Samstag, 07.12.2019

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Wo man sich in Altmühlfranken überall trauen kann

Städte und Gemeinden halten unterschiedlichste Orte vor - 09.03.2019 06:00 Uhr

Schicker Rahmen: Die Stadt Treuchtlingen macht es Heiratswilligen besonders leicht, den geeigneten Ort für die Trauung zu finden. Dort sind gleich neun Plätze gewidmet. Das Erkerzimmer im Stadtschloss ist einer davon. Aber es gibt auch die Möglichkeit, auf der Burg oder im Kurpark unter freiem Himmel zu heiraten. Weißenburg beschränkt sich hingegen auf das Trauzimmer im Rathaus. © Stadt Treuchtlingen


So wie bei einer Weißenburgerin, die ihren langjährigen Lebensgefährten ehelichen wollte. Sie fragte beim Weißenburger Standesamt an und erfuhr: Es gibt ausschließlich das Trauzimmer im Rathaus für Eheschließungen. Zwar ein repräsentativer und auch nicht kleiner Raum. Doch bei mehr als 30 Gästen wird es knapp. Das Problem: Die Braut spielt in einem Or­chester und ihre Kollegen wollten die Feier mit einem Ständchen bereichern. Dafür war zu wenig Platz.

In den Innenhof des Weißenburger  Rathauses, den die Stadt als Alternative für die musikalischen Beiträge anbot, wollten die Musiker hingegen nicht ausweichen. Im Oktober kann die Witterung den Instrumenten schon sehr zusetzen. „Im Innenhof des Rathauses haben wir schon alles Mögliche gehabt: Musik, Luftballons und sogar Tauben, die man in den Himmel geschickt hat“, hielt Oberbürgermeister Jürgen Schröppel auf Anfrage unserer Zeitung den Bedenken der Musiker entgegen.

Einen größeren Raum für Hochzeiten gibt es in Weißenburg aber nicht. Das Paar wird nun in Treuchtlingen heiraten. Bei der Wahl des Standesamtes hat man als Bürger die freie Wahl. Doch kann eine Trauung in Deutschland nicht einfach irgendwo vollzogen werden. Der Raum muss gewidmet sein. Deshalb war ein kurz­fristiges Ausweichen in den Weißenburger Söller im geschilderten Fall auch keine Alternative.

Eigentlich einfach

Wobei das Widmen selbst ein unkomplizierter Akt ist. Ein Beschluss von Stadt- oder Gemeinderat, eine Prüfung des Landratsamtes. Das war es. Die Vorschriften sind seit ein paar Jahren lockerer geworden. Inzwischen sind sogar Trauungen unter freiem Himmel möglich. Vorausgesetzt der Platz ist entsprechend gewidmet.

OB Schröppel sieht keine Notwendigkeit für weitere gewidmete Räume in Weißenburg. „In den bislang fast elf Jahren Amtszeit hatten wir nur diese eine Anfrage für einen größeren Raum. Und unser Trauzimmer ist ja nun auch keine Besenkammer.“

In der Nachbarstadt Treuchtlingen sieht man das wesentlich lockerer. Neun gewidmete Räume und Plätze gibt es dort – in den unterschiedlichs­ten Größen und Ausrichtungen. Im Rathaus, im Stadtschloss, im Kulturzentrum Forsthaus, auf der Burg, im Kurpark. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Von der kleinen Feier mit maximal 25 Gästen bis zum großen Event mit 120 Besuchern. „Das ist keine große Sache, wenn ich einen gewidmeten Raum habe“, sagt Gabriele Dreger. Sie muss zu dem Termin auch nur die vorbereiteten Papiere und ihre Rede mitnehmen.

Treuchtlingen propagiert das Angebot auch ganz offensiv auf der Internetseite der Stadt. Das fruchtet offenbar. Denn mit rund 100 Eheschließungen im Jahr liegt die deutlich kleinere Stadt gleichauf mit Weißenburg.

Das Treuchtlinger Standesamt betreut auch die Gemeinde Solnhofen. Bürgermeister Manfred Schneider lobt die gute und unkomplizierte Zusammenarbeit. Die Trauzeremonie hält in der Regel der Bürgermeister ab. „Das will man ja auch. Schließlich kenne ich viele von Kindesbeinen an.“ Bislang finden Trauungen dort im gewidmeten Sitzungssaal mit Platz für gut 50 sitzende Gäste statt. Doch es gibt Überlegungen, noch einen Platz im Freien dafür auszuweisen. Auch hier zeigte sich das Standesamt in Treuchtlingen sehr entspannt.

Die Burg als Kulisse

Hochzeitswerbung findet man auch auf der Internetseite der Stadt Pappenheim. Neben dem historischen Rathaussaal mit Platz für etwa 30 Personen gibt es noch die Möglichkeit, in einem Zimmer auf der Burg zu heiraten (maximal 25 Personen). Außerdem betreut das Pappenheimer Standesamt auch die Gemeinde Langenaltheim mit. Auch dort sind Trauungen möglich, aber nur im kleinen Rahmen, denn das Zimmer ist dort nicht allzu geräumig.

Das Pleinfelder Standesamt kann neben dem eigentlichen Trauzimmer (gut 20 Personen) noch den Sitzungssaal (50 Personen) anbieten. Außerdem sind über die Gemeinde Pleinfeld auch Hochzeitstermine auf der MS Brombachsee buchbar. Das wird aber nicht allzu oft gemacht, ist von der Verwaltung zu erfahren.

In Ellingen sind Hochzeiten nur im historischen Trauzimmer im Rathaus (40 Personen) möglich. Zwar gibt es gelegentlich Anfragen wegen einer Trauung im Schloss, aber das gehört dem Freistaat Bayern und damit sind der Stadt die Hände gebunden. Im­merhin: Die Schlosskirche lässt sich für Hochzeiten über die Bayerische Schlösserverwaltung in Ansbach buchen.

Das Standesamt der Verwaltungsgemeinschaft Nennslingen kann auf vier gewidmete Orte zugreifen. Die Räume im Schloss Geyern sowie in den Mehrzweckhallen in Raitenbuch und Burgsalach bieten jeweils Platz für 20 bis 25 Menschen. Der Sitzungssaal im Nennslinger Rathaus ist spürbar größer (knapp 50 Personen). Dort hat sogar schon eine Eheschließung mit mehr als 100 Gästen stattgefunden. Dann mussten aber außer dem Brautpaar fast alle stehen.

Bescheidener macht es die Verwaltungsgemeinschaft Altmühltal, zu der die Gemeinde Alesheim gehört. Es gibt nur ein Trauzimmer in der VG in Meinheim. Das ist schön und bietet Platz für knapp 30 Gäste.

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Mancher Standesbeamte hat durchaus Freude daran, dass seine Rolle bei der Hochzeit in den vergangenen Jahren mehr Gewicht bekommen hat. Er arbeitet dann gerne Reden mit einer persönlichen Komponente aus und hat in der Regel auch kein Problem, dass immer mehr Paare den Samstag als Trauungstermin wählen. Andere hadern mit der Rolle als Zeremonienmeister hingegen. „Es ist doch nur ein Verwaltungsakt“, sagte ein Mitarbeiter gegenüber unserer Zeitung. „Das sollte man nicht zu hoch hängen.“

Robert Maurer

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