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Rassismus-Vorwürfe erwiesen sich als haltlos

Verfahren gegen TSV 1860 Weißenburg eingestellt – Neun neutrale Zeugen gaben den Ausschlag – Strafen für die TSG 08 Roth nach Hallen-Eklat - 06.02.2019 07:58 Uhr

Die TSG 08 Roth hatte in diese Richtung Anzeige erstattet, bekam jetzt aber eine Abfuhr vom Sportgericht, weil die angeblichen Schmähungen nicht bewiesen werden konnten. Mehr noch: „Dem Kreissportgericht liegen insgesamt neun schriftliche Stellungnahmen neutraler Zeugen vor, von denen keiner die rassistischen Zurufe und affenartigen Gesten bestätigen konnte“, heißt es in der Urteilsbegründung. 

Zur Hallenendrunde gibt es zu­dem noch drei weitere Urteile gegen die TSG Roth: Sie erhielt 100 Euro Geldstrafe wegen „Verschulden eines Spielabbruchs“ gegen den TSV 1860 Weißenburg (das betreffende Match hätte noch etwa drei Minuten gedauert und wurde mit dem tatsächlichen Spielstand von 3:0 gewertet). Weitere 100 Euro Geldstrafe bekamen die Rother aufgebrummt, weil sie zum abschließenden Spiel um Platz fünf nicht mehr antraten („Verursachen eines Spielausfalls“). Die Partie wurde vom Sportgericht mit 2:0 für die DJK Göggelsbuch gewertet, die somit Fünfter im Kreis Neumarkt/Jura wurde.

TSG-Spieler Kevin Walthier, dessen Rote Karte im Match gegen Weißenburg der letzte Auslöser für den vorzeitigen Abgang der Rother Mannschaft gewesen war, wurde zu­dem mit einer vierwöchigen Sperre vom 13. Januar bis 10. Februar belegt. Die Sperre wurde laut Urteil „wegen einer Tätlichkeit in einem leichteren Fall nach vorhergegan­gener Provokation“ verhängt. In den drei Fällen (Abbruch, Spielausfall, Rote Karte) muss die TSG 08 Roth zusätzlich noch die Verfahrenskosten tragen. Beim eingestellten Verfahren gegen den TSV 1860 Weißenburg kommt hingegen der Bayerische Fußball-Verband (BFV) für die Kos­ten auf.

Die Sportrichter Anton Pfahler, Hans Jäger und Fritz Remberger haben es sich in der Sache keinesfalls leicht gemacht – wohl wissend, dass Rassismus-Vorwürfe beim BFV sehr ernst genommen und verfolgt werden. Um sich ein Bild zu verschaffen, setzte das Kreissportgericht vor allem auf neutrale Zeugen, die bei dem betreffenden Spiel zwischen dem TSV 1860 Weißenburg und der TSG 08 Roth reichlich in der Landkreishalle vor Ort waren. Dass nun gleich neun dieser neutralen 
Beobachter (unter ihnen auch Verbandsfunktionäre) bestätigen, dass sie keine rassistischen Beleidigungen wahrgenommen haben, sieht der TSV 1860 Weißenburg als Entlas­tung auf ganzer Linie. 

Auch die von Rother Seite angeführten Zurufe „Uh-Uh-Uh“ stellten sich aus Sicht des Sportgerichts als Anfeuerungsrufe „Uhl-Uhl-Uhl“ für den Weißenburger Torwart Johannes Uhl und nicht als Schmährufe gegen den dunkelhäutigen Ro­ther Spieler Kevin Walthier dar. Darauf hatte der TSV 1860 auch in seiner Stellungnahme hingewiesen, für eine Einstellung des Verfahrens plädiert und nun leztlich recht bekommen. 

TSV distanziert sich von Rassismus

Generell distanziert sich der TSV 1860 ganz klar von jeglicher Form des Rassismus oder der Ausländerfeindlichkeit. Der Verein verweist in seiner vom Vorsitzenden Thomas Strobl sowie von Hallensprecher und Turnierorganisator Roland Mayer unterzeichneten Stellungnahme auch darauf, dass er selbst etliche Spieler mit Migrationshintergrund in seinen Reihen hat. Ein paar von ihnen hätten bei dem betreffenden Spiel sogar im Weißenburger Zuschauerblock gesessen.   

Wie berichtet, war es im letzten und entscheidenden Gruppenspiel um den Halbfinaleinzug zwischen Weißenburg und Roth zur Eskalation gekommen – wohlbemerkt beim Stand von 3:0 für den TSV 1860, was zugleich das „Aus“ für die TSG im Titelrennen bedeutete. Das 3:0 hatte Jonas Ochsenkiel per Zehnmeter nach dem fünften kumulierten Foul der Rother erzielt. Kurz darauf wurde bei einer weiteren Aktion von Ochsenkiel das Spiel von den Re­ferees unterbrochen. Als der Weißenburger noch aufs Tor schoss, schnappte sich Roths Torwart (und Trainer) Taner Koc den Ball und zielte nach Darstellung der TSV-Sechziger „absichtlich Richtung Ochsenkiel, um diesen abzuschießen“. Getroffen wurde der Weißenburger nicht, vielmehr sei der Ball mit großer Wucht quer durch die Halle geflogen und schließlich auf der Zuschauertribüne gelandet. Koc kam mit einer Gelben Karte davon.

Das Spiel wurde anschließend nicht mehr fortgesetzt. Vielmehr kam es aus Weißenburger Sicht zu einer „sogenannten Rudelbildung“ vor der Rother Auswechselbank und neben der Tribüne. Während dieser Rudelbildung habe der Rother Spieler Kevin Walthier mehrmals mit einer Trinkflasche ins Publikum gespritzt. „Ein zweijähriger Junge weinte und war so nass, dass man meinen konnte, er kam frisch aus der Dusche“, heißt es zu den Wasserspritzern, die von Rother Seite im Nachgang zu den Vorkommnissen eher als harmlos dargestellt worden waren.

Nach der Roten Karte für Walthier und den tumultartigen Szenen verschwand die Rother Mannschaft im Kabinengang und beendete das Match vorzeitig. Allerdings nicht nur diese Partie, sondern auch das gesamte Turnier: Die TSG kehrte weder zum Spiel um Platz fünf noch zur Siegerehrung aufs Parkett zurück, sondern reiste vielmehr ab und erhielt dafür die bereits genannten Strafen. 

Bei der Siegerehrung, so der TSV 1860 weiter, hätten von den sieben noch anwesenden Vereinen mehrere das Wort ergriffen und sich bei dem Weißenburger Verein für die „tolle Ausrichtung“ bedankt. „Wenn sich der TSV 1860 Weißenburg oder seine Fans wirklich so danebenbenommen hätten, dann hätte sich wohl keiner öffentlich bedankt“, heißt es in der Stellungnahme.

Der TSV 1860 habe die Rother Anzeige „mit Entsetzen zur Kenntnis“ genommen, spricht aber von einer „gezielten falschen Anschuldigung, um unsere Abteilung Fußball in Misskredit zu bringen“. Abschließend heißt es in der Stellungnahme: „Alles in allem scheint die TSG 08 Roth in diesem Fall ein schlechter Verlierer zu sein, der nun versucht, vom eigenen Versagen abzulenken beziehungsweise einer Bestrafung wegen des verursachten Spielabbruchs zu entgehen. Aus unserer Sicht ist das Verfahren einzustellen.“ Genau das hat das Kreissportgericht bei seiner Sitzung zu Wochenbeginn getan und damit letztlich auch den TSV 1860 von den Vorwürfen freigesprochen. 

Ob die TSG Roth Berufung beim Bezirkssportgericht einlegt und ob es in der Angelegenheit noch zum von Bezirksspielleiterin Sandra Hofmann angeregten „runden Tisch“ kommen wird, bleibt abzuwarten.     
 

  

Uwe Mühling

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