Würzburger Landesgartenschau: Einst Armee, jetzt Blütenmeer

12.4.2018, 21:35 Uhr
Rund um das Ausstellungsgelände entstehen neue Wohnquartiere, einige Gebäude stehen aber auch  direkt auf dem Areal. Deren Bewohner haben nun einen exklusiven Blick auf das Geschehen.

Rund um das Ausstellungsgelände entstehen neue Wohnquartiere, einige Gebäude stehen aber auch direkt auf dem Areal. Deren Bewohner haben nun einen exklusiven Blick auf das Geschehen. © André Ammer

Ein wenig Überredungskunst von Heinz Gräf braucht es schon, bis er genügend Schaulustige als "Gummihunde" rekrutiert hat. So nennt man in Segelfliegerkreisen die Starthelfer, die in den Kindertagen dieses Sports mittels zweier langer flexibler Seile die Übungsgleiter in die Luft gezogen haben. Schließlich finden der Ehrenvorsitzende des Flugsport-Clubs Würzburg und Pilot Georg Kapraun doch genügend Freiwillige unter den Besuchern, die den 80 Jahre alten Schulgleiter in Schwung bringen.

Knapp 100 Meter weit gleitet Kapraun, stilecht mit Knickerbockern und Schiebermütze ausstaffiert, über den zentralen Bereich des Wiesenparks, auf dem schon Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche Würzburger Flugpioniere abgehoben hatten. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand dort der Kasernenkomplex Leighton Barracks der US-Army sowie das Wohngebiet Skyline Hill mit Schulen, Sportanlagen, Restaurants und dem größten US-Einkaufszentrum in Europa. An dieses vor fünf Jahren beendete Kapitel der Würzburger Stadtgeschichte erinnert nun der Wiesenpark, die zentrale Sichtachse des L-förmigen Schaugeländes.

Platz für 5000 Bewohner

An die einstige Startbahn, um die der Großteil des drei Kilometer langen Rundwegs führt, erinnern unter anderem vorwiegend mit orange und gelb blühenden Blumen bepflanzte Beete – eine Reminiszenz an die früheren Markierungen auf dem damaligen gigantischen Asphaltstreifen, der nun einer ebenso gigantischen Grünfläche gewichen ist.

Dieser Wiesengrund wird nach der Landesgartenschau das Herzstück eines Naherholungsgebietes für die Bewohner des neuen Stadtteils Hubland werden, der rings um das Schaugelände gerade in die Höhe wächst. Baugerüste und Baggerlärm auf der einen Seite des Zauns, bunte Blumen und Garten-Accessoires auf der anderen. Mehrere Wohnquartiere werden auf der Hochebene geschaffen, die rund 5000 Menschen Platz bieten, verzahnt wird diese Bebauung mit schon bestehenden Universitätsgebäuden.

Einige Wohnblocks, die direkt auf dem Gartenschau-Gelände stehen, wurden im Herbst vergangenen Jahres fertiggestellt, die Wohnungen darin sind bereits zum größten Teil verkauft oder vermietet. Die Bewohner haben nun einen exklusiven Blick auf weite Teile des Geländes, einige beobachten denn auch von ihren Balkonen aus die Show der örtlichen Segelflieger. Auf der anderen Seite des Wiesenparks bietet das sogenannte Aktivband sportlichen Besuchern unter anderem einen Streetsoccer-Platz und Basketballkörbe. Wer es ruhiger angehen lassen will, schwingt sich in eine der fest installierten Hängematten, die nach dem Abschluss der Schau ebenfalls erhalten bleiben.

Das Motto der Landesgartenschau heißt "Wo die Ideen wachsen", und Symbol der Veranstaltung ist ein orangefarbener Schmetterling, der zum einen für das bunte Blühen auf dem 28 Hektar großen Gelände steht. Zum anderen aber auch für die Metamorphose, den Wandel des Areals selbst, das vor seiner Zeit als US-Stützpunkt unter anderem Kartoffelacker und Kriegsgefangenenlager war.

Die Verwandlung von der unscheinbaren Raupe zum strahlend schönen Schmetterling ist allerdings noch nicht ganz abgeschlossen: "Das kalte Wetter hat uns um ein, zwei Wochen zurückgeworfen", räumt Carmen van Musscher, die Sprecherin der Landesgartenschau GmbH, ein. Bis es überall auf dem Gelände grünt und blüht, sind wohl noch einige sonnige und warme Tage nötig.

Große Krähenplage

Zudem hatten die Veranstalter in den vergangenen Wochen mit zahlreichen fliegenden Spielverderbern zu kämpfen. Ganze Schwärme von Krähen fielen immer wieder ein und pickten die gepflanzten Blumenzwiebeln aus der Erde. "Unsere Gärtner kamen gar nicht mehr hinterher mit dem Nachpflanzen", erzählt van Musscher. Doch obwohl an vielen Ecken noch die nackte Erde zu sehen ist, kalkuliert man für das kommende Wochenende bereits mit etwa 7000 zahlenden Blumen- und Gartenfans.

Insgesamt hofft die Stadt Würzburg auf mindestens eine Million Besucher. Die Planung und Entwicklung der Landesgartenschau hat insgesamt 31 Millionen Euro gekostet. Zuschüsse kamen auch von der Europäischen Union sowie dem Land Bayern. "Das ist gut angelegtes Geld", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU), als er die Schau gestern eröffnete.

Würzburg hält übrigens den Besucherrekord in der 38-jährigen Geschichte der bayerischen Landesgartenschauen. 1990 hatte die unterfränkische Kommune schon einmal ein derartiges Großprojekt gestemmt, das damals 2,5 Millionen Menschen anlockte. Auch damals zog die Stadt einen nachhaltigen Gewinn daraus. Am Fuß der Festung Marienberg entstand eine außergewöhnliche Parkanlage, die nun für jedermann zugänglich ist.

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