Erste Prognosen zum Fest

Weiße Weihnachten in Bayern? Experten geben Winter-Prognose ab

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Johanna Mielich

Online-Redaktion

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24.11.2022, 13:53 Uhr
Der Klimawandel schmälert in vielen Regionen Deutschlands die Aussicht auf weiße Weihnachten. 

© Karl-Josef Hildenbrand/dpa Der Klimawandel schmälert in vielen Regionen Deutschlands die Aussicht auf weiße Weihnachten. 

Verschneite Wälder, Frost und zugefrorene Seen: Weiße Weihnachten lassen nicht nur viele Kinderherzen höher schlagen. Vielleicht haben die ersten Flocken, die an diesem Wochenende auf Franken hinabrieselten, schon die ersten Wünsche auf Schnee zum Fest aufkeimen lassen. Doch in wie weit lassen sich bereits jetzt solche Aussagen treffen?

Klar ist: Eine fundierte Prognose, ob es weiße Weihnachten in Bayern gibt, bleibt bis wenige Tage vor den Festtagen schwierig. Allerdings gibt es spezielle Modelle, die versuchen das Wetter auf mehrere Wochen vorherzusagen.

So hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) etwa anhand von saisonalen Klimavorhersagen den Temperaturtrend in Deutschland für den Zeitraum der drei Wintermonate Dezember 2022 bis Februar 2023 ausgewertet. Der kommende Winter könnte demnach, sollten die Modellrechnungen des DWD eintreten, eine Mitteltemperatur von mindestens 2 Grad Celsius erreichen und damit zu den 33 Prozent der mildesten Winter der Referenzperiode 1991 - 2020 gehören. Sprich: Die Wintermonate könnten recht warm werden.

Auch Modelle anderer nationaler Wetterdienste wie des britischen Met Office oder von Meteo France gehen von einem etwas zu milden Winter in Deutschland aus. Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt des nationalen Wetterdienstes hält diese Prognose für eine gute Nachricht. "Sollte das Modell recht behalten, können wir dadurch Heizenergie einsparen", so Fuchs.

Grüne statt weiße Weihnachten in Bayern?

Diplom-Meteorologe Dominik Jung blickt einer weißen Weihnacht ebenso eher skeptisch entgegen: "Auch wenn eine exakte Prognose natürlich nicht zu stellen ist, bei der derzeitigen Wetterlage und bei Betrachtung der Langzeitwettermodelle tippe ich eher auf grüne, statt auf weiße Weihnachten. Es ist schlichtweg zu mild. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch zum Fest einen Kälteeinbruch geben kann und es davor und danach deutlich milder ist. Die Chancen dafür sind aber sehr, sehr gering", erklärt der Meteorologe gegenüber der Bild-Zeitung.

Eine seriöse Vorhersage, ob es an Weihnachten schneit oder nicht, lässt sich an den Modellen aber nicht ableiten. Doch zumindest statistisch gesehen, werden die Chancen für weiße Weihnacht in den meisten Regionen Deutschlands immer geringer. "Der Klimawandel vertreibt die romantischen Weißen Weihnachten Schritt für Schritt aus Deutschland", so Uwe Kirsche, Sprecher des DWD, zu einer neuen Auswertung des nationalen Wetterdienstes.

Weiße Weihnachten - Mythos oder die Regel?

"Früher war es im Winter kälter und an Weihnachten lag fast immer Schnee!" - Dieses Narrativ geht rund um die Feiertage häufig um, doch was ist da eigentlich dran? "Weiße Weihnachten sind schlicht ein idyllisches Idealbild. Ein weißes Fest war in Deutschland schon immer die Ausnahme. In der Regel war und ist es bei uns eher grün-grau", betont Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe bei WetterOnline. Ursache dafür sei das sogenannte "Weihnachtstauwetter", das oft für mildes Regenwetter an den Feiertagen sorgt.

Wetterphänomen verhindert weiße Pracht

"Das Weihnachtstauwetter gehört zu den bedeutendsten Witterungsregelfällen", erklärt Goldhausen weiter. Mit bis zu 60 Prozent Eintreffwahrscheinlichkeit tritt es bemerkenswert häufig nach dem 20. Dezember auf - und das meist zwischen dem 24. und 29. Dezember. Bis in die Hochlagen der Mittelgebirge taut dann der Schnee. Rein statistisch betrachtet lägen die Chancen auf Weiße Weihnacht in den meisten Regionen lediglich zwischen 10 und 30 Prozent.

"Die oft gehörte Behauptung, dass die Winter früher immer viel kälter als heute waren, ist falsch und richtig", konstatiert der Meteorologe. Auch zu Großmutters Zeiten gab es milde und fast schneelose Winter. Die Tage voll mit Eis und Schnee, würden uns nur viel eindrücklicher in Erinnerung bleiben als milde Winter, konstatiert der Experte. Aber es sei auch richtig, dass es seit den 1990er Jahren weniger Schnee und Eis gibt als zuvor. "Dieser Trend wird sich aufgrund des Klimawandels wohl auch in den nächsten Jahrzehnten fortsetzen“, erklärt Goldhausen. Trotzdem sei aber auch in diesem Jahr noch alles möglich – sogar Flocken zu Weihnachten.