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Weißenburger Lebkuchenmann: Die Herrin der Kostüme

Valerie Hirschmann ist bei dem Theaterprojekt für die Ausstattung von 100 Schauspielern zuständig - 04.07.2019 11:44 Uhr

Die Kostümbildnerin Valerie Hirschmann arbeitet normalerweise in Köln, Mainz oder Dinslaken. Beim „Lebkuchenmann“ ist sie die Herrin über die unterschiedlichen Masken und Bekleidungen. © Jan Stephan


„Ich habe mir eigentlich echt geschworen, dass ich nie mehr Sommertheater mache“, erzählt Valerie Hirschmann. „Ich habe das einmal gemacht, und es war eine ganz grauenvolle Erfahrung.“ Die 33-jährige Kostümbildnerin aus Weißenburg läuft gerade durch das Weißenburger Progymnasium, zeigt Uniformjacken hier und Pelzmäntel da.

Sie ist die Kostüm-Koordinatorin für den Weißenburger Lebkuchenmann. Ein Theaterprojekt, das im Juli im Bergwaldtheater stattfindet. Das mit dem Sommertheaterschwur hat eindeutig nicht so gut funktioniert.

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Das Team hinter dem Lebkuchenmann

Der Lebkuchenmann feiert am 12. Juli Premiere und wird dann weitere neunmal im Juli im Weißenburger Bergwaldtheater aufgeführt. Bis zu 100 Schauspieler werden auf der Bühne stehen und ein Stück aufführen, das der österreichische Schriftsteller Franzobel eigens für Weißenburg und das Bergwaldtheater geschrieben hat.


Hirschmann lacht und zuckt kurz mit den Schultern.„Aber es ist zumindest bis jetzt kein bisschen grauenvoll hier.“ Irgendwie ließen ihr die Umstände auch wenig Wahl, an diesem Projekt vorbeizukommen. Was sollte sie als in Weißenburg lebende Kostümbildnerin, die sonst an der Oper in Köln, dem Staatstheater in Mainz oder der Landesbühne Dinslaken arbeitet, schon tun, wenn direkt vor ihrer Haustür auf einmal ein so ehrgeiziges Theaterprojekt aufploppt.

„Ich wollte mich schon immer irgendwie am Weißenburger Stadtleben beteiligen, wusste aber nicht so richtig wie“, erzählt sie. „Und dann kam der Lebkuchenmann...“ Für den hat sie die Kostüme zwar nicht entworfen, wie sie es sonst tut – dafür ist Cornelia Kraske zuständig –, sie kümmert sich aber darum, dass aus deren Ideen Wirklichkeit wird. „Man muss vor allem wahnsinnig viele Sachen herbeischaffen“, erzählt sie.

Flohmärkte und Kleiderkammern

Graue Mäntel, Achterkrägen, Metallrüstungen, Soldatenhelme, Pelzmäntel, Perücken, Latextkleider und Schuhe, jede Menge Schuhe. Sie hat schon all ihre Kontakte spielen lassen und durfte sich aus den Fundus des Augsburger Theaters und der Dinslakener Burghofbühne bedienen, dazu kamen Leihen aus dem Nürnberger Staatstheater und ganz viel Kleiderkammer- und Flohmarktbesuche. Inzwischen wird sie schon per Whatsapp informiert, wenn auf einem Flohmarkt in der Nähe Dinge auftauchen, die sie unbedingt braucht.

Zuletzt schwang sie sich nach einer solchen Nachricht eilends aufs Rad und düste in Richtung Marktkauf, um mit vorgehaltenem Handy auf einem Markt, der gerade aufräumte, nach dem Standbetreiber mit den Helmen zu fahnden. Am Ende mit Erfolg. Sie fuhr um fünf Helme reicher nach Hause, als sie gekommen war.

Auf der Suche nach Geiermasken

Herausfordernd sind für sie oft Umbesetzungen und inhaltliche Änderungen, die Regisseur Georg Schmiedleitner immer wieder aus dem Hut zaubert. „Da heißt es dann, alle Kinder sind jetzt auch ein Trauermarsch. Oder der ganze Chor braucht jetzt Geiermasken“, erzählt die Weißenburgerin. Dann fängt sie an, sich Gedanken zu machen, wo man nun genau Geiermasken herbekommen könnte.

Die letzte Lösung ist es immer, die Dinge im Internet zu bestellen. „Wir haben zwar ein ordentliches Budget, aber wir brauchen auch noch ganz viel. Ich versuche immer, eine günstige Lösung zu finden.“ Die Dachböden und Kleiderkartons von Verwandtschaft, Nachbarschaft und Freunden hat sie längst geplündert. Aber Rüstungsteile finden sich da eben auch eher selten. Nun überlegt sie schon, ob sie nicht Abgüsse von einem Brustpanzer machen kann und sie dann bemalt. Ihr Job ist einer der kreativen Beschaffung.

Logistische Meisterleistung

Er erfordert allerdings auch erhebliche logistische Fähigkeiten. Denn Valerie Hirschmann ist auch dafür zuständig, zu koordinieren, dass bei den Aufführungen alles an seinem Platz ist. Und das ist herausfordernd, weil es schnell gehen muss. „Das Kostüm muss dann hinter der Bühne schon so auf dem Stuhl liegen, dass man da schnell reinkommt und auch noch einer neben dem Stuhl steht, der hilft“, erklärt sie. Bei einem Theaterensemble von rund 100 Menschen mit vielen Kostümwechseln ist das schon eine logistische Meisterleistung.

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Großes Theater: Der Lebkuchenmann in Weißenburg

Ein wilder Markgraf, eine gesangsfreudige Elfe und hunderte Kohlköpfe: So lief die Generalprobe des "Lebkuchenmanns" im Weißenburger Bergwaldtheater.


Eine, bei der diegelernte Schneiderin, die später in Hamburg bei einer Hutmacherin arbeitete und seit 2012 hauptberuflich Kostümbildnerin ist, noch Hilfe gebrauchen könnte. „Wir bräuchten auf jeden Fall noch Leute hinter der Bühne, die beim Umziehen helfen und dafür sorgen, dass alles an seinem Platz ist. Im besten Fall nehmen sie dann auch eine Waschmaschinenladung mit nach Hause.“

Denn auch um das Waschen der Kostüme muss sich Valerie Hirschmann kümmern. Auch wenn es da Tricks gibt, weil nicht jede Uniform nach jeder Vorstellung gewaschen werden kann. „Im Theater steht immer eine Sprühflasche mit Wodka. Der Alkohol töte die Bakterien, die den Geruch verursachen, der Wodka hat aber keinen Eigengeruch.“

Jan Stephan

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