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Als die Eisenbahn Treuchtlingen erfand

Vor 150 Jahren kam der erste Zug in die Altmühlstadt und veränderte sie bis heute - 25.08.2019 14:59 Uhr

Vor 150 Jahren kam der erste Zug in die Altmühlstadt und veränderte sie bis heute © Volkskundemuseum Treuchtlingen


Am 2. Oktober 1869 war es so weit, der erste Zug rollte in Richtung Pleinfeld durch die Stadt. Sicher einer der wichtigsten Tage in der Geschichte Treuchtlingens. Da sich diese Jungfernfahrt nun zum 150. Mal jährt, feiert man in Treuchtlingen ein großes Jubiläumsfest. Das ganze Jahr wird in der Altmühlstadt schon der Bahnerer-Vergangenheit gedacht. Mit Führungen, einer sehenswerten Ausstellung im Treuchtlinger Volkskundemuseum und nun eben dem großen Fest.

Angemessen ist das allemal, denn mit der Bahn kamen Arbeitsplätze, Menschen, Geld, Wirtschaftskraft und Zentralität. Treuchtlingen wuchs neben Weißenburg zu einem wichtigen Standort heran, einem, der mit über die Jahrzehnte weiteren Ausbauten zu einem bayernweit bedeutsamen Knotenpunkt wurde. Hier kreuzten und kreuzen sich die Verbindungen Augsburg–Nürnberg, Ingolstadt–Treuchtlingen und Treuchtlingen–Würzburg.

Binnen weniger Jahre verdoppelte der zunächst nur knapp 2000 Menschen zählende Ort seine Einwohnerzahl. Es wurde ein Krankenhaus gebaut, und keine 30 Jahre nach der Einweihung des Bahnhofs verlieh Prinzregent Luitpold Treuchtlingen das Stadtrecht.

Museumslokomotive Treuchtlingen © Aarp65


In Spitzenzeiten arbeiteten in der Altmühlstadt über 1000 Mitarbeiter für die damalige Bayerische Staatseisenbahn, die einer der bedeutendsten Arbeitgeber in der gesamten Region war. Bis zu 27 Gleise waren in Betrieb und viele Unternehmen in der Region, nicht zuletzt die Steinindustrie, profitierten von der direkten Anbindung an den Fernverkehr und blühten auf. Die Eisenbahn brachte die Welt nach Treuchtlingen. Ehrgeizige Pläne wurden geschmiedet, zahlreiche Ausbaulinien wurden geplant. Selbst auf den Weißenburger Jura, nach Nennslingen, sollte eine Bahnlinie führen. Umgesetzt wurden diese Pläne nie und werden sie wohl auch nicht mehr.

Denn seit zwei, drei Jahrzehnten verliert die Bahn in Treuchtlingen wieder an Bedeutung. Arbeitsplätze wurden massiv abgebaut und vor allem Fernverbindungen reduziert. Dafür präsentiert sich der Bahnhof in der Altmühlstadt inzwischen wieder frisch saniert und ist immer noch der wichtigste Knotenpunkt zwischen Augsburg und Nürnberg.

Wie es weitergeht, muss die Zeit zeigen, vielleicht bringt eine neue Mobilität ja auch wieder eine Renaissance der Bahn mit sich. Dann würde Treuchtlingen sicher wieder profitieren und vielleicht aufs Neue Bahnerer-Stadt werden. Bis es so weit ist, feiert man aber erst mal die Vergangenheit. Die hat Treuchtlingen immerhin das Stadtrecht beschert.  

jan Stephan Carpe diem

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