Donnerstag, 23.01.2020

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Boule-Aufstand in der Rosenau

Das Kugel-Spiel ist angeblich zu laut - 30.05.2011 07:00 Uhr

So sieht das Boule-Verbot in der Rosenau aus. Beim Boule werfen die Teilnehmer ihre Kugel, um möglichst nahe an eine Zielkugel zu gelangen. © Harald Sippel


„Halb-Professionelle Spieler haben fast dauerhaft gespielt und über die Lärmbelästigung beschwerten sich Anwohner bei uns“, sagt der kaufmännische Werkleiter von SÖR, Ronald Höfler. An der engsten Stelle beträgt die Distanz 20 Meter. Man habe handeln müssen. Das Klicken der Kugeln und die Ausrufe der Kugelspieler bis weit in die Nacht sorgten für erheblichen Ärger. Laut Höfler haben SÖR-Mitarbeiter aber in den letzten Wochen eine Lösung mit den regelmäßigen Boule-Spielern gefunden. „Es wurden als Alternativen Boule-Plätze in der Tullnau, im Pegnitztal-West, bei der WBG in Langwasser und im Spittlertorgraben angeboten. Die Boule-Spieler haben wir nicht einfach vertrieben.“ Von Ärger und Widerspruch sei ihm nichts bekannt. Das wird sich noch ändern.

Hans-Reiner Fechter und Dagmar Reiß-Fechter haben ihren Brief gleich an OB Ulrich Maly geschrieben und sich über das Vorgehen der Stadtverwaltung beschwert. Beide weisen darauf hin, dass seit fast 40 Jahren in der Rosenau das französische Spiel Boule gespielt wird. Dabei handle sich um ein Freizeit-Kugel-Spiel und nicht um die Sportart Pétanque. „Wir sind typische Freizeitspieler und werden durch das generelle Verbot in unserem Grundrecht der freien Entfaltung und Handlungsfreiheit verletzt.“ Darüber hinaus seien die meisten Boule-Spieler Rentner und viele hätten einen Migrationshintergrund. Das Kugel-Spiel fördere die Integration, auch von Behinderten, in der Rosenau.

„Es ist ein Ort der niederschwelligen Begegnung, ein Ort, bei dem soziale, kommunikative, motivationale, kognitive, motorische und sensorische Fähigkeiten angesprochen werden. Ein Ort, bei dem alle Bevölkerungsgruppen des Stadtteils zusammentreffen, nämlich ausländische Mitbürger unter anderem Türken, Iraner, Kroaten, Thailänder, Russen und natürlich auch Deutsche“, so die Fechters. Auch sei die rechtliche Begründung des Boule-Verbots durch die Grünanlagensatzung nicht einwandfrei, denn sie schränke auf unzulässige Weise das Recht auf Persönlichkeitsentfaltung ein und widerspreche dem Erholungs- und Gesundheitsgedanken.

Die von SÖR angebotenen Alternativen seien entweder zu weit weg, überlastet oder hätten keine Toilettenanlage. „Wir werden durch das Spielverbot gesundheitlich beeinträchtigt. Es ist nicht erkennbar, warum ein seit 40 Jahren bestehendes Freizeitspiel in der Rosenau heute nicht mehr zulässig sein soll und das Spiel die angrenzende Wohnbebauung so stört, dass ein so massiver Grundrechtseingriff gerechtfertigt wäre“, schreiben die Fechters an Maly.

Neben der Beschwerde wurde auch eine Unterschriftenaktion für die Wiederzulassung des Boule-Spiels in der Rosenau gestartet. Mit Humor gesegnete Zeitgenossen haben auch schon Schilder in der Grünanlage angebracht, die Tischtennis, Federball, Halma, Schach, Kaffee- und Biertrinken verbieten.

Sollten die Boule-Spieler gegen das Verbot verstoßen und werden dabei von SÖR-Mitarbeitern erwischt, dann gibt es zunächst eine Ermahnung, sagt Höfler. Danach würde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. „Dafür brauchen wir aber erst einmal die Personalien. Bislang waren Boule-Spieler eigentlich nicht unser Problem“, meint Höfler.

 

André Fischer E-Mail

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