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Der Sandstein leidet in der Stadt

Mensch und Tier setzen ihm zu - 06.09.2010 16:00 Uhr

Sandstein ist der Stein dieser Stadt: Auf ihm thront die Burg. Sie ist – natürlich – aus Sandstein erbaut. Umwelteinflüsse, Mensch und Tier machen dem Naturstein allerdings zu schaffen.

06.09.2010 © Hagen Gerullis


Natürlich gucken alle auf das Männleinlaufen. Jeden Tag Punkt 12 Uhr mittags drehen Kaiser Karl IV und die sieben Kurfürsten ihre Runden. Und freilich starren alle auf das Christkind, wenn es seinen Markt vom Balkon der Frauenkirche aus eröffnet. Aber wen kümmert - mal abgesehen von Restauratoren - der Stein?

Dabei hat er doch so viele Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel über seine Herkunft. "Sehen Sie", sagt Otto Heimbucher, "der rote Stein über dem Westportal ist Buntsandstein und stammt aus Mainfranken. Er ist feinkörnig und weicher als der Stein von hier." Besonders gut geeignet sei Buntsandstein für Bildhauerarbeiten. "Und er leuchtet wunderschön im Abendlicht." Die Mauer links neben dem Westportal sieht aus wie ein zufällig zusammengewürfeltes Mosaik. Kaum ein Quader gleicht in Farbe und Maserung dem anderen. So ist das nun einmal mit dem Sandstein, der, sein Name sagt es, aus Sandkörnern besteht. Die Farbe wird durch den Eisengehalt bestimmt und durch das Bindemittel, das Material, das den Stein zusammenhält - Kalk oder Ton zum Beispiel.

Auch die Frauenkirche ist natürlich aus Sandstein erbaut worden. An der Fassade ist gut zu erkennen, dass Naturstein ganz unterschiedlich eingefärbt sein kann. Je nachdem wo der Stein herkommt. Roter, weicher Sandstein kommt zum Beispiel aus dem Würzburger Raum. Er eignet sich gut für Bildhauer-Arbeiten. Der Wolkersdorfer Sandstein ist dagegen sehr hart.

06.09.2010 © Hagen Gerullis


So ist etwa der "Burgsandstein", der aus dem Steinbruch in Worzeldorf, vom Schmausenbuck oder aus dem Lorenzer Stadtwald stammt, grob und von einer rötlich-grauen bis rötlich-braunen Farbe. So sieht auch der Sand aus, der in und um Nürnberg herum zu finden ist. Dass jeder Stein an der Fassade der Frauenkirche einen hellen Punkt trägt, hat nichts mit der Verspieltheit der Baumeister zu tun. Im Mittelalter wurden die schweren Quader auf den Baustellen mit Hilfe von Hebezangen angepackt und hochgezogen. Damit das Werkzeug besser greift, hat man Vertiefungen in die Steine gemeißelt Im Mittelalter störte sich niemand an diesen "Löchern", erst mit dem Schönheitsempfinden der Neuzeit waren sich nicht mehr zu vereinbaren und wurden verschlossen.

Irgendwann leidet auch die Statik

Sandstein - das ist der Stein dieser alten Stadt. Hoch oben thront auf einem Sandsteinfelsen die Burg - aus Sandstein erbaut. Sie blickt hinunter auf Kirchen und Häuser, kleine und große, aus massivem Sandstein errichtet oder zumindest damit verblendet. Der Optik wegen, wenn das Geld vielleicht nur für ein einfaches Ziegelmauerwerk gereicht hat. "Steinreich" war ihn früherer Zeit eben auch nicht jeder.

Naturstein in der Stadt ist ein ewiger Patient. Abgase setzen ihm zu, Wasser, Streusalz, Hund-Hinterlassenschaften, Taubendreck. Das Problem: Irgendwann leidet auch die Statik eines Gebäudes, wenn der Stein porös wird und zum Beispiel der Sockel nicht mehr hält. "In Nürnberg haben wir ein großes Problem", sagt Heimbucher. Weil nur noch der Worzeldorfer Steinbruch in Betrieb ist, ist der einheimische Stein rar. "Es fehlt der Sandstein für die Restaurierung. Der Stein aus der Gegend ist aber wichtig, um unsere historischen Baudenkmäler zu erhalten." Wer mit der Hand über eine Sandsteinmauer streicht, kann die Vergänglichkeit spüren: der Sand rieselt. Auch der Stein ist der Endlichkeit ausgesetzt.

 

Von Gabi Eisenack (Text) und Hagen Gerullis (Fotos) E-Mail

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