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Dry-Aged, Pilze, Pils und Meerwasser-Whisky

Werner Sauer ist Kulinarik-Tüftler aus Überzeugung und Leidenschaft - 09.08.2019 14:18 Uhr

Werner Sauer ist Kulinarik-Tüftler aus Überzeugung und Leidenschaft


Ja, verrückt. Sauer schüttelt belustigt den Kopf und Ellingens Fürstin Katalin von Wrede sieht milde lächelnd zu.  Die beiden sind verschieden. Hier Sauer, ein zupackender, jovialer Rheinländer, leutselig, mit Freude am Witz und Sinn für die Praxis. Dort die Ellinger Fürstin, eine vornehme, höfliche Österreicherin aus gutem Hause mit Freude an Konzepten und Sinn für die Theorie. Was sie eint, ist die Begeisterungsfähigkeit für gutes Essen und Trinken.

„Wir sind ein gutes Team“, stellt Katalin  von Wrede fest. Werner Sauer ist ihr Brauereidirektor, an Bord geholt, um den Betrieb neu aufzustellen und ein paar verrückte Ideen einzuspeisen. Die beiden sind zusammen viel unterwegs. Mal auf Gastro-Tour, um sich im Express-Verfahren mit der Bandbreite der Systemgastronomie vertraut zu machen, mal in Italien bei neuen Partnern, mal auf der Bühne bei einer Pressekonferenz in China.

„Das war ein Erlebnis“, sagt Sauer und lacht. Lachen tut er der gebürtige Koblenzer ohnehin viel, auch wenn ihn seine Frau beinahe umgebracht hätte, als er den Job in Ellingen annahm, wie er augenzwinkernd verriet. „Ich wollte sowas eigentlich auf keinen Fall mehr machen“, erzählt er. „Nicht mehr zurück in die Tretmühle.“

Hier reift ....


Von 1986 bis 2009 war er bei Flensburger, einer der letzten großen deutschen Brauereien in Familienbesitz. Die letzten 15 dieser Jahre hat er den Betrieb als technischer Direktor mitgeführt. „Von 200000 auf 600000 Hektoliter sind wir in der Zeit gewachsen“, erzählt Sauer. Unzählige Biere habe er in dieser Zeit für die Flensburger entwickelt und er hat auch am perfekten Plopp mitgearbeitet. Dass die schleswig-holsteinische Landesregierung für die Verbesserung des Bügelverschlusses 1,5 Millionen Euro zur Verfügung stellte, belustigte damals sogar die Wochenzeitung Die Zeit.

Teil des beeindruckenden und zugleich verwunderlichen Werner-Sauer-Portfolios sind jedenfalls auch ein paar Patente im Zusammenhang mit Bügelverschlüssen, die er hält, und, ach ja, ein günstiges  Plastikfass hat er mit einem Kompagnon auch mal entwickelt, dass nun vor allem im Kaukasus oder in Russland zum Einsatz kommt.

Und das mit der Destille hat er da noch gar nicht erzählt. „Da gehört mir eine“, sagt der 60-Jährige und grinst. Zwischen dem Dorf Dollerup nahe Flensburg und seinem Wahlarbeitsort Ellingen liegen ja auch nur gut 800 Kilometer. Zusammen mit einem Geschäftspartner, mit dem er auch eine Beratungsfirma für das Brauereiwesen betreibt, brennt er in Dollerup Whisky, Gin, Rum und Obstschnäpse.

Brennen tut Werner Sauer im Übrigen auch dafür, neue kulinarische Produkte zu entwickeln. In Ellingen haben sie seit seiner Ankunft drei neue Craft-Beer-Sorten gemacht und arbeiten gerade an weiteren. Der 60-Jährige denkt bereits über Biere nach, die in Whiskyfässern ausgebaut werden, und im Bräuladen der Brauerei reift derzeit ein Fürst-Carl-Whisky. In Bourbonfässern, die später mit Sherry belegt waren. Eine Destille ist in Planung.

An Ideen mangelt es Werner Sauer wohl nicht. „Da kommt noch einiges“, kündigt er für Ellingen an. Und so sitzt er zufrieden und breit in der bayerischen Sonne unter den alten Kastanien zwischen Schloss und Brauerei. Vielleicht denkt er darüber nach, ob man nicht auch aus Kastanien ein Bier … oder vielleicht einen Schnaps?!       

jan Stephan Carpe diem

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