Mittwoch, 23.10.2019

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Weihejubiläum in Wengen gefeiert

Kirche war vor über 200 Jahren abgebrannt - 17.10.2018 09:38 Uhr

Gesangsverein „Liederkranz“ aus Nennslingen begleitete musikalisch Wengener Kirchenweihe. © Jürgen Leykamm


Die Katastrophe sei damals drauf und dran gewesen, das Dorf gänzlich zu vernichten, erinnerte der Seelsorger die Besucher in den vollbesetzten Kirchenbänken daran, dass es alles andere als eine Selbstverständlichkeit sei, diese Jubelfeier begehen zu können. Der Geistliche scheute sich zudem nicht, bezüglich der Situation von damals eine Parallele zu einer bedeutenden Stelle des Alten Testaments zu ziehen. Vor über 2500 Jahren waren laut dessen Worten die Israeliten vor einer Mammutaufgabe gestanden: Nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil galt es den Tempel in Jerusalem wieder aufzubauen. Gott persönlich forderte der Bibel zufolge sein Volk dazu auf – damit es diesem wohl ergehe. „Mein Haus steht wüst, ein jeder kümmert sich um seines“, zitierte der Regionalbischof das Buch Haggai.

Die Wengener hätten vor 202 Jahren eine solche Aufforderung nicht extra gebraucht. Der Entschluss zum sofortigen Wiederaufbau zeuge „von großer Weisheit“, so der Prediger. Denn weder Mensch noch Gemeinschaft, Dorf, Stadt oder Land dürfe „die eigene Mitte vernachlässigen.“ Wenn dies beherzigt werde, „dann haben
wir eine Zukunft“, machte Ark Nitsche deutlich. Es gelte auf den verschiedenen Ebenen damit auch, „einen Ort für den lebendigen Gott freizuhalten,“ forderte der Seelenhirte auf.

Er zeigte sich zugleich beeindruckt darüber, dass die Wengener nach der Katastrophe „die Kraft gefunden haben“, neben ihren eigenen Häusern auch das Gotteshaus wieder neu zu errichten. Es müsse den Zeitgenossen von damals sehr viel bedeutet haben. Wohl deswegen, weil sie die rettende Botschaft des Glaubens erkannt hätten. Der Regionalbischof legte ihm diese mit Anspielung auf den Wahlsonntag so in den Mund: „Ich habe mein Kreuz schon gemacht – ich wähle Euch!“ Was natürlich zugleich ein Hinweis auf Jesus Christus war, der nach christlicher Lehre durch seinen Kreuzestod die Barriere zwischen dem Schöpfer und seinen Geschöpfen niedergerissen hat. Der Sohn Gottes sei auch der künftige „Regierungschef“. Mit einer klaren „Regierungsbotschaft“: Die einer Zeit, in der „Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen“, zitierte Ark Nitsche Psalm 85.

Stimmgewaltig: Der evangelische Regionalbischof Stefan Ark Nitsche © Jürgen Leykamm


Im Geist dieser Hoffnung sei auch die Wengener Kirche neu erschaffen worden. Vielen Gläubigen, die selbst in diesem Sinne „Botschafter Gottes“ seien, habe sie und der Gottesglaube seither als Ankergrund des eigenen Lebensschiffs gedient. In dem Gotteshaus hätten Menschen neue Orientierung erfahren und es sei ihm bei zentralen Ereignissen des Lebens eine wichtige Rolle zugekommen: bei Hochzeiten, Taufen oder auch beim Abschiednehmen. Lediglich eine Kleinigkeit fehlt der Kirche bis heute – es gibt für sie keinen Namen.

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Doch das soll nicht mehr lange so bleiben. Im Sommer kommenden Jahres wird zu einem großen „Namensauffindungsfest“ geladen, dann wird der Regionalbischof wieder mit von der Partie sein. Bei seinem jetzigen Besuch hatte er nicht nur großes Lob für die Wengener von vor 200 Jahren und von heute im Gepäck, sondern zeigte sich auch beeindruckt von den gewaltigen Stimmen des Gesangsvereins „Liederkranz Nennslingen“, der den Jubelgottesdienst gemeinsam mit Organistin Simone Obermeyer musikalisch gestaltete.
Nach der Feierlichkeit gab es für die Besucher zudem die Gelegenheit, eine Festschrift zum Jubiläum samt einem Erinnerungskrug zu erwerben, was sehr gut angenommen wurde.

Leykamm

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