" - 15.08.2014 07:50 Uhr

Covern die Hits von „Frei.Wild“: Die Band „Zeitgeist“ tritt bei der „Freiwild-Onkelz-Party“ im Weinzelt auf. Die Veranstaltung ist umstritten, weil sowohl die „Böhsen Onkelz“ als auch „Frei.Wild“ viele Fans in der rechten Szene haben.

15.08.2014 © Zeitgeist


Die Begeisterung beim Kirchweih­ausschuss hält sich in Grenzen. „Jetzt ist das Kind schon in den Brunnen gefallen“, brummt Vorsitzender Andre Bengel. „Wir halten den Ball jetzt flach und sorgen für die Sicherheit.“ Die Polizei sei informiert und Weinzeltbetreiber Rainer Langer habe zugesichert, den Sicherheitsdienst im Zelt aufzustocken. „Ich habe dem Veranstalter gesagt, er soll mit den Bands reden, dass die sich am Riemen reißen, sonst ziehen wir den Stecker“, sagte Bengel zudem gegenüber unserer Zeitung.

Auf eine inhaltliche Diskussion will sich der SPD-Stadtrat und Kirch­weih­ausschussvorsitzende nicht einlassen. „Wir haben das immer so gehalten: Politik hat auf der Kirchweih nichts zu suchen“, sagt Bengel. Deswegen gefällt ihm die Veranstaltung im Weinzelt nicht, weil sie Anlass zu einer politischen Grundsatzdiskussion bietet, die aus seiner Sicht auf der Kirchweih nichts verloren hat.

Weinzeltbetreiber ist überrascht

Deshalb stellt er auch klar, dass es „das in der Form nicht mehr geben wird“. Während Festwirt Gerhard Widmann sein Programm im Bierzelt mit dem Kirchweihausschuss bespricht, hat Langer die vergangenen Jahre alles selbstständig geplant. Bisher auch – sieht man von der Lautstärke ab – ohne Probleme. In Zukunft allerdings soll auch der Weinzeltbetreiber sein Programm mit dem Kirchweihausschuss abstimmen.

Langer ist von der Aufregung überrascht: „Wo soll da das Problem sein, die spielen ja überall“, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Seit April sei das Programm im Weinzelt bekannt, er könne nicht verstehen, dass man jetzt auf den letzten Metern die Veranstaltung in Frage stelle. Wenn der Kirchweihausschuss rechtzeitig Bedenken geäußert hätte, hätte er eine andere Band genommen. Dass im Mai, nach den Kommunalwahlen, der Kirch­weih­ausschuss neu besetzt worden ist, dürfte seinen Teil dazu beigetragen haben, dass das Problempotenzial der Veranstaltung nicht bemerkt wurde.

Dass Langer von der „Frei.Wild“-Diskussion nichts mitbekommen haben will, verwundert. Im März 2013 gab es deutschlandweit und quer durch alle Medien aufgeregte Debatten über die Frage, ob „Frei.Wild“ in ihren Liedern rechtsextreme Inhalte transportiert. Anlass war die Nominierung für einen „Echo“-Musikpreis. Nach Protesten anderer Bands wurde die Nominierung zurückgezogen und die Südtiroler Band ausgeladen.

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Weitgehend einig ist man sich, dass „Frei.Wild“ in seinen Texten zumindest deutschtümelnd unterwegs ist. Andere sprechen gar von einer „Grund-und-Boden-Ideologie“, die die Band in ihren Liedern vertrete und salonfähig mache. Allerdings hat sich die Band seit Jahren immer wieder von Faschismus und Nationalsozialismus distanziert.

Das Bündnis gegen Rechts in Weißenburg sieht die Coververanstaltung im Weinzelt skeptisch. „Begeistert sind wir nicht“, sagt Sprecher und Linken-Stadtrat Erkan Dinar. Man habe das Thema bereits in einer Fraktionsvorsitzendenrunde des Stadtrats angesprochen. Dort habe Andre Bengel versichert, dass es eine solche Veranstaltung nicht nochmal geben werde. Damit sei man einstweilen zufrieden. Mitglieder des Bündnisses gegen Rechts würden an dem Abend aber im Weinzelt sein und sich die Veranstaltung ansehen. „Es sind nicht alle Frei.Wild-Fans rechts, aber die Band wird in der rechtsextremen Szene sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen.“ Mit ihren heimattümelnden Texten nehmen die Südtiroler das zumindest billigend in Kauf.

Proteste in Nürnberg

Die Coverband „Zeitgeist“, die sich im Weinzelt durch ein „Best of Freiwild“ spielt, hat sich auf ihrer Homepage ebenfalls klar und deutlich von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit distanziert. Im vergangenen Jahr traten sie auf dem Nürnberger Frühlingsfest auf, das auf dem früheren Reichsparteitagsgelände stattfindet. Dort gab es Proteste gegen den Auftritt. „Zeitgeist“ hat bereits Konzerte mit Formationen gespielt, die als sogenannte „Grauzonenbands“ gelten, weil sie in der Vergangenheit mit rechter Symbolik oder rechten Argumentationsmustern aufgefallen sind.

Die Diskussion gewinnt an Brisanz, weil es in Weißenburg seit Jahren einen Kreis aktiver Neonazis gibt. In einem breiten bürgerschaftlichen und politischen Engagement stellte man sich dieser Gruppierung in den vergangenen Jahren entgegen. Mit Erfolg. Die Anhängerschar bröckelte und nach Meinung des Staatsschutzes handelt es sich nur noch um einige wenige Aktivisten. Dass in diesem Kontext allerdings ein „Rechtsrock-Konzert“ auf einer indirekt von der Stadt verantworteten Veranstaltung manchem sauer aufstößt, hätte man zumindest ahnen können.   

JAN STEPHAN

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