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Sonntag, 05.07.2020

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Viel beachteter Weißenburger Kunstpreis

Die Ausstellung wird wegen der Corona-Pandemie auf den Herbst verschoben - 26.05.2020 14:11 Uhr

Ausdrucksstarke Werke: Welche der eingereichten Bilder, Skulpturen und Installationen in der Schranne zu sehen sind, entschied das Organisationsteam des Weißenburger Kunstpreises. © Foto: Miriam Zöllich


An diesem Nachmittag ist das Orga-Team des alle zwei Jahre ausgelobten Kunstpreises in der Karmeliterkirche zusammengekommen, um aus den Werken von 25 vorausgewählten Künstlern diejenigen auszusuchen, die in der Ausstellung gezeigt werden sollen. Vertreten sind – neben den Mitarbeiterinnen des Kulturamts – Personen der lokalen Kunstszene: Roland Ottinger, Hubert Beckstein, Margarete Mandl, Michael Riedmiller, Hacko Bernzott, Willi Halbritter und Caroline Ritzke.

Wie in den Jahren zuvor auch sortieren und diskutieren sie die Werke und überlegen, welche sie in der Schranne unterbringen. Nur dieses Mal eben mit Abstand und Mundschutz. Und noch etwas hat sich geändert: Die Künstler durften sich auf den Kunstpreis nur online mit Fotoaufnahmen und genauer Beschreibung ihrer Werke bewerben. "Wir konnten uns nämlich in den vorherigen Jahren vor Postsendungen kaum retten", berichtet Kulturamtsleiterin Andrea Persch.

An die 270 Bewerbungen hat es heuer gegeben, das sind noch einmal 20 mehr als beim Kunstpreis 2018. Und auch die Herkunft der Künstler zeigt, dass der Weißenburger Kunstpreis ganz gut in der Szene angekommen ist: Nur etwa ein Viertel der Bewerbungen kommt aus der Region, wenn man zur Region auch die Nürnberger Ecke mitzählt. Der Rest wurde aus ganz Deutschland eingereicht, viele Künstler kommen aus Berlin. "Und bei den Namen ist mir persönlich aufgefallen, dass viele Asiaten dabei sind", berichtet Roland Ottinger. "Das sind oft junge Menschen mit engagierten, experimentellen Arbeiten."

Wobei schon auch auffalle, dass die Werke allgemein sehr politisch sind. Auch diejenigen, die nicht für den Sonderpreis eingereicht wurden. "Es gibt keine schönen Bilder mit Landschaften und Blumen", stellt Hubert Beckstein fest. "Es geht nicht ums Gefallen, sondern ums Provozieren." Und Roland Ottinger fügt hinzu: "Es ist eine neue Generation von Künstlern, die sich mit Umwelt, Armut, Politik und diesen Themen beschäftigt." Die Kunst also als Statement, als (gesellschafts-)politische Ausdrucksform.

Der diesjährige Sonderpreis unter dem Motto "Überfluss. Verschwendung. Mangel." wird erstmals in Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung Altmühlfranken vergeben, die sich die Wertschätzung von Lebensmitteln als Jahresthema 2020 generell auf die Fahne geschrieben hat. Und hierfür gibt es gleich zwei Sonderpreise: Der erste ist mit 700 Euro dotiert, der zweite mit 300. Die Resonanz auf das Thema ist beeindruckend: Etwa zwei Drittel der Künstler haben sich auf den Sonderpreis beworben.

Wer den ersten Preis der Ausstellung insgesamt ergattert, erhält 1000 Euro; der zweite Preis ist mit 500 Euro dotiert und der dritte mit 250. Außerdem gibt es noch für 100 Euro Preisgeld den Publikumspreis zu holen, bei dem die Besucher der Ausstellung für ihren Favoriten abstimmen können.

Erlebbare Kunst

Der Termin für die Ausstellung in der Weißenburger Kunst-Schranne wäre eigentlich schon Mitte Juni gewesen – aber das ist Corona-bedingt abgesagt. "Wir haben uns überlegt, stattdessen eine digitale Ausstellung zu entwickeln", berichtet Kulturamtsleiterin Persch. Erste Ideen gab es schon. "Man hätte sich durch eine Bildergalerie klicken und Bewertungen hinterlassen können."

Allerdings hat sich das Organisationsteam klar dagegen entschieden. Kunst müsse man einfach erleben, sie muss auf den Betrachter unmittelbar wirken – vor allem da nur noch ein Bruchteil der Werke Gemälde sind. Ein großer Teil sind Skulpturen und Installationen, und diesen werde man nicht einmal mit 3-D-Darstellung oder Videos gerecht, finden die Organisatoren. Dennoch behält man sich die Idee mit der virtuellen Ausstellung mal zur Sicherheit in der Schublade. Denn wer weiß, was Corona bis Herbst noch so einfällt.

miz

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