Verblüffende Wende: Center-Parcs-Vertreter wollen Projekt erneut vorlegen

31.5.2021, 12:30 Uhr
Doch noch nicht das endgültige Aus für Center Parcs im Seenland?

© Ton Hurks/Center Parcs Doch noch nicht das endgültige Aus für Center Parcs im Seenland?

Am Tag nach der mit rund 50 Stimmen verlorenen Wahl ruderte man im Gespräch mit dem Weißenburger Tagblatt aber zurück. Das endgültige Aus sei das noch nicht, ließ Janssen wissen. "Wir wollen uns da in den nächsten Tagen noch intern abstimmen und eine Position finden." Auf die Frage, ob man sich damit die Türen für eine erneute Vorlage des Projekts offen halte, antwortete die Center-Parcs-Vertreter Janssen und Robin Wildhagen mit "Ja, das ist so".

Da das Ergebnis eines Bürgerentscheids nur für ein Jahr bindend ist, wäre es theoretisch möglich, Mitte 2022 den Genehmigungsprozess zu beginnen. Dazu bräuchte es entweder ein neuen, dann für Center Parcs ausgehenden Bürgerentscheid oder ein Votum des Gemeinderats.

Die Wende ist höchst brisant, immerhin hatte man seitens Center Parcs seit der Entscheidung für einen Bürgerentscheid stets betont, dass man dessen Ergebnis anerkennen wolle und eine Niederlage das Ende aller Center-Parcs-Pläne bedeute. In diese Position ist nun offenbar unternehmensintern einiges an Bewegung gekommen.

Es steckt viel Geld in der Planung

Eine Rolle bei dieser Entscheidung dürfte gespielt haben, dass das holländische Unternehmen bereits einen erheblichen Betrag in die Planung des Parks gesteckt hat. Allein die Voruntersuchung auf die Belastung des ehemaligen Militärgeländes soll ein halbe Million Euro gekostet haben.

Möglicherweise wollte die Führungsetage des französischen Mutterkonzerns Pierre & Vacances, dieses Geld nun doch nicht so kampflos in Rauch aufgehen lassen, wie man das Center-Parcs-seitig angekündigt hatte.

Bei den engagierten Gegnern des Projekts dürfte das für einen Aufschrei sorgen. Mehrere Gruppierungen hatten vor Ort seit Monaten gegen den Ferienpark auf der ehemaligen Muna Langlau gekämpft und hofften, dass die Entscheidung am Sonntag ein finaler Sieg war. Das dürfte nun nicht mehr ausgemacht sein.


Wirtschaft, Ökologie und Tourismus: Der große Faktencheck zu Center Parcs


Als Argumente für diesen Wandel führt man seitens Center Parcs das knappe Ergebnis und die Corona-Pandemie an. Bei der Entscheidung am gestrigen Sonntag hatten sich 573 Pfofelder gegen die Einleitung eines Raumordnungsverfahrens ausgesprochen, 520 waren dafür. "Ich bin mir sicher, dass wir durch die Corona-Beschränkungen einfach nicht mit allen Menschen in Pfofeld in Kontakt gekommen sind", erklärte Jan Janssen.

Gerade die ältere Generation sei durch Online-Formate einfach schlecht zu erreichen gewesen und das Projekt in dieser Gruppe einfach nicht ausreichend gut erklärt worden. Janssen: "Wir glauben, dass viele Ältere deswegen gegen uns gestimmt haben und damit der Jugend eine Chance verbauen."


Was macht die BimA?

Ob Center Parcs tatsächlich in einem Jahr einen erneuten Versuch wagt, dürfte erheblich von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben abhängen, der das Muna-Areal nach wie vor noch gehört. Denn Center Parcs hatte für das rund 165 Hektar große Muna-Areal in einem öffentlichen Bieterverfahren zwar den Zuschlag erhalten, das Gelände aber noch nicht gekauft.

Es ist unklar, wie lange der Zuschlag im Bieterverfahren gültig bleibt oder ob sich Center Parcs möglicherweise zeitnah entscheiden muss, ob es das Gelände nun kauft oder nicht. "Wir werden die vertragliche Situation mit der BimA die nächsten Tage besprechen", so Jan Janssen. Als Mindestkaufpreis waren zwölf Millionen Euro aufgerufen. Center Parcs hatte sich mit seinem Gebot gegen zwei Konkurrenten durchgesetzt.

Das Unternehmen hatte in Langlau einen Ferienpark mit 800 Ferienhäusern geplant. Mit einem Investitionsvolumen von rund 350 Millionen Euro handelte es sich um eines der größten Tourismusprojekte Süddeutschlands. Es sollten rund 210 000 Urlauber dort rund eine Million Übernachtungen pro Jahr verbringen.

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