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Die Tage der Heiligen kennen wir auswendig

Zwischen Pegnitz und Piazza vom 29. September 2012 - 28.09.2012 12:03 Uhr

Heute sind sogar drei Namen fällig, und zwar die der Erzengel: Michele, Raffaele und Gabriele. Ich überlege mir, a quante persone oggi devo fare gli auguri di Buon Onomastico (wie vielen Leuten ich heute zum Namenstag gratulieren muss). Der wichtigste Heilige Italiens ist San Francesco d’Assisi (der heilige Franz von Assisi), der am 4. Oktober als Schutzpatron Italiens gefeiert wird – und seit 1979 wegen seines Sonnengesanges auch Schutzpatron der Umweltschützer ist. Sein weibliches Pendant ist Santa Caterina da Siena (Die heilige Katharina von Siena) patrona (die Schutzpatronin) Italiens und Mitpatronin Europas. Zu den stark verehrten Heiligen gehören auf der Halbinsel sicherlich auch i patroni (die Schutzheiligen) von Großstädten, wie zum Beispiel San Gennaro a Napoli (der heilige Januarius in Neapel): Am 19. September konnte man auf der offiziellen Webseite der Stadt ein Video über il miracolo di San Gennaro (das Wunder des heiligen Januarius) in einer völlig überfüllten Kathedrale sehen!

Glauben Italiener intensiver oder feiern sie nur wegen der Tradition mit – oder wegen des Festtages, da am Tag des Schutzpatrons Schulen und Ämter geschlossen sind? Der bei den Feierlichkeiten anwesende Oberbürgermeister Neapels beantwortete diese Frage, indem er unter dem Jubel seiner Mitbürger sagte, dass das Fest ein wichtiger Tag des Zusammenhalts für alle Neapolitaner, Gläubige und Nichtgläubige sei – ist das eines der vielen italienischen, für Ausländer fast unerklärlichen Paradoxa?

Im apulischen Bari feiert man San Nicola da Bari (Sankt Nikolaus von Bari) sogar zwei Mal im Jahr: am 7. Mai mit einer beeindruckenden Meeresprozession und anschließend mit einem historischen Festzug, und auch am 6. Dezember – als Schutzpatron der Kinder verwandelte sich San Nicola im Laufe der Jahrhunderte in den Nikolaus, der hier auch die Kinder beschert.

Eine Frage der Zuständigkeit

Non c’è santo che tenga (Es ist unvermeidlich; wortwörtlich: Es gibt keinen Heiligen, der das verhindern kann): In Italia ist jeder Heilige für eine oder mehrere Kategorien von Leuten, Tieren oder Sachen zuständig – bei einigen Heiligen bräuchte man schon fast eine Verwaltung für die verschiedenen Kompetenzbereiche! An San Antonio da Padova (den heiligen Antonius von Padua) wendet man sich nicht nur für ein Wunder, sondern auch wenn man Sachen vermisst oder verloren hat. Es gibt auch ganz „außergewöhnliche“ Heilige, wie San Giuseppe da Copertino (der heilige Joseph von Copertino), der – so wird überliefert – bei seinen Ekstasen fliegen konnte: Il santo dei voli (der Heilige der Flüge) wird im September mit einem Fest im Salento gefeiert.

In Italia hat letztendlich jeder einen Heiligen, auch der Mafioso: Giovanni Tizian gibt im Anhang seines Buches „Mafia AG“ den berühmten Text des ’Ndrangheta-Aufnahmerituals wieder, in dem auch von der „allerheiligsten Elisabeth, die der allerheiligsten Annunziata folgte“ die Rede ist – die arme Elisabeth, die eigentlich als Schutzpatronin der Bäcker und der Krankenpfleger verehrt wird! Ob künftig auch an Super Mario (Monti oder Draghi) als Sankt Mario appelliert wird?

Nicoletta De Rossi E-Mail

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