Vermummte überfallen Juz

30.11.2011, 08:04 Uhr

© Renner

Immerhin rund 150 Menschen fanden sich dazu im Hof des Jugendzent­rums an der Ecke Eichstätter Straße/ Niederhofener Straße ein. „Wir sind überwältigt, dass so viele gekommen sind“, freute sich Harald Dösel, Sprecher des Landkreisbündnisses gegen Rechtsextremismus noch zu Beginn seiner Rede. Wenig später war es mit seiner und der Freude der Demonstranten aber aus. Denn das Jugendzentrum wurde Ziel eines Überfalls.

Am Ende der Mahnwache hatten die Verantwortlichen alle Teilnehmer zu einer Spontandemonstration aufge­rufen, die kurz zuvor der Polizei an­gekündigt wurde. Eine solche ist rechtlich zulässig und kann von der Polizei vor Ort auch nicht untersagt werden, solange bestimmte Voraus­setzungen erfüllt sind und alles friedlich erscheint, erläuterte gegenüber unserer Zeitung Weißenburgs Dienststellenleiter Peter Aschenbrenner.

Er war zusammen mit seinem Stellvertreter Helmut Horndasch und weiteren Polizisten, zum Teil in Zivil, vor Ort. Mehrere Beamte zogen zur Absicherung des Demonstrationszuges mit durch die Weißenburger Altstadt. Am Jugendzentrum verblieben nur ein paar vereinzelte Mahnwachenteilnehmer und Juz-Gäste.

Kaum war der Demonstrationszug außer Sicht- und Hörweite gab es ei­nen donnernden Knall, kurz darauf rannte eine Gruppe von gut einem Dutzend Vermummter – ausgerüstet mit bengalischen Lichtern – vom Seilergässchen her auf das Jugendzent­rum zu. „Sie grölten irgendwelche Parolen, die aber in der Aufregung nicht zu verstehen waren, irgendetwas mit ,Scheiß Antifaschisten‘“, schilderte ein Augenzeuge.

Dann rissen sie ein Transparent mit der Aufschrift „Nie wieder Faschismus“ vom Zaun des Juz und zündeten es an. Zeitgleich flogen Böller in Richtung der noch im Hof stehenden Menschen, unter denen auch ein Rollstuhlfahrer war. „Wir waren anfänglich völlig überrascht und konsterniert und konnten zunächst gar nicht reagieren“, berichtet der Augenzeuge. Und weiter: „Wir fühlten uns bedroht.“

Natürlich griffen die Attackierten zum Telefon und verständigten die Polizei. Die setzte auch sofort eine Streife in Gang, doch bis der Wagen vor Ort war, waren die Vermummten über alle Berge oder hatten sich versteckt. Wie intensiv gefahndet wurde und wie viele Polizisten im Einsatz waren, ist noch offen, auf jeden Fall war Verstärkung aus Ansbach angefordert worden. Die Beamten wurden aber keinem der Angreifer habhaft.

Von den Umstehenden im Hof haben nach Recherchen unserer Zeitung zwei Personen Schäden am Gehör erlitten. Die Böller waren in unmittelbarer Nä­he ihrer Ohren explodiert. Die beiden Betroffenen klagten nach eigenen Angaben über ein Pfeifen und andere Geräusche in den Ohren die gesamte folgende Nacht über.

„Wir fühlen uns bedroht“

Das Entsetzen unter den Demonst­ranten angesichts des Überfalls war groß, als der Menschenzug über die Nördliche Ringstraße aus der Altstadt zum Juz zurückkehrte. Kaum einer hatte es für möglich gehalten, dass die Mahnwache oder das Juz in dieser Form angegriffen und auch Verletzungen bei Menschen billigend in Kauf genommen werden. Wenngleich offenbar auch unter den Linken ein Gewaltpotenzial vorhanden ist. Unter anderem wurde aus dem Zug heraus skandiert: „Gebt den Nazis die Straße zurück – Stein für Stein“.

Deutlich gehaltvoller waren zuvor die Reden von Harald Dösel und von Anna Ulrich, die lange Zeit Juz-Vorsitzende war: „Wir fühlen uns bedroht“, machte Ulrich schon zu diesem Zeitpunkt deutlich. Zugleich versicherte sie aber: „Wir werden jedoch nie klein beigeben.“ Man werde sich im Jugendzentrum nicht einschüchtern lassen. Anna Ulrich unter kräftigem Applaus der Mahnwacheteilnehmer: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“
 

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