Protestkundgebung in der Altstadt

Weißenburg streikt fürs Klima

24.9.2021, 18:01 Uhr
#Alle fürs Klima: Rund 200 Menschen machten sich am Freitag für intensivere  Bemühungen um den Klimaschutz stark. Mit einer Kundgebung auf dem Marktplatz  und einem Zug durch die Innenstadt forderten sie nicht nur die Politik zum  Handeln auf.  Klimastreik Weißenburg.

#Alle fürs Klima: Rund 200 Menschen machten sich am Freitag für intensivere Bemühungen um den Klimaschutz stark. Mit einer Kundgebung auf dem Marktplatz und einem Zug durch die Innenstadt forderten sie nicht nur die Politik zum Handeln auf. Klimastreik Weißenburg. © Jan Stephan, NN

Die Veranstalter zeigten sich allerdings enttäuscht von der Resonanz. „Man muss da nicht drumherumreden, das sind weniger als erwartet“, stellte Felix Goldhorn vom Rednerpodium aus fest. Er vermisste vor allem Jugendliche und junge Erwachsene in größerer Zahl auf dem Marktplatz. „Aber das zeigt ja auch, woran es hapert“, meinte Goldhorn. „Die Leute haben einfach noch nicht verstanden, was da auf uns zukommt.“

Im Vorfeld der Kundgebung gab es in Weißenburg heftige verbale Angriffe auf die Organisatoren der Kundgebung. Auf Facebook äußerten sich einige Nutzer erheblich unter der Gürtellinie. Goldhorn las einige der unangenehmsten Kommentare auf der Demonstration öffentlich vor. Klimaschutz mag im politischen Mainstream angekommen sein, aber es gibt immer noch ausreichend Menschen, die damit wenig anfangen können, so die recht überzeugende Botschaft.

Dabei sei die Lage bereits mehr als ernst, so die Botschaft aller Rednerinnen und Redner. „Wir wissen alle, dass es scheiße ausschaut“, formulierte Goldhorn plakativ. Wer den Klimawandel leugne, der sei kein kritischer Geist, sondern lehne wissenschaftliche Erkenntnisse ab und könne „sich bei den Aluhutträgern einreihen“.

Goldhorn stand im Namen der Bürgerinitiative Klimaschutz auf dem Podium, die sich aus der Protestbewegung gegen die Ansiedlung von Center Parcs im Muna-Wald entwickelt hat. Er sitzt auch für die Linken im Kreistag von Weißenburg-Gunzenhausen.

Dem hiesigen CSU-Abgeordneten Artur Auernhammer warf er vor, eine Landwirtschaftspolitik zu betreiben, die mit hunderten Millionen Fördermitteln eine großbäuerliche Struktur fördere, aber nicht die kleinen bäuerlichen Strukturen vor Ort schütze. Dass der Weißenburger Freie-Wähler-Landtagsabgeordnete Wolfgang Hauber sich gegen die Verabschiedung der Klimaschutz-Agenda 2030 auf kommunaler Ebene ausgesprochen hatte, kritisierte Goldhorn scharf. „Da fragt man sich schon, ob solche Leuten den Aufgaben der Zukunft gewachsen sind.“

Gezielt wählen

In der Konsequenz rief er bei der Kundgebung dazu auf, bei der Bundestagswahl in Richtung eines konsequenten Klimaschutzes zu wählen. Bei welcher Partei man dafür sein Kreuz machen müsse, ließ er allerdings offen. Bei den Teilnehmern der Demonstration waren die Grünen, die Linken und die ÖDP offensiv mit Bannern vertreten. Auch einige SPD-Vertreter waren zu sehen.

Viele Kinder steuerten bunte Plakate zu der Kundgebung bei, um auf die  Dringlichkeit der Situation aufmerksam zu machen. Jugendliche und junge  Erwachsene hingegen waren vergleichsweise wenig auf der Kundgebung vertreten.

Viele Kinder steuerten bunte Plakate zu der Kundgebung bei, um auf die Dringlichkeit der Situation aufmerksam zu machen. Jugendliche und junge Erwachsene hingegen waren vergleichsweise wenig auf der Kundgebung vertreten. © Jan Stephan, NN

Melanie Seibold freute sich im Namen der BI, dass aus dem Impuls der Muna-Initiative etwas Grundsätzliches entstanden sei. Es gehe aus ihrer Sicht darum, sich die Projekte vor Ort anzusehen und aus Klimaschutzsicht zu beurteilen, ob sie wirklich notwendig seien.

Ins selbe Horn stieß auch die Ärztin Dr. Christine Gentsch. Man könne sich gar nicht vorstellen, welche Folgen eine Zunahme von Hitzewellen hätten, warnte sie. Das koste Menschenleben. Mit der Demonstration und Zusammenschlüsse wie der BI könne man sich aber aktiv für den Klimaschutz engagieren. „Es hat keinen Sinn, wenn wir immer nur vor Angst erstarren, und sagen, wir könnten nichts tun. Das stimmt eben nicht.“

Jede Straße auf den Prüfstand

Stefan Ballack zog auf dem Rednerpult eine indirekte Parallele zwischen der nationalsozialistischen Vergangenheit und dem Klimawandel. Er beteilige sich hier, weil er seinen Kindern später nicht sagen wolle: Er hätte von nichts gewusst oder noch schlimmer, er hätte von nichts wissen wollen. Genau diese Antworten seien ihm vor 45 Jahren gegeben worden, als er in einem Schulprojekt die Lokalgeschichte während des Dritten Reichs aufarbeiten habe sollen, erzählte er den Demonstranten.

Es brauche jetzt sofort konsequenten Klimaschutz, wenn man etwas aufhalten wolle. Ansonsten werde man hier im Landkreis in einigen Jahren ein Klima wie in Norditalien haben, auf das man nicht vorbereitet sei.

Brigitte Löffler, die Vorsitzende des Bund Naturschutz im Landkreis, forderte ein „Straßenbaumoratorium“. Alle Straßen, die im Bundesverkehrswegeplan stünden, müssten auf den Klimaprüfstand. Damit stellte sie auch Projekte wie die Dietfurter Umgehung oder den barrierefreien Ausbau der Hörnlein-Kreuzung in Weißenburg in Frage.

Und natürlich die Westtangente. Gegen die organisiert die ÖDP in Weißenburg gerade ein Bürgerbegehren. Den Klimastreik nutzten die Aktivisten gleich zum Stimmensammeln und hatten einen eigenen Stand vorbereitet, an dem man sich für eine Abstimmung über den weiteren Bau der Weißenburger Umfahrung eintragen konnte.

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