Samstag, 07.12.2019

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Wurde "Jacko" gegen den Willen seines Halters eingeschläfert?

Veterinäramt beharrt darauf, das Herrchen wäre einverstanden gewesen - 07.11.2019 15:17 Uhr

Jacko in jüngeren Jahren, als es ihm noch gut ging. © privat


Rückblick: Jacko war lange Jahre der tierische Begleiter der betagten Mutter von Norbert Rieß. Als sie ins Altenheim musste, wurde das Tier unter der Woche von einem Bekannten ihres Sohnes in Schwarzenbruck beaufsichtigt, am Wochenende betreute es Rieß, der in Fürth lebt, selbst. Der alte Vierbeiner war zuletzt komplett taub und fast blind, erfreute sich aber noch seines Lebens, glaubt Rieß. "Hätte er gelitten, hätte ich ihn selbstverständlich einschläfern lassen", betont er. Dass Jacko teils inkontinent und mit seinen 17 Jahren "nicht mehr der Schönste" war, gibt Rieß unumwunden zu. Aber als langjähriges Familienmitglied sollte er sein Gnadenbrot erhalten, solange er nicht leiden musste.

Als der Jack-Russel-Mischling vor zwei Wochen durch die Gartentür seines Betreuers in Schwarzenbruck entwischte und auf Erkundungstour ging, fand ihn ein kleiner Junge, der ihn mit zu sich nach Hause nahm. Dort fütterte er den Hund mit einer Leberkässemmel, die ihm offensichtlich mundete. Anschließend wandte sich die Familie an das Tierheim. Dessen Mitarbeiter holten den Hund schließlich zu sich und schalteten die Amtstierärztin Dr. Elke Spengler-Wieber vom Landratsamt Lauf ein. Aus deren Sicht war Jacko allerdings in sehr schlechter Verfassung und litt durchaus. Der Hund sei in einem "erbärmlichen gesundheitlichen Zustand" gewesen. Neben seinen Altersbegleiterscheinungen habe er unter anderem an einem Tumor im Analbereich gelitten, der nicht operiert werden konnte, so dass er eingeschläfert werden sollte, wie Rieß in einem Gespräch mit der Veterinärin erfuhr.

Aussage gegen Aussage

Ab hier gehen die Aussagen nun deutlich auseinander. Rieß gibt an, dass er keineswegs der Tötung seines Hundes zugestimmt habe, während Dr. Spengler-Wieber behauptet, er habe sich in diesem Telefongespräch mit der Euthanasie einverstanden erklärt. Ferner sagt der Halter, die behandelnde Tierärztin in Wendelstein, die Jacko kannte, hätte nie davon gesprochen, dass der Hund leide, sondern nur darauf hingewiesen, dass man ihn von seinen Altersbeschwernissen erlösen könne, wenn es dem Besitzer zu viel werde. Die Amtstierärztin, die die betreuende Tierärztin Dr. Sabine Duschner aus Wendelstein hinzugezogen hatte, erklärt jedoch, die hätte ebenfalls den Hund einschläfern wollen.

Das ist Jacko am Tag, bevor er eingeschläfert wurde. Nach Ansicht seines Herrchens wirkte auch da der Hund noch keineswegs schwer leidend. © privat


Nach der ersten Untersuchung des Hundes im Tierheim vereinbarte Rieß mit Dr. Spengler-Wieber zunächst, dass sie ihn am folgenden Tag anrufen und über ihr geplantes weiteres Vorgehen unterrichten werde. Als sich der Schwarzenbrucker am nächsten Morgen im Tierheim nach Jacko erkundigte, wurde ihm keine Auskunft erteilt, und im Veterinäramt in Lauf erreichte er über längere Zeit niemanden, obwohl ihm zugesichert worden war, dass man ihn anrufen würde.

Schließlich erhielt er am späteren Nachmittag einen Anruf der Amtstierärztin, die ihm mitteilte, sie habe das Tier von Dr. Duschner einschläfern lassen. Die Tatsache, dass der Hund an einem inoperablen Tumor leide und Schmerzen erdulden müsse, sei die rechtliche Voraussetzung dafür, dass sie die Tötung anordnen und verantworten kann, teilt sie unserer Redaktion in einer Stellungnahme mit. Zudem wurde ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet, "weil der Hund über Monate hinweg ein langanhaltendes erhebliches Leiden durchmachen musste".

"Hat dem Einschläfern zugestimmt"

Auf den entsetzten Protest von Rieß und seinen Vorwurf, man habe ihn doch informieren wollen, hieß es nach seinen Angaben, Dr. Spengler-Wieber habe ihm gesagt, sie hätte keine Zeit dazu gehabt ihn zu informieren. Sie dagegen schildert, da sie ja ohnehin davon ausging, dass Rieß dem Einschläfern zugestimmt hat, sei er ja informiert gewesen. "Sollte es in der Kommunikation zu Missverständnissen gekommen sein (was sich nicht mehr abschließend klären lässt), so bedauern wir diese sehr", heißt es im Veterinäramt des Landratsamts.

Für Jackos Besitzer geht die Geschichte aber noch weiter. Er wollte wenigstens dafür sorgen, dass sein Hund bei ihm im Garten seine letzte Ruhestätte finden sollte, und musste nun erfahren, dass die sterblichen Überreste seines Tiers in der Pathologie des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit obduziert werden. Zudem erhielt er ziemlich prompt vom Landratsamt eine Rechnung über knapp 130 Euro. Verzweifelt hat sich das ehemalige Hundeherrchen nun an einen Anwalt gewandt, mit dem er sein weiteres Vorgehen absprechen will.

Gisa Spandler

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