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Dramatische Szenen in der GFE-Produktionshalle

Hilferuf eines Mitarbeiters - 10.12.2010 07:15 Uhr

Die Nürnberger GFE-Group soll 1300 Anleger geprellt haben.

30.11.2010 © Roland Fengler


Der Mann am anderen Ende der Telefonleitung klingt aufgewühlt. Was er eben erlebt habe, könne er immer noch kaum glauben. „Ich könnte heulen“, sagt er im Gespräch mit der Nürnberger Zeitung. „Ich bin fix und fertig.“ Der Mann, von dem wir hier berichten, möchte anonym bleiben, vorerst zumindest. Er gehört zum Team der Firma GFE und befand sich, wie er uns schildert, gerade bei der Arbeit. Man habe sie ja sogar dazu angehalten weiterzuarbeiten. Doch dann sei ein Mitglied der Geschäftsleitung in Begleitung von Bodyguards erschienen und habe sie daran gehindert. „Wir wollten gehen“, sagt unser Informant. „Aber wir durften nicht raus, mehr als eine Stunde lang sind wir festgehalten worden.“ Dann sei die Polizei gekommen. „Doch die hat uns auch nicht unterstützt.“ Er und seine Kollegen hätten nun Hausverbot erteilt bekommen und ein Papier unterschreiben sollen. „Das haben wir nicht gemacht“, sagt er und fügt hinzu: „Wir wollen doch weitermachen. Wir glauben an unser Produkt.“ Das Produkt: ein mit Rapsöl betriebenes Blockheizkraftwerk in Containerbauweise. „Eine geniale Sache“, sagt unser Informant.

Von Seiten der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth wird das bezweifelt. Dort heißt es, die Firma hätte quasi potemkinsche Dörfer produziert. Die Heizkraftwerke entsprächen keinesfalls den Erwartungen, die geschürt worden seien, den Anlegern hätte die Firma jedoch traumhafte Renditen versprochen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Unternehmensleitung gar nicht vorhatte, die Heizkraftwerke auszuliefern. Das Geld der Kunden sollen die Verdächtigen den Ermittlungen zufolge in die eigene Tasche gesteckt haben.

"Der Mann hat alles kaputt gemacht"

Der Mann aus der Chefetage, der sie mit Hilfe der Bodyguards festgehalten habe, sei der, der alles kaputt gemacht habe, so unser Informant. „Und jetzt ist er der einzige, der noch auf freiem Fuß ist. Der, der alles verbockt hat, sitzt nicht.“ Der Mann am Telefon klingt verzweifelt. Es geht um ein Produkt, hinter dem er steht, um seinen Ruf und um seinen Arbeitsplatz. Die Mehrheit der GFE-Mitarbeiter habe die Kündigung schon bekommen, sagt er. „Der Rest ist auch bald dran.“

Von GFE-Seite war zu dem gestrigen Vorfall in der Firma keine Stellungnahme zu bekommen. Eine Stimme auf Band vertröstet Anrufer. Auf der Homepage des Unternehmens ist zu erfahren, dass sämtliche Vertriebstätigkeiten auf Grund der laufenden Ermittlungen eingestellt werden sollen, dass keine Bestellungen mehr entgegengenommen und auch keine Container mehr ausgeliefert werden. „Ebenfalls möchten wir Sie bitten, alle Kunden, welche noch nicht bezahlt haben, zu kontaktieren, um ihnen mitzuteilen, dass Sie vorerst keine Überweisungen mehr tätigen sollen“, heißt es dort an die Vertriebsleute gerichtet.

„Wir haben noch 20 Container in der Halle stehen und 35 auf dem Hof“, sagt der NZ-Informant. „Sie sind alle funktionsfähig. Unsere Arbeit ist gut. Das werden wir auch der Staatsanwaltschaft beweisen.“

 

Gabi Eisenack E-Mail

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