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Weimarer Klassik aus Röttenbach

Neue Edition im Schrenk-Verlag erschienen - 15.05.2019 08:50 Uhr

Das Goethe-und-Schiller-Denkmal in Weimar © Andreas Praefcke/wikipedia


Von dort aus betreut er eine Reihe, die sich mit einer wundersamen Epoche deutscher Literaturgeschichte befasst. Gelang es doch einer Ansammlung von Dichtern und Denkern von einem thüringischen Residenzstädtchen aus, Literatur und Theater in ganz Europa zu prägen.

An Forschungsthemen mangelt es der Edition sicher nicht. Zum Auftakt erschienen die Schriften der Dresdner Goethe-Gesellschaft. Ein Werk, das eher für die Fachwelt geeignet erscheint. Von einigem Interesse, auch für den allgemein interessierten Leser, ist dagegen das zweite Weimarer-Klassik-Buch aus Röttenbach.

„Im Schatten Goethes“ beschäftigt sich mit dem Dichter, Dramatiker und Spion August von Kotzebue, der heute zu Unrecht vergessen worden ist, wie Autor Bertold Heizmann findet.

Das Buch liefert einen interessanten Einblick in die Welt der Weimarer Klassik und zeigt, auch die olympischen Helden des Geistes waren Menschen aus Fleisch und Blut. Sie konnten Konkurrenten nicht leiden, fanden sich selbst am großartigsten und lästerten über Kollegen.

Nicht zuletzt der große Goethe, der Kotzebue stets links liegen ließ und immer wieder Gelegenheiten fand, sich im kleinen Kreise über den Weimarer Dichter zu beschweren – während er als Direktor des Weimarer Nationaltheaters den guten Mann allerdings mehr als 600-mal aufführen ließ. Der Grund: Weil das Publikum lieber Kotzebues Lustspiele sehen wollte als Goethes Grundsatz-Dramen.

Dass Kotzebue der meistgespielte Dramatiker an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert war, ist heute vergessen und geriet ihm unter seinen Zeitgenossen zudem eher zum Nachteil. Dass Kotzebue nämlich populär war, betrachtete man als Charakterfehler. Anstatt sich literarisch dem Reinen und Schönen zu widmen, setzte er auf Emotionen, um den Menschen was zum Schauen zu geben.

Was Goethe an Renommee unter den Gebildeten hatte, das genoss Kotzebue an Verehrung bei den mittleren Klassen. Und beide neideten sich ihr jeweiliges Publikum ein wenig. Autor Bertold Heizmann schreibt diese Kotzebue-Betrachtung im Schatten Goethes mit leichter Hand. Sie ist angenehm lesbar und getragen von einer Sympathie für den unsteten Geist, der Kotzebue auch war. Denn neben seinen literarischen Erfolgen verschweigt Heizmann auch nicht, dass sein Studienobjekt als Spion für den Zaren von Russland tätig war. Ein Umstand, der ihn 1819 das Leben kosten sollte. 

Jan Stephan Carpe diem

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