Samstag, 08.05.2021

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Die Osterluzei

Gelbe Nasen, giftige Wurzeln - 21.08.2010

20.08.2010


Sie genießt die Ungestörtheit. Der Garten unterhalb der Burg, in dem sie sich breitmacht, ist für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Eine Holztür versperrt den Weg hinauf. Zum Glück beugt sich die Osterluzei über den Mauersims zu uns hinunter, lässt sich quasi dazu herab, bewundert zu werden.

Ein gutes Plätzchen hat sie sich dort oben ausgesucht, warm, sonnig und unberührt. Das tut ihr gut, denn sie steht in Bayern auf der Roten Liste der bedrohten Arten. "Die Osterluzei mag die Gesellschaft von Wein", sagt Otte Heimbucher. "Die beiden kommen oft zusammen vor." Unterhalb der Burg, befand sich tatsächlich einst ein Weinberg. Im Jahr 1559 wurde er angelegt, hielt sich aber, so teilt das Stadtlexikon in aller Kürze mit, nicht lange.

Dafür stehen hier noch schöne alte Walnuss- und Obstbäume. Eine nahrhafte Ecke ist da am Ölberg, gut abgeschirmt von Plünderern, entstanden. Die Pflanze, die aus dem nördlichen Mittelmeerraum stammt, war früher, etwa zu Zeiten der Römer, ein gefragtes Arzneimittel. "Sie wurde zum Beispiel gegen Herzkrankheiten eingesetzt", sagt Heimbucher. Auch Wirksamkeit gegen Geburtsbeschwerden, Geschwüre und Schlangenbisse wurde ihr nachgesagt.

Allerdings: Die Osterluzei, deren botanischer Name Aristolochia clematitis lautet, ist mit Vorsicht oder am besten gar nicht zu genießen- sie ist nämlich giftig. Ihre Wurzeln und Samen enthalten Säuren, die die Nieren schädigen und sogar Krebs erregen können. Präparate aus der Osterluzei sind deshalb seit dem Jahr 1981 verboten. Ende Mai bis Juni blüht die Osterluzei - und zwar gelb. "Die Blüten sehen aus wie große Nasen", sagt Otto Heimbucher. Und was aussieht wie eine Nase, ist eine Fliegenfalle: Die Tierchen rutschen nämlich hinein, werden aber nicht verspeist, sondern nur so lange festgehalten, bis sie die Pflanze bestäubt haben. Im Übrigen gibt es auch einen schwarz-gelben Schmetterling namens Osterluzei-Falter: Dessen Raupen ernähren sich wovon? Von der Osterluzei natürlich.

Gabi Eisenack

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