Sleeperoo: Treuchtlingens Bergfried wird zu exklusivem Schlafplatz

2.2.2021, 06:00 Uhr
Auf dem Plateau des Bergfrieds (links im Bild) kann man künftig unter dem Sternenhimmel übernachten. 

Auf dem Plateau des Bergfrieds (links im Bild) kann man künftig unter dem Sternenhimmel übernachten. 

Der "Cube" (dt. Würfel) der Firma Sleeperoo dürfte dem ein oder anderen aus dem Format "Die Höhle der Löwen" des Fernsehsenders "Vox" bekannt sein. 2018 ergatterte das Start-up aus Hamburg eine beachtliche finanzielle Unterstützung in der Sendung, auf besonderes Interesse stieß das innovative Übernachtungsmodell damals bei der Nürnberger Unternehmerin Dagmar Wöhrl.

Das Konzept: An spektakulären Orten in ganz Deutschland kann man zu Preisen, für die man auch ein schönes Hotelzimmer bekommt, unter freiem Himmel und inmitten einer schönen Umgebung nächtigen. Dabei lockt zumeist das Abenteuer, ein besonderer Ort oder die tolle Aussicht. Sleeperoo wirbt damit, dass man ein besonderes Erlebnis in schöner Kulisse und in kompletter Isoliertheit bekommt. Damit das möglich ist, mussten allerdings sowohl die Stadtverwaltung als auch der Burgverein Kompromisse eingehen.

Probeweise soll der "Schlafwürfel" zunächst von April bis Mitte Oktober hoch oben auf dem Dach des Bergfrieds der Treuchtlinger Burgruine buchbar sein. Für eine Übernachtung zahlen die Gäste dann 135 Euro, wobei 20 Euro davon bei der Stadt verbleiben. Hinzu kommen zehn Prozent Provision (13,50 Euro pro Übernachtung), wenn jemand über die Internetseite tourismus-treuchtlingen.de bucht, sowie in jedem Fall die Kurtaxe von aktuell 50 Cent pro erwachsenem Übernachtungsgast.

In der jüngsten Sitzung des Werk- und Bäderausschusses zeigte die Leiterin der Kur- und Tourismusinformation, Stefanie Grucza, die Eckdaten des Übernachtungskonzepts auf und warb um die Zustimmung der Ratsmitglieder - die sie auch erhielt. Sie regte an, die kommenden sechs Monate vor allem als Testphase zu begreifen, bei der man wohl hauptsächlich in der Außenwahrnehmung profitiere.

Bei dem Cube handelt es sich um ein würfelartiges Konstrukt auf zwölf Quadratmetern inklusive Stauraum, das wetterfest ist. Panoramafenster ermöglichen die Sicht auf den Sternenhimmel und in die Umgebung.

Bei dem Cube handelt es sich um ein würfelartiges Konstrukt auf zwölf Quadratmetern inklusive Stauraum, das wetterfest ist. Panoramafenster ermöglichen die Sicht auf den Sternenhimmel und in die Umgebung. © Foto: Sleeperoo

Vorzüge wären beispielsweise, dass das Start-up das Marketing komplett selbst übernimmt und auch den Auf- und Abbau des Cubes. Anstelle selbst viel Geld investieren zu müssen, profitiere man nun von der Logistik von Sleeperoo – und könne bei dem aktuellen Trend zur möglichst außergewöhnlichen Übernachtung mithalten. Im Gegenzug übernimmt die Kur- und Touristinformation das Ein- und Auschecken der Gäste und organisiert die Reinigung des Cubes nach jeder Übernachtung.


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"Rein rechnerisch werden wir damit wohl wenig verdienen", gab die Tourismuschefin zu. Trotz dieses Eingeständnisses sprachen sich in den anschließenden Wortmeldungen allerdings sämtliche Ausschussmitglieder für das Übernachtungskonzept aus. "Wenn die Treuchtlinger Burg in einem Zug mit Erlebnissen wie ,mit Hund am Strand‘ und ,direkt auf der Pferdekoppel‘‘ genannt wird, ist das eine großartige Gelegenheit", formulierte beispielsweise Peter Löw (CSU).


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In den vergangenen Wochen hat Grucza mit Sleeperoo über den perfekten Standort für den Schlafwürfel auf dem Burgareal verhandelt und anschließend im Burgverein für Zustimmung geworben. Seine Mitglieder hatten zunächst Vorbehalte, weil man den Cube beim Blick von unten auf den Bergfried sehen wird. Letztlich gaben sie dann doch einhellig ihre Zustimmung zu dem Projekt, wobei einige Details ausgehandelt wurden, die dafür sorgen sollen, dass auch die übrigen Touristen und die Treuchtlinger nicht in ihrem eigenen Erleben der Burg zu stark beeinträchtigt werden. Demnach wurden vier Termine geblockt, an denen der Cube komplett abgebaut wird. Darunter fällt zum Beispiel das Historische Burgfest vom 19. bis 21. Juni - so es denn stattfindet.

Die Veste bleibt zugänglich

Im Regelbetrieb stelle das Sleeperoo-Projekt hingegen keinerlei Einschränkung dar, betonte Grucza. Die Burganlage bleibt weiterhin für alle jederzeit zugänglich, zumal die Übernachtungsgäste in der Regel erst gegen 17 Uhr anreisen. Nur in den Abendstunden und im Rahmen des Check-Ins wird der Bergfried an die Übernachtungsgäste sozusagen "exklusiv übergeben". Was den Ablauf anbelangt, so werden der Check-in und der Check-out in der Kur- und Touristinformation erfolgen: Die Urlauber erhalten dort eine Art Snack-Box mit Getränken und Naschereien sowie die Schlüssel zu ihrem Cube.

Eine Toilettenanlage finden die Gäste bei ihrem Aufenthalt in der Burgstube, die knapp 100 Meter entfernt ist. In der Ausschusssitzung entspann sich darüber eine Diskussion, bei der mehrere Mitglieder anzweifelten, dass die Besucher einen solch langen Weg auf sich nehmen würden. Stefanie Grucza erklärte jedoch, dass man laut Sleeperoo bislang an kaum einem Standort schlechte Erfahrungen mit den Toiletten gemacht habe.

Das hänge vermutlich auch mit dem eher hochpreisigen Angebot zusammen, dass eine entsprechende Kientel anzieht. Sollte man am Standort Treuchtlingen aber feststellen, dass die Übernachtungsgäste doch "wildpinkeln", gibt es laut Grucza die Möglichkeit, eine Campingtoilette "in schönerer Optik" auf dem Bergfried einzurichten.

"Exklusiv" ist in Pandemie-Zeiten gefragt

In den kommenden Wochen wird die Tourismuschefin nun die Gespräche und Planungen mit Sleeperoo finalisieren, damit eine Übernachtung über den Mauern der Oberen Veste pünktlich ab 1. April möglich ist. Wie gut die neuartige Übernachtungsmöglichkeit in den darauffolgenden Monaten angenommen wird, wird wohl auch von den Reisebeschränkungen und Corona-Infektionszahlen abhängen.

Generell sei diese "exklusive Art der Übernachtung" in Zeiten der Pandemie aber sehr reizvoll, befand Grucza. Sollte sich das Projekt für die Stadt bis zum Ende der Vertragslaufzeit am 14. Oktober als Draufzahlgeschäft oder eine zu große Einschränkung für den Burgverein herausstellen, dann wird der Vertrag nicht verlängert.

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