Karneval ohne Corona: So feierte Treuchtlingen früher Fasching

15.2.2021, 06:04 Uhr
Militärisch: Aufzug der KGT-Garde im Jahr 1957.

Militärisch: Aufzug der KGT-Garde im Jahr 1957. © TK-Archiv

Nachdem es bereits nach dem Ersten Weltkrieg eine lose Gruppe närrischer Treuchtlinger gab, heben 15 Initiatoren unter der Regie von Rudi Jakob, Eugen Leidel, Toni Krejci, Michael Benker und Georg Groher 1951 die Karnevalsgesellschaft Treuchtlingen (KGT) aus der Taufe – nicht "Faschingsgesellschaft" wohl deshalb, weil in der Stadt so viele Zugezogene leben. Erstes Prinzenpaar sind Erika Lautner und Josef Seyfart.

Schon 1954 ist die KGT beim Nürnberger Faschingszug dabei. 1955 schickt die Bahn erstmals ihren "Sambazug" nach Treuchtlingen und in den 1960ern auch nach Pappenheim und Solnhofen. Der erste Faschingsorden entsteht ebenfalls 1954 per handkoloriertem Siebdruck – heute zu sehen im Museum. Den Entwurf und viele weitere erstellt Rudi Jakob.

In den 1950ern und 1970ern gibt es zeitweise bis zu 25 Faschingsveranstaltungen, darunter drei bis vier Prunksitzungen sowie Dämmerung, Inthronisation, Ordensfest, zwei Kinderbälle, Rosenmontagsball, Stadtball, Fischerball, ESV-Ball, Gesangs- und Gewerbevereinsball, ADAC-Ball, Ball des Sambazugs, Ball des Altenclubs, Bahnerer-Fasching, Weiberfasching, und Ball der Landsmannschaft. Hinzu kommt ein gutes Dutzend Kappenabende in den Gaststätten. Höhepunkt ist viele Jahre lang der große Faschingszug, bevor sich die Narren mit Kehraus und Geldbeutelwaschen verabschieden.

Auch andere Krisen überstanden

In die Krise rutscht die KGT Ende der 1960er. Kurz vor dem Aus findet sich Theo Messingschlager als neuer Vorsitzender – was er 20 Jahre lang bleibt. Als Dauer-Präsidenten amtieren Rudi Aurnhammer von 1965 bis 1981 und Waldemar Müller von 1981 bis 2005. Im "Rekordfasching" 1970 entsteht eine Freundschaft mit der Nürnberger Luftflotte, seither nehmen Treuchtlingens Prinzenpaare jährlich am "Prinzenflug" teil.

Die Tanzmariechen haben Mitte der 1980er ihre Sternstunden: Mit Sonja Natter (heute Avgoustis) und René Kirsch wird das erste Treuchtlinger Tanzpaar 1985 direkt fränkischer Meister, Tanzmariechen Michaela Grube wird Vizemeisterin. 1986 holt Kerstin Zischler den Vizemeistertitel im Paartanz und ein Jahr später den mittelfränkischen Meistertitel. Um die Jahrtausendwende schlafen indes die Vereinsbälle zunehmend ein. Die guten Beziehungen zur Tageszeitung pflegt bei den Prunksitzungen der damalige TK-Redakteur Sieghard Hedwig als "Mauler aus dem Hessenland".

Heuer fehlt nun etwas im Treuchtlinger Kalender. Alle Faschingsbälle sind abgesagt. Nur ein Video haben die Gardemädchen aufgenommen, in dem sie einsam an verschiedenen Orten in der Stadt tanzen. Auch das gibt es jedoch aus rechtlichen Gründen nur intern zu sehen. Wie es weitergeht? Ungewiss – aber mit Optimismus und vor allem einem dreifachen "Treuchtlingen Aha!".

Die gesamte Historie der KGT ist im Internet unter kg-treuchtlingen.de zu finden.

Keine Kommentare