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Es ist Zeit für Zündapp-Legenden

Neue Ausstellung im Museum Industriekultur - 17.06.2012 13:30 Uhr

Sie lassen Legenden wieder glänzen: Jochen Zarnkow, Museumsleiter Matthias Murko, Gustav Franke und Günter Sengfelder (v.l.). Vorne im Bild die "Z 22", die 90 Jahre alt wird, hinten steht die "DS 350", die 75 wird. © Michael Matejka


Das sind nicht einfach alte Motorräder, das sind Legenden, die hier stehen: Die „Zündapp Z 22“ ist 90 Jahre alt, die „Zündapp DS 370“ 75. Für Museumsleiter Matthias Murko bietet dieses zweifache Jubiläum einen guten Grund, die Maschinen zu präsentieren und zugleich ein Kapitel Nürnberger Industriegeschichte zu erzählen. Zum Ausstellungsstart hat er drei ehemalige Zündapp-Mitarbeiter eingeladen, die zu den letzten Zeugen eines Jahrhunderts gehören, in dem die Stadt noch ein industrielles Schwergewicht war.

Günter Sengfelder hat 25 Jahre lang im Konstruktionsbüro der Zündapp-Werke gearbeitet, ist erfolgreich Rennen gefahren und nun ein geschätzter wie geduldiger Informant, wenn es um die Geschichte des Unternehmens und seiner Produkte geht. Bis 1918 sei Zündapp ein reines Rüstungsunternehmen gewesen, erzählt er. „Nach dem Krieg wusste man dann nicht mehr, was man bauen sollte. Selbst über Schreibmaschinen wurde nachgedacht.“

Bis der Firmenchef 1922 bei einer Automobilausstellung ein englisches Motorrad entdeckte, eine „Lewis“. Und die ließ er kopieren. Ein Erfolgsmodell war geboren. Sein Name: „Zündapp Z 22“. Ein Motorrad für jedermann sollte es sein, kostengünstig, einfach konstruiert. Nach einem Jahr waren schon 1000 Exemplare verkauft. „Es gab keinen Kickstarter“, sagt Sengfelder. „Man musste die Maschine anschieben und sich dann draufschwingen.“

Im Februar 1922 kostete die „Z 22“ 17800 Mark, im November 1923 schon 1200 Millionen – ein Betrag, der der Inflation geschuldet war. Auch mit solchen Zahlen kann sich der Besucher in der Ausstellung beschäftigen – in Vitrinen sind historische Papiere und Fotos zu sehen.

Eigentlich hatte alles mit dem Fahrrad begonnen, erzählt Matthias Murko. Die Fahrradstraße im Westen der Stadt zeuge heute noch davon, dass Nürnberg schon früh ein Standort der Massenmobilität war. Später wurden dann Motorräder gebaut, 40 Hersteller hat es in Nürnberg einst gegeben, der größte und wichtigste davon war Zündapp, bis die Firma 1984 in Konkurs ging, von einem chinesischen Unternehmen gekauft und in die Volksrepublik verlagert wurde.

Doch bleiben wir in den 30er Jahren, als Zündapp zu den fünf bedeutendsten Motorradfabriken Europas gehörte. Und sie stellte 1937 ein technisch besonders interessantes Modell her, die „DS 350“. Diese war für den Sport konstruiert – wie damals üblich ohne Hinterfederung, aber mit einer Luft-Öl-Federgabel. „Damit wurde Neuland beschritten“, sagt Sengfelder. Der einzige Prototyp, der hergestellt wurde, ist nicht mehr erhalten.

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Was im Museum stand, war lediglich ein „katastrophal restaurierter Nachbau“. Für die drei Zündapp-Experten eine Herausforderung, und so überredeten sie den Museumschef zu einem Rettungsprojekt: Sengfelder erstellte mit Hilfe historischer Fotos die Pläne für den Nachbau des Prototyps, der ehemalige Werks-Rennfahrer Gustav Franke organisierte die Teile und der Zündapp-Spezialist Jochen Zarnkow überwachte die Arbeiten mit Argusaugen. Keine historisch nicht belegte Schraube durfte mit dem Prachtstück in Berührung kommen.

Günter Sengfelder und seine Kollegen freuen sich darüber, dass ihr Wissen noch gefragt ist. Und dass Museumschef Murko so offen für Ideen und Anregungen ist. „Man muss es schließlich realistisch sehen“, sagt Sengfelder. „Irgendwann gibt es uns nicht mehr.“ Er ist, wie Gustav Franke, Jahrgang 1937 – also genauso alt wie ihr jüngstes Projekt, die „DS 350“.

Die Ausstellung dauert bis zum 29. Juli und ist Di. bis So. im Museum Industriekultur zu sehen, Äußere Sulzbacher Straße 62. 231 – 38 75 oder www.museen.nuernberg.de


  

Gabi Eisenack

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