Mittwoch, 20.11.2019

|

zum Thema

Die Alternative zu Facebook heißt EmotId

Zwischen Pegnitz und Piazza vom 13. Oktober 2012 - 12.10.2012 13:45 Uhr

In Facebook dagegen fühlen sich die Italiener angeblich sehr wohl, obgleich sie weltweit nur Rang 10 in der Top-Liste der Facebook-Benutzer belegen. In Facebook suchen sie nach alten und neuen Freunden, erzählen agli amici (ihren Freunden) cosa stanno facendo (was sie gerade machen), informieren und posten Bilder. Einige beschreiben ihre Gefühle – nicht nur ihren Freunden, sondern auch deren Freunden, das heißt potentiell dem ganzen Netz: So entsteht ein öffentliches und gleichzeitig globales „Tagebuch“ – aber war so etwas nicht einmal geheim?

Selbstverständlich wird Facebook auch zum Chatten verwendet. Da immer mehr Leute per Smartphone verbunden sind, wird es als schnelles Kommunikationsmittel statt eines Anrufs oder einer SMS genutzt: Non c’è da meravigliarsi (Es wundert nicht), da über 80 Prozent der Italiener mindestens ein Handy besitzen! Was oder wen suchen Italiener nella rete (im Netz)? Vielleicht eine „Familie“, mit der sie Alltag und Erlebnisse teilen können?

Indem man den Status des Facebook-Freundes „condivide“ (teilt) oder als „mi piace“ (gefällt mir) markiert, will man Nähe „spüren“ lassen – und das ist auch die einzige Möglichkeit, denn bei der überdurchschnittlichen großen Zahl von „Freunden“ wäre ein Telefonat oder sogar ein Besuch schon nicht mehr möglich. Sind meine Landsleute scheuer geworden oder können sie ihre Gefühle kaum noch persönlich ausdrücken? Ist es vorbei mit den extrovertierten und offenen Italienern?

Tatsächlich ist es nicht einfach, sich selbst Gefühle zu gestehen, figuriamoci agli altri (geschweige denn, den anderen: wortwörtlich: stellen wir uns vor, gegenüber den anderen)! Um diese Lücke im Web zu füllen, wurde im Februar in Italia EmotId erfunden. Dies ist die Plattform, um mitzuteilen, wie man sich fühlt und was man fühlt. Durch einen kurzen Test stellt EmotId die aktuelle emotionale Lage fest – beispielsweise „ti voglio abbracciare“ (ich will dich umarmen) oder „ti dò una pacca sulla spalla“ (ich klopfe dir auf die Schulter) – und gibt sie durch Zeichen wieder. So kann man die eigenen Gefühle teilen und eine ähnlich fühlende Zielgruppe erreichen.

Rettet den Konjunktiv!

Eines ist jedoch klar: Im Netz schrumpft die Sprache auf das Wesentliche. Es wird abgekürzt und vereinfacht, die Grammatik spielt eine Nebenrolle, und Tippfehler werden gar nicht mehr wahrgenommen – die Hauptsache ist sowieso: schnell etwas mitzuteilen. Genauso wenig wie in der Alltagsprache wird auch im Web il congiuntivo (der Konjunktiv) schon lange nicht mehr gepflegt: Deswegen will das Komitee L.I.Di.Co. (Lega Italiana per la Difesa del Congiuntivo) die „Form der Möglichkeit“ in der Sprache retten: Seine Mitglieder verpflichten sich, den Konjunktiv im Alltag konsequent zu benutzen. Vielleicht könnte man sich in den nächsten Tagen eine kurze Pause vom Internet-Jargon gönnen und sich wieder der italienischen Sprache – vor allem dem Konjunktiv – auch im Netz zuwenden: Anlass dazu wäre die 12. Woche der italienischen Sprache in der Welt.

Nicoletta De Rossi E-Mail

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Ressorts