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Erneut kommen Italiener nach Deutschland

Zwischen Pegnitz und Piazza vom 15. September 2012 - 14.09.2012 12:48 Uhr

 Siamo già arrivati a questo punto (Sind wir tatsächlich schon so weit)? Erwartet Deutschland in der nächsten Zeit eine verstärkte Zuwanderung aus Italien, und im Allgemeinen aus den südeuropäischen Krisenländern?

Diese Zukunft scheint schon Gegenwart zu sein, zumindest wenn man die aktuellen Zahlen der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit betrachtet: Nach der jüngsten Statistik (bis Mai 2012) hat sich die Zahl der Beschäftigten aus den vier Ländern Spanien, Griechenland, Portugal und Italien im Vergleich zum Vorjahr um 28000 Personen erhöht. Das entspricht 6,5 Prozent, und wenn man bedenkt, dass die gesamte Beschäftigung in Deutschland um 1,6 Prozent zugenommen hat, handelt es sich um bemerkenswerte Zahlen!

Was aber ist der Auslöser für den Zuwachs an italienischen Arbeitnehmern in Deutschland? Haben alle in Germania (in Deutschland) lebenden Italiener ihre Arbeitsverhältnisse endlich ordentlich geregelt, oder handelt es sich um Italiener, die das erste Mal hier einen Job suchen? In Italia spricht man schon von einer neuen Emigrationswelle nach Deutschland – und bei einer Arbeitslosenquote von 35 Prozent unter den jüngeren Italienern sollte dies wirklich niemanden überraschen!

Es geht aber nicht nur um la cosiddetta fuga di cervelli (die sogenannte Flucht der Gehirne): Unter denjenigen, die sich für die Emigration entscheiden, sind auch spezialisierte Arbeiter, die auf der Halbinsel kaum eine Arbeitsperspektive sehen – und in den deutschsprachigen Ländern dagegen dringend gesucht werden.

Wie Italiener in Franken überleben

Was sind die ersten „Gebrauchsanweisungen“ für meine Landsleute, die in Franken cercano fortuna (ihr Glück suchen)? Sie sollten mit der deutschen Sprache schon ein bisschen vertraut sein, per non parlare come i turchi (um nicht wie die Türken zu sprechen) – und tatsächlich nehmen beim Goethe-Institut in Italia die Anmeldungen für Sprachkurse, vor allem Deutsch für das Berufsleben, in der letzten Zeit ständig zu. Italiener sind für ihr angeborenes Talent bekannt, mit den Händen zu sprechen, trotzdem si consiglia loro vivamente (wird ihnen stark empfohlen), die deutschen Höflichkeitsfloskeln zu lernen – vor allem sollten sie die „magischen“ Worte grazie (danke), per favore und prego (beides: bitte) wieder üben, die man auf der Halbinsel leider zu oft vergisst. Sobald sie die deutsche Sprache besser beherrschen, sollten sie auch sich kurz und bündig halten, per arrivare al dunque (um zur Sache zu kommen), sonst laufen sie die Gefahr, dass ihr deutscher Ansprechpartner irritiert ist – oder sogar einschläft!

Die allerwichtigste Voraussetzung, um in Nürnberg nicht enttäuscht zu werden, ist aber so schnell wie möglich die Bedeutung des existenziellen Ausdrucks „Bassd scho!“ zu lernen, der sich im ersten Moment für die italienischen Ohren nicht besonders freundlich anhört: Wenn ein schweigsamer Franke ihn ausspricht, macht er einem das schönste Kompliment, vergleichbar mit benissimo oder perfetto. Danach kann man sich mit dem Buch von Ted Hertle „Mittelfränkisch für Neigschmeggde, Fremddialektler und andere Erläuterungsbedürftige“ in der Vertiefung der Mundart versuchen.

Nicoletta De Rossi E-Mail

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