Weißenburg kauft keine Luftreiniger für die Schulen

12.4.2021, 20:54 Uhr
Weißenburg kauft keine Luftreiniger für die Schulen

© Foto: Harald Sippel

Zum einen wollten die FW, dass sich die Stadt um ein Corona-Testzentrum bemühen sollte. Sie sprachen sich für eine Containerlösung, zentral am Marktplatz aus. Dieses Thema musste nicht mehr diskutiert werden, weil sich der Landkreis, in Abstimmung mit der Stadt, bereits für die Cafeteria in der Kreisklinik als Standort für das Testzentrum entschieden hatte. Das hat zwischenzeitlich auch seine Arbeit aufgenommen.

Zum anderen hatten die Freien Wähler beantragt, dass die Stadt antivirale Folien, die bei einer Firma in Mischelbach hergestellt werden, kaufen soll, um damit Türklinken und Fenstergriffe in den städtischen Schulen und Kindergärten zu versehen. "Die Folien sind bereits bestellt", berichtete Oberbürgermeister Jürgen Schröppel. Sie kosten um die 500 Euro.

Um das Thema Luftfiltergeräte entspann sich dann eine längere, teils hitzige Diskussion. Ein Gerät kostet circa 4000 Euro. Die Hälfte etwa werde bezuschusst. In den Schulhäusern in Emetzheim, Dettenheim und Oberhochstatt sowie in der Zentral- und Mittelschule müssten 60 Räume damit bestückt werden. Somit ergebe sich ein Kaufpreis von rund 240 000 Euro, wobei die Stadt einen Eigenanteil von 120 000 Euro zu tragen habe.


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Bei Kindertagesstätten gilt Schröppel zufolge hingegen die Regelung, dass es eine staatliche Unterstützung nur dann gibt, wenn in einem Zimmer kein Fenster geöffnet werden kann. Solche Räume gibt es aber in den städtischen Einrichtungen nicht. "Also müssen wir die Sache komplett bezahlen", sagte Schröppel. In zehn Kindertagesstätten kommen 20 Räume zusammen, sodass Kosten von 80 000 Euro entstünden. Alles in allem müsste die Stadt also für Schulen und Kitas 200 000 Euro für die Luftreiniger berappen.

Die Viren draußen halten

Die Stadtverwaltung habe sich mit den beiden Schulleitern beraten, berichtete der OB. Übereinstimmend sei man zu dem Ergebnis gekommen, auf die Filtergeräte zu verzichten und lieber zu versuchen, Coronaviren möglichst von den Schulhäusern fernzuhalten. Das sei sinnvoller, als sie zunächst einschleppen zu lassen, "um sie dann wieder rauszufiltern", sagte Schröppel.

Mittelschulrektor Markus Scharrer gab zudem zu bedenken, dass die Filtergeräte angesichts der aktuell hohen Nachfrage möglicherweise erst im Herbst geliefert werden. Dann werde viel Geld zu einer Zeit investiert, "für die wir hoffen, dass wir die Geräte dann nicht mehr brauchen".


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Die Freien Wähler wollten niemanden "zwangsbeglücken", meinte Heinz Gruber. Wenn die Luftreiniger nicht gewollt würden, sei es auch recht. Die Realschule, die schon derartige Filtermaschinen habe, berichte aber von guten Erfahrungen. Die Reihenschnelltests seien gut, aber damit würden nicht alle Infizierten erwischt. Die Filtergeräte würden zusätzlich helfen.

CSU-Fraktionsvorsitzender Klaus Drotziger wies auf die lange Vorlaufzeit mit Ausschreibung der Geräte, Submission und Vergabe hin. Die Lieferung erfolge irgendwann in ein paar Wochen, aber die Zahlen stiegen jetzt.

Aufwendige Wartung?

Claudia Pößnicker von den Grünen berichtete, dass die Filteranlagen in manchen Schulen wegen ihrer Lautstärke wieder aus den Klassenräumen genommen worden seien. Auch Pflege und Wartung seien aufwendig. All das ziehe Folgekosten nach sich, ebenso die Filterentsorgung. Ihr Parteifreund Maximilian Hetzner ergänzte, dass durch die Luftreiniger Räume auch nicht keimfrei würden, sondern sich lediglich deren Verweildauer verringere. Es müsse also trotzdem gelüftet werden.

Heinz Gruber widersprach diesen Darstellungen. Die Technik sei bewährt, nicht zuletzt in Operationssälen von Krankenhäusern. Die Geräte würden sich zur Selbstreinigung regelmäßig aufheizen. Und Lüften bringe im Sommer nichts. Wer im Physikunterricht aufgepasst habe, der wisse, dass es zu Luftbewegungen nur bei einem Temperaturunterschied zwischen innen und außen komme.

Diese Aussage veranlasste den OB zu dem Kommentar: "Jetzt sind Sie auch Physikexperte." Und Sonja Strunz (CSU) wusste zu berichten, dass die Geräte im Gymnasium "durchaus Geräusche machen".

Der FW-Antrag als Auslöser?

Gerhard Naß (SPD) hingegen konnte dem FW-Antrag "etwas abgewinnen". Er sprach sich dafür aus, "das eine zu tun und das andere nicht zu lassen", also sowohl die Teststationen vor den Schulen einzurichten als auch die Filtergeräte zu kaufen.

FW-Stadträtin Manuela Mühlöder begrüßte das städtische Vorgehen bei den Schnelltests, doch es sei zu lange nichts passiert, daher hätten die Freien Wähler ihren Eilantrag gestellt. Sie dürfe nicht glauben, dass seine Mitarbeiter im Rathaus nur deshalb in die Gänge gekommen seien, entgegnet ihr der OB. Sie hätten vielmehr ständigen Kontakt mit den Schulleitungen.

Und Klaus Drotziger, bekanntlich Leiter der Weißenburger FOSBOS, meinte: "Es grenzt an Vermessenheit zu glauben, dass Schulen ihre Arbeit erst machen, wenn die Freien Wähler einen Antrag stellen." Alle Vorarbeiten und Bedarfsabfragen zu Luftreinigungsgeräten, aber auch die Schnelltests für Schüler seien längst gelaufen. Drotziger: "Das haben wir alles schon getan, auch ohne Antrag der Freien Wähler."

Letztlich stimmten für den Kauf von Luftfiltergeräten für die städtischen Schulen und Kindergärten lediglich die Freien Wähler Heinz Gruber und Alexander Kohler sowie Elisabeth Pecoraro und Gerhard Naß von der SPD. 15 Stadträte und der OB votierten dagegen.


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