Weißenburger Rüstwagen rollt durch die Ukraine

3.3.2020, 12:00 Uhr
Eine sechsköpfige Delegation der Feuerwehr aus Snjatyn hat den ausgemusterten Rüstwagen und den Lichtmastanhänger (rechts) abgeholt. Mit im Bild sind KBR Werner Kastner, Löschmeister Stanislav Marzynkevitsch, KBI Eduard Ott, OB Jürgen Schröppel, Kommandant Klaus Knaupp und Landratsvize Robert Westphal.

© Foto: Robert Renner Eine sechsköpfige Delegation der Feuerwehr aus Snjatyn hat den ausgemusterten Rüstwagen und den Lichtmastanhänger (rechts) abgeholt. Mit im Bild sind KBR Werner Kastner, Löschmeister Stanislav Marzynkevitsch, KBI Eduard Ott, OB Jürgen Schröppel, Kommandant Klaus Knaupp und Landratsvize Robert Westphal.

Sechs Mitglieder dieser Wehr waren zu der Fahrzeugübergabe nach Weißenburg gekommen und freuten sich riesig über den gut ausgestatteten Rüstwagen und einen Lichtmast- anhänger, der ebenfalls ausrangiert wurde.

Es ist bereits das zweite Einsatzfahrzeug das die ukrainische Wehr aus Weißenburg erhält. 2017 beim Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen der Freiwillige Feuerwehr Weißenburg ging das damals ausgemusterte Tanklöschfahrzeug TLF 16 dorthin. Seitdem ist es in der Stadt und im Landkreis Snjatyn im Einsatz und trägt wesentlich mit dazu bei, die Sicherheit für die Menschen in der Region zu erhöhen.

Und dazu soll nun auch der alte RW 2 einen großen Beitrag leisten. "In der Ukraine kann es Leben retten", unterstrich Kreisbrandrat Wenrer Kastner. Hierzulande würde es hingegen wohl "nur als Oldtimer rumfahren". Die Schenkung bezeichnete er als "Beitrag zur Völkerverständigung".

Ähnlich äußerte sich Oberbürgermeister Jürgen Schröppel. Weißenburg wolle so einen kleinen friedensstiftenden Beitrag leisten. Und Landratstellvertreter Robert Westphal bezeichnete es als "vernünftig", ausgemusterte, aber noch intakte Feuerwehrautos dorthin weiterzugeben, wo sie noch gute Dienste tun können. "Es geht in aller Regel um Menschenleben", machte er deutlich.

Weißenburgs Kommandant Klaus Knaupp dankte dem Stadtrat, dass er die Schenkung mit einem einstimmigen Senatsbeschluss den Weg für die Überlassung des Rüstwagens mit einem Zeitwert von 5000 Euro freigemacht hat. Zur Feuerwache 15 in Snjatyn, die auch schon weitere, hier ausgemusterte Ausrüstungsgegenstände erhalten habe, gebe es mittlerweile gute Kontakte. Knaupp wünschte der Abordnung, dass die 1000 Kilometer lange Überführungsfahrt gut verläuft und rief ihnen zu: "Kommt bei Einsätzen mit dem Fahrzeug immer wieder gut zurück."

Die Abordnung aus Snjatyn sprach von einer "großen Freundschaft" zwischen den beiden Wehren. "Das Auto wird eine große Hilfe sein, um Menschenleben zu retten", sagte ihr Sprecher und dankte im Namen des gesamten Regierungsbezirks Ivano-Frankivsk. Die Wehr in der Ukraine freue sich auf einen weiteren Gegenbesuch der Weißenburger Kameraden. Die sprachlichen Hürden bei der Übergabe wurden durch Löschmeister Stanislav Marzynkevitsch von der Weißenburger Wehr genommen, der dolmetschte.

Die Stadt Snjatyn liegt im Oblast (vergleichbar einem hiesigen Regierungsbezirk) Ivano-Frankivsk circa 120 Kilometer von Lviv /Lemberg entfernt. Das Feuerlöschwesen in der Ukraine ist mit dem hiesigen nicht vergleichbar. Der Brandschutz wird in Snjatyn derzeit ausschließlich durch Berufsfeuerwehrleute sichergestellt, die sowohl für die Stadtgebiete als auch für das gesamte Umland zuständig sind. Ihre Ausrückgebiet hat einen Radius von gut 50 Kilometern.

Die damit verbundenen sehr langen Anfahrtszeiten zu den Einsatzorten führen gerade in den ländlichen Gebieten bei Bränden oder Verkehrsunfällen zu hohen Sachschäden und in den schlimmsten Fällen zu Todesopfern. Eine Abdeckung der Fläche mit schlagkräftigen Freiwilligen Feuerwehren, wie es sie hierzulande gibt, existiert in der Ukraine noch nicht. Dort ist man aber gewillt, ein Feuerwehrsystem nach deutschem Vorbild aufzubauen.

Größtes Problem ist neben unzureichender Ausrüstung das Fehlen geeigneter Fahrzeuge, die für einen schnellen und wirksamen Einsatz unabdingbar sind. Hier kommt der alte Rüstwagen also gerade recht.