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Macht er es – oder macht er es nicht?

Söder, die Kanzlerfrage und eine neue Biografie aus Weißenburg - 06.11.2020 14:45 Uhr

Söder, die Kanzlerfrage und eine neue Biografie aus Weißenburg

06.11.2020 © Droemer-Verlag


Das liegt an einem sensationellen Riecher für Themen, einem bayerischen Sonnenkönig und viel Zufall. Uwe Ritzer hat 2018 zusammen mit seinem Kollegen Roman Deininger eine Biografie über Markus Söder geschrieben. Das Buch trat an zu erklären, wie der frischgebackene Bayerische Ministerpräsident eigentlich tickt.

Der Mann, der in seinen politischen Jugendjahren als stramm Konservativer mit Strauß-Poster über dem Bett galt. Der als CSU-Generalsekretär mit viel Freude den Scharfmacher gab. Der eine hässliche Auseinandersetzung mit dem politischen Silberrücken Seehofer gewonnen hatte und nun auf dem Gipfel seiner Macht angekommen war.

So dachte man. Nur ist die Welt seit 2018 auch politisch in ihren Grundfesten erschüttert worden. Corona kam und mit dem Virus auch Söder. Aus dem Bayerischen Ministerpräsidenten wurde der Krisenmanager der Nation. Er präsentierte sich entschlossen, kommunizierte klar und vermittelte den Menschen, dass sich jemand kümmert, dem sie vertrauen können. Und Vertrauen war die Währung der Stunde.

In unzähligen Pressekonferenzen mit Kanzlerin Merkel hinterließ Söder beständig den besseren Eindruck. Er merkelte nicht herum, sondern erklärte den Deutschen das Virus samt Lockdown. In griffigen Formeln und dem richtigen Mischungsverhältnis von Warnung und Zuversicht. Zwischendurch gelang es ihm, sogar noch ein paar Scherzchen zwischen die bitteren Pillen zu mischen. Die Republik verliebte sich in diesen baumlangen Franken. Und das zu einem Zeitpunkt, als die Frage der Kanzlernachfolge relevant wurde.

Genau deshalb legten Ritzer und Deininger nun nach. Sie überarbeiteten ihr Buch grundlegend, aktualisierten es und brachten es auf den Markt. Der neue Untertitel: „Der Schattenkanzler“. Ein gutes Drittel des Buchs ist komplett neu. Der Seehofer-Streit fast Schnee von gestern, kommen dafür Söders Ergrünung als Baum- und Bienenfreund sowie seine Corona-Politik hinzu. Und natürlich nimmt die Frage, ob er es sich am Ende denn nun wirklich das mit dem Kanzler traut, großen Raum ein.

Im Buch schreiben die beiden Journalisten mit Bezug auf Söders Umfeld, dass er längst am Grübeln sei. Und auch der Weißenburger Journalist ist persönlich überzeugt, dass es Söder machen wird, wenn die CDU machen lässt. Ob sie das tut, wird wesentlich davon abhängen, ob der andere aussichtsreiche Ministerpräsident der Union wieder besser in den Sattel kommt. Die Rede ist von Armin Laschet, bei dem es in der Corona-Krise eher zu einer politischen Verzwergung kam.

Für die Söder-Biografen Ritzer und Deininger ist die aktuelle Entwicklung jedenfalls höchst erfreulich. Zumal ihnen eine kleine Kabbelei zwischen den beiden Konkurrenten einen PR-Coup beschert hat. Niemand anders als Laschet wird die Söder-Biografie von Ritzer und Deininger vorstellen. Der NRW-Ministerpräsident konnte fast nicht anders, als ihn der Verlag fragte. Denn Söder hatte zuvor schon zugesagt, eine Laschet-Biografie zu präsentieren. Das Rennen zwischen den beiden dürfte noch unterhaltsam werden. Die spannende Söder-Biografie der beiden SZ-Journalisten ist dafür die perfekte Einstimmung.                                                                            

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