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Der Geschmack des Meeres in der Suppe

Zwischen Pegnitz und Piazza vom 6. Oktober 2012 - 05.10.2012 12:36 Uhr

Salz wurde so heftig verteidigt, dass es sogar Kriege verursachte. Selbst salario (Arbeitslohn) kommt aus dem lateinischen Wort salarium, das einer Portion Salz entsprach.

Salz war bis 1975 staatliches Monopol in Italia: Ob es dem Staat damals finanziell besser ging? Aber sicherlich nicht wegen seiner Abschaffung zahlen meine Landsleute heute un conto così salato (so eine gesalzene Rechnung)!

Daher kann man die Wut einiger Arbeitnehmer auf der Halbinsel gut verstehen, wenn man von den unermesslichen Verschwendungen dekadenter Politiker erfährt: Si rimane proprio di sale (Man erstarrt zur Salzsäule) – von wegen sacrifici di tutti (Opfer von allen)! Salz wurde auch schon immer verwendet, um zu reinigen oder gegen den bösen Blick zu schützen.

Salz ist wesentlich für unser Leben, deswegen haben die Menschen es seit der Antike gewonnen: als sale marino (Meersalz) oder sale di salgemma (Steinsalz). In den apulischen Salinen von Margherita di Savoia, den größten Italiens, werden bis 600000 Tonnen Meersalz im Jahr produziert – nur durch Meerwasser, Wind und Sonne. Weiße Berge ragen dort Richtung Himmel, während man im Bergwerk von Realmonte nach Salz sucht: Vor allem im Winter exportiert die sizilianische Stadt ihr Gut als sale antigelo (Streusalz) nach Nordeuropa.

Das Salzgeschäft boomt und kennt keine Krise – es ist tatsächlich wahr: Salz bringt Wohlstand! Die sizilianischen Bergleute haben ihrer Schutzpatronin, der heiligen Barbara, sogar eine Kathedrale im Bergwerk gebaut, mit Altar und anderen Gegenständen aus den Salzblöcken gemeißelt.

Sardinen und Sardellen

Salz war als Konservierungsmittel eine unverzichtbare Notwendigkeit für unsere Vorfahren, und noch heute si mettono sotto sale molti cibi (werden viele Lebensmittel eingesalzen): Kapern, Oliven, Sardellen oder Sardinen. Auch per mettere in salamoia (zum Einlegen in Salzlake oder zum Pökeln) ist Salz unentbehrlich. Und als Salz in der Suppe? Vor allem als Salz im Kochwasser für die Nudeln, würden Italiener darauf antworten – aber bitte sale grosso (grobes Salz) verwenden! Ohne sale da cucina (Speisesalz) würde die Pasta nicht schmecken, aber auch eine zu stark gesalzene Pasta ist nicht genießbar: un pugnetto di sale (Eine kleine Faust Salz) ins kochende Wasser reicht schon! Es ist immer besser, salare poco (wenig zu salzen) – und nicht nur weil es der Arzt empfohlen hat: Wenn eine Speise sa di sale (nach Salz schmeckt), kann man sie nur schwer retten.

Salz erinnert meine Landsleute ständig an das Meer und an dessen Geschmack, den man gut in allen Ortschaften an der Meeresküste kennt – spätestens ab den sechziger Jahren durch das Lied des Sängers Gino Paoli „Sapore di sale, sapore di mare“ (Geschmack des Salzes, Geschmack des Meeres).

Salz ist auch das Synonym di arguzia (für Scharfsinn). Das lateinische „cum grano salis“ kennt man heute unter der moderneren Redensart „con un po’ di sale in zucca“ (mit ein bisschen gesundem Menschenverstand; wortwörtlich: mit ein bisschen Salz im Kürbis – der hier für Kopf steht). Ich will nicht unbedingt noch Salz in die Wunde streuen, aber derzeit gibt es leider kaum gute Nachrichten in dieser Hinsicht: Es mangelt noch an diesem Salz auf der Erde!

Nicoletta De Rossi E-Mail

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