Samstag, 14.12.2019

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Zoff in Weißenburg um Disco-Neubau "Soho"

Zweiter Bewerber fühlt sich übergangen - "Das ist ein Saustall" - 03.12.2013 07:54 Uhr

Viele können es gar nicht mehr erwarten: Auf Facebook überschlugen sich die positiven Kommentare für den geplanten Disco-Neubau einige Hundert Meter in südlicher Richtung der Fabrik Bender im Gewerbegebiet West I. Kritik übte allerdings Peter Schneider an der Kommunikationspolitik des OB. Der frühere „Salinas“-Betreiber hatte eigene Pläne für einen Neubau.


  Die Begeisterung über einen in Weißenburg geplanten Disco-Neubau ist gigantisch. In den sozialen Medien konnten sich die Initiatoren des "Soho" vor Zuspruch kaum retten. Binnen zwei Tagen hatten rund 2500 Menschen die Facebook-Seite der neuen Disco mit "Gefällt mir" markiert. Weniger begeistert ist der frühere "Salinas"-Betreiber Peter Schneider. Er beschwerte sich über mangelnde Kommunikation des OB. Auch er hatte Pläne für einen Disco-Neubau.

Peter Schneider, Gastronom aus Weißenburg, gab per Facebook bekannt, dass auch er bereits in Absprache mit Oberbürgermeister Jürgen Schröppel Pläne für eine Diskothek auf einem Grundstück in der Dettenheimer Straße hatte. „Oder machen wir zwei Discos? Why not …“, postete er als Reaktion auf die Berichterstattung über die „Soho“-Pläne.

Im Gespräch mit unserer Zeitung zeigte er sich defensiver, was seine Disco-Planung betrifft. „Vielleicht mach’ ich eine Halle, aber da ist mir im Moment ein bisschen der Wind aus den Segeln genommen.“ Schneider, der den Club „Salinas“ auf der Ludwigshöhe betrieben hatte, zeigte sich verärgert vom Verhalten der Stadt. Der OB habe ihm ein Grundstück in der Dettenheimer Straße für einen Disco-Neubau angeboten. Das sei allerdings mit einem Denkmal „belastet“, so Schneider. Die Gespräche mit dem Stadtbauamt und dem Landesamt für Denkmalpflege seien dementsprechend zäh gelaufen.

„Wenn ich nun höre, dass ein anderer ein Grundstück im Industriegebiet West bekommt, dann ist das ein Saustall“, ärgerte sich Schneider gegenüber unserer Zeitung. Ihm sei vom Oberbürgermeister gesagt worden, dass dort eine Diskothek nicht erwünscht sei. Als das Stadtbauamt ihm vergangene Woche mitgeteilt habe, dass auch Peter Berschneider und Tobias Weißhaupt Pläne für eine Diskothek hätten, habe er seinen Architekten gebeten, einen allgemeinen Plan für beide Standorte zu entwerfen. „Dann habe ich aus der Zeitung erfahren, dass alles schon unter Dach und Fach ist.“


„Ich pflege über nicht öffentliche Verhandlungen öffentlich nicht zu reden“, sagte der Oberbürgermeister auf Anfrage unserer Zeitung. Die Vorwürfe Schneiders wolle er allerdings nicht stehen lassen. „Ich führe seit Juni Gespräche mit Herrn Schneider und habe sogar verschiedene Objekte mit ihm besichtigt, um zu sehen, ob seine Pläne dort umsetzbar sind“, so der OB. Schneider habe „von seinem Vorgehen her aber sehr wechselhaft agiert“.


Schröppel wundert sich


Neben verschiedenen Bestandslösungen war von Anfang an von einer Leichtbauhalle auf dem Grundstück in der Dettenheimer Straße die Rede. Dorthin hätte eine solche Halle, die ohne Bodeneingriff auskommt, auch wegen der römischen Villa Rustica im Boden gut gepasst, findet Schröppel. Bis heute lägen der Stadt aber weder Pläne noch eine Ansicht dieser Halle vor. Er habe gegenüber Schneider nie gesagt, dass im Industriegebiet West eine Disco nicht erwünscht sei. Der OB bestätigte, dass er parallel zu den Gesprächen mit Schneider mit den beiden „Soho“-Betreibern verhandelt habe. „Es wäre fahrlässig, wenn ich das nicht getan hätte, wenn ich nicht sicher bin, ob aus der anderen Sache was wird“, sagte Schröppel.

Zudem wunderte sich Oberbürgermeister Schröppel darüber, dass Schneider vom „Soho“ überrascht wurde. „Nach meinen Informationen war Herr Schneider von den Plänen von Herrn Berschneider informiert.“


„Das ist kein Spiel mit offenen Karten“, warf Schneider, der in Weißenburg auch das Café Lorenz betreibt, seinerseits dem Oberbürgermeister vor. Schneider steht als parteiloser Kandidat auf der Stadtratsliste der Weißenburger CSU und hatte bezüglich der Schließung des „Salinas“ wiederholt Auseinandersetzungen mit der Stadt. Die hatte wegen mangelnder Brandschutzauflagen einen Weiterbetrieb des erfolgreich laufenden Clubs an teure Umbaumaßnahmen gekoppelt. Vor dem Verwaltungsgericht scheiterte Schneider mit einer Klage gegen die Stadt.


Gigantische Resonanz


Er habe kein persönliches Problem mit dem OB, aber die Kommunikation sei nicht in Ordnung, sagte Schneider unserer Zeitung. „Ich bin nicht gegen Schröppel, er darf von mir auch gerne wieder Oberbürgermeister werden, ich reagiere hier nur.“ Sein Ärger richte sich auch nicht gegen die beiden „Soho“-Betreiber, betonte Schneider.  „Peter Berschneider und Co. wünsche ich viel Erfolg und gute Nerven. ... Rock on!“, richtete er per Facebook aus. Ob er seine eigenen Pläne weiterverfolgt, will er die kommenden Wochen entscheiden.
Tobias Weißhaupt, der Geschäftsführer des „Soho“ werden soll, wollte sich zu dem Disput nicht weiter äußern. „Wir wollen nicht, dass der positive Hype, den das ‘Soho’ jetzt hat, von dem Disput zwischen dem OB und Peter Schneider überlagert wird.“ Ihm und Peter Berschneider ginge es vor allem darum, „für die Jugend und die Stadt was Vernünftiges auf die Beine zu stellen“. In diesem Zusammenhang bedankte er sich bei der Stadt und dem Oberbürgermeister. Sie seien froh über die Unterstützung und die „gute Zusammenarbeit“.


Dass das Interesse der Jugendlichen und jungen Erwachsenen an einer Disco groß ist, zeigte sich in den sozialen Medien eindrucksvoll. Gestern Nachmittag hatten 2500 Nutzer die Facebook-Seite des Clubs „geliked“. Die würden die neue Disco alleine viermal voll machen. Zum Vergleich: Das Weißenburger Bergwaldtheater hat gerade knapp 300 Fans, die Stadt Gunzenhausen rund 1200 und die Stadt Weißenburg 2200.


Weißhaupt zeigte sich von der Resonanz begeistert. „Das ist super, muss ich wirklich sagen. Uns haben viele angeschrieben, die gesagt haben: ‘Es ist toll, dass sich was tut.’“ Sogar die ersten Bewerbungen für die Stellen als Bedienungen gingen bereits ein. Die Vorfreude auf die Disco, die im Herbst 2014 eröffnen soll, ist offenbar groß.

Jan Stephan

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