Wenn nur ein Hund helfen kann

8.10.2017, 09:00 Uhr
Hilfe für den fünfjährigen Bastian: Der Golden Retriever Sammy wird derzeit von Nicoletta Reina (rechts) zum Epilepsiehund ausgebildet. Wenn der Junge einen Anfall bekommt, kann der Hund Mutter Julia holen, die dann ein spezielles Medikament verabreichen kann. Im Idealfall kann Sammy den Anfall vielleicht sogar vorher ankündigen.

Hilfe für den fünfjährigen Bastian: Der Golden Retriever Sammy wird derzeit von Nicoletta Reina (rechts) zum Epilepsiehund ausgebildet. Wenn der Junge einen Anfall bekommt, kann der Hund Mutter Julia holen, die dann ein spezielles Medikament verabreichen kann. Im Idealfall kann Sammy den Anfall vielleicht sogar vorher ankündigen. © Markus Steiner

Denn ein speziell geschulter Epilepsiehund kann im Ernstfall Leben retten. Die Assistenzhunde für Epileptiker, die seit 2004 auch in Deutschland ausgebildet werden, warnen, bevor ein lebensbedrohliches Ereignis eintritt. Im Falle von Bastian, bei dem bei einem epileptischen Anfall die Atmung aussetzt, könnte der Epilepsiehund beispielsweise einen Notrufknopf mit der Pfote drücken oder Hilfe holen. Technische Hilfsgeräte wie Warnmatratzen oder Babyphones funktionieren dagegen überhaupt nicht. „Bastian wird ganz steif und bewegt sich nicht“, erklärt seine Mutter Julia, die sich gemeinsam mit ihrem Mann deshalb entschieden hat, einen Hund anzuschaffen, der jetzt von Nicoletta Reina ausgebildet wird.

Gelehrig und sanftmütig

Die Weißenburgerin ist im Umkreis von rund 50 Kilometern die einzige Hundetrainerin, die auch Epilepsiehunde ausbildet und seit März den zehn Monate alten „Sammy“ der Familie Heckl auf seine Aufgaben vorbereitet. Der zehn Monate alte Golden Retriever ist sanftmütig, gelehrig und daher bestens geeignet, um für Bastian künftig Hilfe zu holen. „Auch Sammy hat das, was wir Hundetrainer als Will to Please bezeichnen“, ist Reina überzeugt. Das heißt: Der Golden Retriever ist aufgrund seiner Anlagen bemüht herauszufinden, was sein Mensch von ihm will und versucht das so gut wie möglich umzusetzen. Wenn man ihn lobt, dann spornt ihn das besonders an. Schon jetzt kann Sammy deshalb auf das Kommando „Touch!“ einen Notruftaster drücken. Im Ernstfall kann Mutter Julia schnell kommen und Bastian ein hochdosiertes Notfallmedikament verabreichen, das den Kampf löst.

Aber auch darüber hinaus hat sich Bastians Wesen verändert, seitdem Sammy bei der Familie lebt. „Er ist viel ruhiger und ausgeglichener“, hat seine Mutter beobachtet. Die Nähe zu dem Golden Retriever tut dem Kleinen gut, der sich manchmal von ganz alleine in die Hundebox kuschelt. Selbst die Anzahl der Anfälle, die Bastian bislang alle zwei bis drei Wochen hat, könnten weniger werden, weiß Reina. Die Hundetrainerin wird bei der Ausbildung von Sammy vor ein ganz spezielles Problem gestellt: Sie muss mit dem Assistenzhund und mit Mutter Julia den Ernstfall üben, den man im Training allerdings nur schlecht simulieren kann. Denn das Konditionieren auf den Notruf-Knopf muss daheim passieren. Das bedeutet, dass Mutter Julia, wenn Bastian einen Anfall hat, sich zum einen um ihren Sohn kümmern und zum anderen Sammy trainieren muss. Eine Situation, bei der Stress vorprogrammiert ist.

Lange Ausbildung

Wenn in der Ausbildung, die zwischen 18 bis 24 Monate dauert, alles glattläuft, dann kann Sammy verlässlich die Epilepsie anzeigen. Wenn die Heckls Glück haben und der Golden Retriever die richtigen Gene hat, dann kann er vielleicht sogar schon warnen, ehe der Anfall eintritt. Denn einige wenige Hunde haben die Sensibilität, dass sie bereits einige Minuten vor dem Epilepsieanfall warnen können, weiß die Weißenburger Hundetrainerin.

2014 haben Forscher entdeckt, dass diese besonderen Hunde eine reduzierte Sauerstoffsättigung im Blut ihrer Schützlinge wahrnehmen können und dann Alarm auslösen. Die Forscher gehen davon aus, dass Hunde die damit einhergehende verringerte Atemgeschwindigkeit hören und deshalb anschlagen. Alle Warnhunde in der Verhaltensstudie zeigten jedenfalls deutliche Ohrenbewegungen, bevor sie vor dem Anfall warnten.

Hohe Kosten

Aber selbst wenn Sammy diese seltene Fähigkeit nicht haben sollte, sind die Heckls, die eigentlich nie einen Hund haben wollten, froh, dass der Golden Retriever jetzt zur Familie gehört. Auch die achtjährige Schwester Antonia, die wegen Bastians Behinderung oft zu kurz kommt, hat den gutmütigen und gelehrigen Hund in ihr Herz geschlossen und sagt: „Seitdem Sammy da ist, hat sich mein ganzes Leben verändert, weil jetzt immer auch jemand für mich da ist.“

So herrscht derzeit in der Tittinger Familie eine große Hoffnung vor, dass sich ihr Leben durch Sammy zum Besseren wendet. Nur ein Wermutstropfen bleibt: Die Kosten für Sammys Ausbildung , die sich auf mindestens 6000 Euro belaufen werden, bezahlt keine Krankenkasse. „Das ist sehr schade“, findet Nicoletta Reina, die generell nicht versteht, dass Assistenzhunde generell in der Gesundheitspolitik noch zu wenig berücksichtigt werden. Wer möchte, könne deshalb Familie Heckl gerne mit einer Spende unterstützen.

Spendenkonto DE10 7215 0000 0053 8812 31, Sparkasse EI-IN, „Spende für Sammy“.

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