Montag, 12.04.2021

|

Weißenburg feiert die Kunst

Die Performance Exit: Erde zeigt, wozu die lokale Kulturszene in der Lage ist - 12.10.2020 06:11 Uhr

Kunst zum Zuschauen: In „Exit: Erde“ entsteht unter anderem live vor den Augen der Besucher ein Bild. Christoph Ottinger (Foto) und Hacko Bernzott malen.

11.10.2020 © Foto: Uli Wagner


Während am Freitagabend in der Kunst-Schranne die Schau zum Kunstpreis eröffnet wurde, ging am Samstag die Kunstperformance "Exit: Erde" des Kunstkollektivs aek über die Bühne. Letzteres erwies sich als der erwartet wilde Ritt durch die Genres. Literatur, Theater, Kunst und Musik verschmolzen zu einem neuen Ganzen.

Einem, das am Ende der Premiere von einem begeisterten Publikum mit Standing Ovations gefeiert wurde. "Wenn ich das in Paris oder Berlin gesehen hätte, hätte ich gesagt: Da sieht man halt, dass man in der Großstadt ist, aber dass es so was vor unserer Haustür gibt ...", kommentierte ein Besucher.

Alles griff ineinander

Ein großer Erfolg für das Team aus lokalen Künstlern, Schauspielern, Musikern und Theaterleuten. Auch weil dieser Versuch durchaus auch ins Auge hätte gehen können. An zu viel Ambition kann man sich bekanntlich leicht verheben. Das aber geschah nicht. Die Idee, mit den Werken der Ausstellung eine Geschichte zu erzählen und im Zuge dieser Geschichte die Ausstellung sich selbst aufbauen zu lassen, funktionierte. Weil alle Teile ineinander griffen und sich zu etwas Neuem und Stimmigem fügten.

Beeindruckendes Panorama: Aus einer leeren Halle wird im Laufe der Performance eine Ausstellung.

11.10.2020 © Foto: Jan Stephan


Aus lokaler Sicht ist es beeindruckend, dass eine solche Veranstaltung aus der hiesigen Szene heraus und ehrenamtlich entstehen konnte. Die Stadt Weißenburg bot als Veranstalter den Rahmen und einige Strukturen. Der monatelange Prozess der inhaltlichen Konzeption und Planung allerdings lief in einem Netzwerk aus Künstlern und Theaterleuten. Ein spätes Echo des Theaterprojekts "Lebkuchenmann", das viele dieser lokalen Künstler erst zusammengebracht hatte.

Im konkreten Fall war es die Kunst, die zuerst in die Halle von Elektro Kreißl am Lehenwiesenweg kam. Bald folgte die Idee zur Ausstellung der anderen Art. Die Weißenburger Dramaturgin Antje Wagner entwickelte aus den Kunstwerken einen Text, der zum Drehbuch einer Performance wurde. Einer Performance, in der nicht nur die Kunstwerke, sondern auch die Künstler ihre Rolle als die "ewigen Schöpfer" hatten.


Exit-Erde: Kunst auf AEK


Erzählt wurde die Geschichte der Erde und der Menschheit. Ein Prozess der Kultivierung und Zivilisierung, der vom Leben mit zu einem Leben von der Natur wird. In der Ausstellung rattert bald ein Förderband an, die hellen Neonröhren der Halle beginnen das Flackern, aus allen Ecken kommen die Helfer in hektischem Tempo, um das hungrige Förderband zu füttern, das seine Waren ins Nichts fallen lässt.

Der Weißenburger Stadtschreiber Clemens Berger lieferte mit einer Lesung aus seinem aktuellen Roman "Der Präsident" die Ouvertüre zu der gute halbstündigen Performance. Auch das passte, sein Roman dreht sich um das historische Versagen der Politik beim Kampf um den Klimawandel. Und Berger will in seinem Theaterstück, das er für Weißenburg schreibt, einen Blick in eine ökologische Zukunft werfen.

Erschöpft, aber glücklich

Neben den Kunstwerken, den Künstlern und dem Text spielte sich der Weißenburger Schauspieler Baran Sönmez nach vorne. Ohne Text, allein mit seiner Körperlichkeit illustrierte er die Geschichte der Menschheit. Es gelang beeindruckend. Nicht nur eine Untermalung war die Musik, die Harald Dösel und Winnie Neumann an Saxofon und Bass beisteuerten. Klangteppiche, die das Geschehen kommentierten und auch selbst antrieben.

Am Ende eines ehrgeizigen Experiments, sah man viele erschöpfte, aber glückliche Gesichter beim Kunstkollektiv aek. "Danke, dass Sie den Mut hatten, sich in diesen Zeiten Kultur anzusehen. Das ist uns sehr wichtig", verabschiedete sich Antje Wagner vom Publikum und hatte dem Abend damit auch noch ein perfektes Schlusswort gegeben.

Mitwirkende Künstlerkollektiv aek: Hubert Beckstein (Organisation), Antje Wagner (Konzept/Text/Regie/Stimme), Roland Ottinger, Christoph Ottinger, Hacko Bernzott, Caroline Ritzke, Eva Hummel, Hubert Beckstein , Michael Riedmiller, Susanne Ludwig, Anja von Wülfingen, Claudia Pößnicker (Performer), Claudia Pößnicker, Andrea Sarres, Christina Schock (Platzanweiser), Andreas Kreißl (Initiator/Location), Winnie Neumann, Harald Dösel (Initiator/Location), Showtechnik Hammerschidt, Marco Spiegel (Licht/Ton).

Infos zu weiteren Performance-Terminen und zur Ausstellung

Die Performance wird noch zwei weitere Male am Samstag, 24. Oktober, zu sehen sein. Einmal um 19.30 Uhr und einmal um 22 Uhr. Karten gibt es über das Weißenburger Kulturamt unter 09141/ 90 73 30. Außerdem ist die Ausstellung ohne Performance am Wochenende 17. und 18. Oktober jeweils von 11 bis 19 Uhr zu sehen. Die Adresse der Halle ist Lehenwiesenweg 82.

JAN STEPHAN

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Weißenburg