Dienstag, 18.02.2020

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Alex Megos – Ein Mann der Berge

Einer der weltbesten Kletterer - 05.02.2020 08:30 Uhr

Alex Megos ist einer der weltbesten Kletterer © Ken Etzel


Dabei hat er lange gehadert, ob er überhaupt zu den Spielen will, denn Alex Megos ist ein Mann der Felsen und nicht der Hallen. Ein Kletterer der alten Schule. Es geht ihm darum, den Fels unter seinen Fingern zu spüren, den Wald zu riechen, den Wind in den Haaren zu haben und mit anderen Enthusiasten eine gute Zeit zu haben. Das Wettkampfklettern ist seine Sache nicht. Gewinnen nicht das Ziel, das ihn antreibt.

Er hat seinen Sport schon immer geliebt, dass er einmal sein Beruf wird, war Zufall. Nach dem Abitur in Erlangen gab er sich ein Jahr Zeit fürs Klettern. Danach sollte der Ernst des Lebens beginnen. Studium, Job und all das. Mit Freunden fuhr er nach Spaniern, um eine Route zu klettern. Deren Einstieg war aber so verwirrend, dass er warten wollte, bis andere Kletterer kamen. In der Zwischenzeit versuchte er sich spaßeshalber an einer benachbarten Route. Nach 20 Minuten ließ er sich mit zitternden Muskeln mit dem Seil ab und war berühmt.

Er war der erste Mensch weltweit, der eine Kletterroute der absurd hohen Schwierigkeitsstufe 9a onsight geklettert hatte. Also ohne sie zu kennen oder sie trainiert zu haben. Der Besitzer des Campingplatzes, auf dem Megos mit seinen Kumpels übernachtete, rief noch am Abend ein Klettermagazin an. „Dann wurde der Urlaub anstrengend“, erzählte Megos schmunzelnd in einem Interview. Denn die Nachricht verbreitete sich rasend schnell und es hagelte Medienanfragen. Und zwischendurch meldeten sich auch Sponsoren, die Hilfe anboten. Und so wurde aus dem Jahr Auszeit für den Sport der Profikletterer Alex Megos.

Wie viele der extremen Bergsteiger ist er kein so lauter Typ. Ihm geht es darum, Dinge für sich zu schaffen, und nicht darum, sich selbst zu feiern. Das bedeutet nicht, dass er nicht extrem ehrgeizig wäre. Stürzt er aus einer Wand ins Seil, ist das regelmäßig von wildesten Fluchtiraden begleitet, die man dem Blondschopf mit dem braven Gesicht gar nicht zutrauen würde.

Ein Mann der Berge © Ken Etzel


Er klettert senkrechte Wände und Überhänge, in denen kaum Kanten für die Finger zu finden sind. Ein Finger in ein paar Zentimetern Fels reichen ihm zur Not, um seinen Körper nach oben zu ziehen. In den höchsten Schwierigkeitsgraden müssen Kletterer wie Megos vom einen zum anderen Mini-Griff auch noch springen. Wie Klettern an einer Raufasertapete sei das, was Megos und Kollegen machen, hat einer mal das Extremklettern beschrieben.

Als nun die Chance mit Olympia um die Ecke kam, griff der 26-Jährige am Ende doch zu. Klettern ist erstmals olympisch und die Spiele üben eine Faszination aus, der sich auch der wettkampfscheue Megos
nicht entziehen kann. In Tokio wird er sich im sogenannten Combined-Modus mit Kollegen aus aller Welt messen.

Es gibt die drei Disziplinen Speed-Klettern, Bouldern und Lead-Klettern. Das Lead ist Alex Megos‘ Spezialität, im Bouldern ist er stark, beim Speed-Klettern hinkt er der Weltspitze ein wenig hinterher. Die meisten seiner Konkurrenten sind keine Männer der Felsen, sondern Männer der Hallen. Manch älterer Outdoor-Kletterer ätzt vom „Plastikklettern“, wenn er über die neuen Wettkampfdisziplinen spricht.

Megos will das nicht tun, aber für ihn dürfte klar sein, dass es nach Olympia wieder raus in die Berge und Felsen geht. Dann wird auch der Rummel wieder kleiner werden. Keine Auftritte im ZDF-Sportstudio mehr, kein Interviews mit dem Kicker. Megos kann damit sicher sehr gut leben.

Freitag, 6. März, 19.30 Uhr, Wildbadsaal, Weißenburg

Jan Stephan Carpe diem

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