Weißenburger Neonazis fälschen Wahlwerbung der Linken

11.3.2014, 17:27 Uhr
Die Freien Nationalisten (FN) Weißenburg veröffentlichten Aufkleber mit vermeintlicher Werbung für die Linksjugend.

Die Freien Nationalisten (FN) Weißenburg veröffentlichten Aufkleber mit vermeintlicher Werbung für die Linksjugend. © dpa

Es ist eine ziemlich fiese Attacke auf zwei Kandidaten der Linksjugend. "Seriöse linke Politik für den Weißenburger Stadtrat“, steht als Slogan über den Aufklebern. Das Bild, vermutlich in den sozialen Netzwerken geklaut, zeigt eine wenig vorteilhafte Partyaufnahme zweier Weißenburger Kandidaten, erkennbar und mit vollem Namen. Darunter prangt das Parteilogo der Linken. Erst, wenn man den klein gedruckten Hinweis auf den "Verantwortlichen im Sinne des Presserechts“ liest, ist klar, dass es sich um einen Fake handelt. Da steht zwar mit Victor Rother der Vorsitzende der Linksjugend, allerdings mit ei­nem unmöglichen Spitznamen.

Eine „Schmutzkampagne“

"Wir haben die natürlich nicht produziert“, stellt Rother auf Anfrage unserer Zeitung fest. Dass die Freien Nationalisten hinter den Aufklebern stecken, die bisher nur an einigen wenigen Stellen angebracht wurden, legt ein Blick auf die Homepage der Weißenburger Neonazis nahe. Dort findet sich der identische Aufkleber als Bild. Auch die Kreistagsliste der Linken wird dort im Detail und mit etlichen Bildern der Beteiligten dokumentiert und abfällig kommentiert.

Rother spricht von einer "Schmutzkampagne“. "Die versuchen uns persönlich in den Dreck zu ziehen.“ Und das betrifft nicht nur Angehörige der Linkspartei beziehungsweise der Piratenpartei. Im Dezember 2012 wurde zum Beispiel ein Gymnasiallehrer auf der Homepage der FN angegangen. Er hatte als Mitglied einer Band bei einem Fest der Linken in Weißenburg gespielt. Auf der Homepage der Freien Nationalisten wird im Impressum zudem der hauptberufliche Sozialpädagoge des Weißenburger Jugendzentrums als Verantwortlicher genannt und die Adresse der städtischen Einrichtung. Ein schlechter Scherz, wenn man an den Übergriff der Rechten auf das Jugendzentrum denkt.

Gegen den Internetpranger der Neonazis, der zum Beispiel im Fall des Impressums klar gegen geltendes deutsches Recht verstößt, lässt sich offenbar kaum etwas ausrichten. "Die können da schreiben, was sie wollen“, stellt Victor Rother ernüchtert fest. Die Hinweise an die Ermittlungsbehörden hätten bisher nichts gebracht. Das Problem ist, dass der Server, von dem aus die Seite betrieben wird, in den USA steht. Rother: "Uns wurde mitgeteilt, dass wir da zum Gericht in Los Angeles müssten.“ Die Linksjugend behält es sich trotzdem vor, auch in diesem Fall wieder eine Anzeige zu erstatten.

Erkan Dinar, der OB-Kandidat der Linken in Weißenburg, ist von den Aktivitäten der Freien Nationalisten wenig überrascht. "Wir ha­ben sowas erwartet. Unsere Plakate werden zerstört, überklebt und übermalt.“ Zudem wird der türkischstämmige Kandidat auf seiner Facebook-Seite unter anderem we­gen seiner Herkunft mitunter weit unterhalb der Gürtellinie angegangen. Zudem sind in der Diskussion mitunter erschreckende Meinungsbeiträge zu lesen. Ein User findet etwa, dass "niemand mit Migrationshintergrund in der deutschen Politik tätig sein“ sollte.

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