Montag, 06.04.2020

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Eine museale Wunderwelt mitten in Treuchtlingen

Das sanierte Treuchtlinger Volkskundemuseum ist einen Besuch wert und birgt Überraschungen - 19.02.2020 10:53 Uhr

Das Treuchtlinger Volkskundemuseum © Miriam Zöllich


Zunächst mal gibt es nämlich einen ganz aktuellen Anlass. 2019 wurde das Museum teilweise umgebaut, in einer Rekordzeit von vier Monaten und mit zig haupt- und ehrenamtlichen Arbeitsstunden. Es verfügt jetzt über barrierefreie Zugänge zu den Ausstellungsflächen, neue (ebenfalls barrierefreie) Sanitäranlagen, ein digitalisiertes Polyphon im Café und einen großen Entdeckerbereich für Kinder. Sie können Römerkleider, mittelalterliche Gewandung, Bahneruniformen oder Tracht anziehen und sich in der Fotobox in Szene setzen. Oder Fasern und Stoffe unter dem Mikroskop betrachten oder ausprobieren, wie ein Webstuhl funktioniert.

Der Entdeckerbereich bildet inhaltlich grob das ab, was man auch im restlichen Museum zu sehen kriegt: Es geht um Römer, um die Burg und die Fundstücke auf dem Burggelände, um die Eisenbahnergeschichte, um Handwerk und Alltag. Also irgendwie um alles. Wenn man ein gemeinsames Thema finden will: Es geht um das Leben in und um Treuchtlingen, von der Frühgeschichte bis zur Gegenwart.

Ein großer Teil der Ausstellungsfläche widmet sich dem Mobiliar vergangener Zeiten, etwa dem „B‘hälder“, in dem die Hausherrin Nahrungsmittel einschloss, damit die Kinder nicht heimlich naschten. Kunstvoll verzierte Schränke, Truhen, Himmelbetten, ganze Waschküchen und Wohnzimmer sind im Museum ausgestellt und erzählen die Geschichten ihrer ehemaligen Besitzer.

Das kann man sich leisten; Platz hat man schließlich genug. Der Komplex neben dem Treuchtlinger Schloss umfasst mehrere miteinander verbundene Gebäude, in denen früher Wohnungen, Fabriken und Manufakturen untergebracht waren. Es war dann übrigens ein Weißenburger – nämlich der Musiker und Grafiker Josef Lidl –, der ab 1970 Ausstellungsstücke sammelte und 1973 in das  „Heimatmuseum Treuchtlingen“ überführte.

Das Treuchtlinger Volkskundemuseum © Miriam Zöllich


In den zahlreichen Räumen, die durch Treppenhäuser, Stiegen, Flure und sogar eine Brücke verbunden sind, befindet sich nun die Dauerausstellung. Der größte Teil des Fundus – der immerhin an die 25000 katalogisierte Exponate umfasst und damit eine der größten volkskundlichen Sammlungen Bayerns ist – ist jedoch der Öffentlichkeit nicht zugänglich im Depot im Langhaus untergebracht. Ein gigantischer Dachboden, bis zu den Dachbalken vollgestopft mit Regalen voller Kuriositäten. Fahrräder, Laternen, Koffer, Wanderstöcke, Nähmaschinen, Uhren, Stoffmodeln … sogar eine Krankenhausausstattung aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts befindet sich hier. So viel steht fest: Für künftige Sonderausstellungen hat das Museum genug Material für die Ewigkeit.

Im Zuge der Umbauarbeiten im Frühjahr 2019 wurde übrigens auch das Museumscafé modernisiert und für einen Dauerbetrieb ausgestattet. Dort befindet sich jetzt auch der offizielle Eingangsbereich zum Museum, was leider verhängnisvoll ist. Denn Anja Christoph öffnet ihr Café und damit auch das Museum neuerdings regelmäßig und bietet hervorragende selbst gebackene Kuchen und Torten an. Idealerweise verspeist man vor und nach dem Museumsbesuch etwas. Dazwischen kann man genug Zeit in den Ausstellungsräumen verbringen, um zu verdauen.                 

Öffnungszeiten: November bis März, Mittwoch bis Freitag und Sonntag; April bis Oktober, Dienstag bis Sonntag,  jeweils von 13 bis 17 Uhr.

Miriam Zöllich Carpe diem

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