Samstag, 23.11.2019

|

zum Thema

Con chi tagliare i ponti e a chi gettare un ponte

Zwischen Pegnitz und Piazza vom 22. September 2012 - 21.09.2012 11:29 Uhr

Als gebürtige Venezianerin bin ich auf das Wort ponte (Brücke) ziemlich sensibilisiert und deswegen war ich sehr überrascht, zu erfahren, dass es in der Frankenmetropole 305 Brücken gibt! In der Lagunenstadt rechnet man derzeit mit über 400 Brücken – ob auch il Ponte della Libertà (die

Brücke der Freiheit), die das Festland mit Venedig verbindet, dazu gezählt wird? Immerhin hat man bis jetzt nur vier Brücken über den Canal Grande gebaut: Die jüngste ist die moderne Brücke Ponte della Costituzione (auch nach ihrem Architekten Calatrava genannt), die den Kanal zwischen dem Hauptbahnhof Santa Lucia und dem Piazzale Roma überspannt.

Allo Stretto di Messina (An der Straße von Messina), wo einst allein Odysseus die Meeresungeheuer Scilla und Cariddi (Skylla und Charybdis) überlebte, stocken dagegen schon lange die Bauarbeiten: Trotz der jüngsten Aussagen des Sonderkommissars zu diesem Projekt von biblischem Ausmaß wird diese Brücke wahrscheinlich nie gebaut werden – mit welchen Geldern denn, bitteschön?! Ne dovrà passare ancora di acqua sotto i ponti (Es wird noch lange Zeit dauern; wortwörtlich: Es wird noch viel Wasser unter den Brücken passieren müssen), wenn überhaupt!

Die Römer der Antike waren Meister im Brückenbau – einige Brücken existieren noch heute wie in Pont-Saint-Martin im Aostatal. Für sie waren Brücken so wichtig, dass es sogar ein Wort für den Erbauer gibt: Pontifex (aus pons und facio) bedeutet „derjenige, der Brücken bauen lässt“ – ob es dem pontefice (Papst) letzte Woche im Libanon gelungen ist, zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen a fare da ponte (als Vermittler zu fungieren)?

Acqua cheta rompe i ponti

Das Wort ponte ist derzeit auch Bestandteil des politischen Wortschatzes auf der Halbinsel: Con chi tagliare i ponti e a chi gettare un ponte (Zu wem die Beziehungen abbrechen und zu wem eine Brücke schlagen)? Nachdem der italienische Ministerpräsident in einem Interview vor kurzem seine Besorgnis um die Zukunft der Reformen seiner Regierung geäußert hat – und viele daraus den Schluss gezogen haben, dass er doch im Frühjahr kandidieren wird –, versuchen die Politiker sich wegen möglicher Koalitionen nach den nächsten Wahlen neu zu orientieren.

Sie sollten aber auf diejenigen aufpassen, die sich derzeit noch ruhig verhalten: acqua cheta rompe i ponti (steter Tropfen höhlt den Stein; wortwörtlich: ruhiges Wasser zerstört die Brücken)! Den politischen „Feinden“ sollte man in diesen Zeiten eigentlich ponti d’oro (goldene Brücken) bauen. Wie immer es auch sei: Hauptsache ist, dass die nächste Regierung ein vernünftiges Programm für das Wachstum vorschlagen wird, perché nessuno vorrebbe vivere sotto i ponti (weil keiner unter den Brücken leben möchte).

Es gibt aber nicht nur Brücken aus Beton, Stein oder Holz – auch Worte können Kulturen miteinander verbinden: Im italienischen Wörterbuch sind einige deutsche Wörter zu finden, die in die Alltagssprache meiner Landsleute eingegangen sind. Leitmotiv und Hinterland kennt jeder, aber auch Kindergarten ist ein Begriff geworden. Kitsch wird als Adjektiv verwendet, während der Krapfen und das Würstel in den Küchenwortschatz importiert wurden.

Nicoletta De Rossi E-Mail

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Ressorts