Weiter unbeirrt "Freund statt fremd"

3.7.2018, 19:46 Uhr
Geflüchtete aus dem Irak, Äthiopien, Syrien und Aserbaidschan beim gemeinsamen Kochen in der Geschäftsstelle des Vereins.

Geflüchtete aus dem Irak, Äthiopien, Syrien und Aserbaidschan beim gemeinsamen Kochen in der Geschäftsstelle des Vereins. © Foto: Philipp Demling

Eine Eritreerin soll nach Italien zurückgeschickt werden – denn dort strandete sie nach der lebensgefährlichen Flucht über das Mittelmeer. Mit Verweis auf die Dublin-III-Verordnung soll die Frau in dem südeuropäischen Land einen Asylantrag stellen. Die etwa 20-Jährige lebt jetzt in ständiger Angst: In Italien leben viele Geflüchtete auf der Straße, was gerade für alleinstehende Frauen extrem gefährlich ist – ganz zu schweigen von dem, was ihr droht, falls sie in die Militärdiktatur Eritrea zurück müsste.

Mit solchen Fällen haben die Mitglieder des 2015 gegründeten Bamberger Vereins "Freund statt fremd" immer häufiger zu tun, denn nicht zuletzt die CSU will mehr Asylbewerber abschieben. Zudem befindet sich in Bamberg mit der "Aufnahmeeinrichtung Oberfranken" (AEO) ein Lager mit über 1000 Bewohnern, die bald in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden sollen. "Und die Plätze im Kirchenasyl sind auch weitgehend voll", sagt Renate von Rotenhan, Leiterin der Geschäftsstelle von "Freund statt fremd". Der Verein kann Abschiebungen nicht verhindern, aber die ehrenamtlichen Mitglieder spenden Geflüchteten Trost und Ansprache, vermitteln Anwälte, helfen bei Behördengängen, Arztbesuchen oder Schulanmeldungen und verteilen Sachspenden wie Fahrräder oder Kleidung.

Konflikte unvermeidbar

"Freund statt fremd" bezieht auch Stellung gegen die geplante Errichtung von "Ankerzentren", also großen Lagern für Asylbewerber. "Das ist alter Wein in neuen Schläuchen", sagt Martin Jansen von der Arbeitsgruppe Politik des Vereins. "In Bamberg haben wir schon seit 2015 Erfahrungen mit solchen Lagern."

Und zwar schlechte Erfahrungen, macht Jansen deutlich: Wenn so viele Menschen, die oft Schreckliches erlebt haben, auf engem Raum zusammenleben müssen, seien Konflikte und Kriminalität unvermeidbar. Eine Integration sei kaum möglich. "Die CSU will aber auch gar keine Integration von Geflüchteten", meint Jansen. "Wer gut integriert ist, den kann man nicht so leicht abschieben."

Deshalb bietet "Freund statt fremd" Deutschkurse für Menschen an, die ansonsten zum Nichtstun verdammt wären. "Die Kurse sind immer übervoll, unabhängig von der Bleibeperspektive der Teilnehmer", sagt Renate von Rotenhan. Auf dem Gelände der AEO betreibt der Verein ein Café, um Bekanntschaften zwischen Bewohnern der Einrichtung und Einheimischen zu ermöglichen.

Auch die Geschäftsstelle von "Freund statt fremd" in der Bamberger Luitpoldstraße ist in erster Linie ein interkulturelles Begegnungszentrum, in dem jeder willkommen ist. An den Wochenenden gibt es Bastelkurse für Kinder, Kleiderbasare, oder Asylbewerber kochen Gerichte aus ihren Heimatländern. Kürzlich lud der Verein zum muslimischen Zuckerfest und zu einem Deutsch-Arabischen Literaturabend.

Obwohl sich die Flüchtlingsdebatte deutlich verschärft hat, ist die Unterstützung für "Freund statt fremd" ungebrochen. Der Verein ist in Stadt und Landkreis Bamberg aktiv und hat heute rund 700 Mitglieder. Für ihr unbeirrtes Engagement werden die Flüchtlingshelfer nun mit dem Julius-Rumpf-Preis geehrt (siehe Infokasten).

ZDie Verleihung des Julius-Rumpf-Preises an den Verein "Freund statt fremd" ist am Sonntag, 8, Juli, um 15 Uhr im Innenhof des Schlosses Geyerswörth in Bamberg. Die Laudatio hält Andreas Lipsch, Vorsitzender des bundesweit aktiven Vereins Pro Asyl.

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