Samstag, 08.05.2021

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Ein extraharter Schatz im Boden

Sandstein aus Worzeldorf - 31.08.2010 18:40 Uhr

Hier muss man schon sehr genau hinsehen, um das Besondere zu erkennen: Am Ölberg unterhalb der Nürnberger Burg liegen Reste des ursprünglichen Katzenkopfpflasters aus dem beständigen Worzeldorfer Granit.

31.08.2010 © Hagen Gerullis


Größtenteils besteht das Nürnberger Kopfsteinpflaster aus Granit. Es muss schließlich so viele Tritte und Fahrzeuge aushalten, dass Sandstein viel zu weich wäre - außer es ist ein ganz spezieller Typus. Aus dem Holsteinbruch bei Worzeldorf, nahe dem heutigen Wandertreffpunkt "Steinbrüchlein", kommt ein außerordentlich harter Sandstein, der als Katzenkopfpflaster noch heute an einigen Stellen auf der Straße Am Ölberg unterhalb der Burg verlegt ist. Seit dem 15. Jahrhundert wird dieser Stein namens Worzeldorfer Quarzit abgebaut - darüber hinaus gab es im Mittelalter rund 30 Steinbrüche im Reichswald - und für stark beanspruchte Bauteile wie Mühlsteine, Treppen, Mauern, Fenster- oder Türfassungen verwendet.

Seine Qualität ist durchweg sehr gut, sagt Jobst Dentler, Geschäftsführer der Firma GS Schenk, die heute den Worzeldorfer Steinbruch betreibt. Den rötlich-grauen Quarzit gibt es in unterschiedlichen Härtegraden. Teilweise kann man ihn nur brechen, nicht schneiden; der dichteste lässt sich weder von Mensch noch Maschine bearbeiten. Denn er besteht aus hydrothermal verändertem Burgsandstein, das heißt, Wasser vermischte sich in großer Tiefe unter Druck mit den Gesteinsschichten. So kommt dieses Material zu einer viel festeren Bindung als der übliche Sandstein. Es verwittert kaum.

Die Vorräte reichen noch

Viele Ecken in Nürnberg, darunter das Opernhaus, die Burgmauer, die Fleischbrücke, das alte Hammerwerk in Laufamholz, die Türme von St.Sebald und das Dürer-Grab auf dem Johannisfriedhof, enthalten den Worzeldorfer Stein. Beim Bodenbelag wurde jedoch im 19. Jahrhundert, als die Eisenbahn die Transporte erleichterte, zum Granit gewechselt, der zudem billiger war. Die Überbleibsel des Pflasters am Ölberg sind denkmalgeschützt. GS Schenk baut für Baudenkmalsanierungen noch laufend in Worzeldorf ab. Der Bedarf hält an: Erst jüngst hat ein Steinmetzgeselle einen Zierstein für den neu entstehenden Pellerhof geschlagen - Material und Arbeitszeit waren eine Spende des Unternehmens. Nach heutigem Sachstand hält das Vorkommen im Boden mindestens noch 30 Jahre. "Für die nächste Generation wird es sicher noch reichen", sagt Dentler.

 

Von Isabel Lauer

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